Extrem-Winter in den USA

08. Januar 2018 07:47; Akt: 08.01.2018 07:53 Print

Löschwasser lässt Haus nach Brand vereisen

Der Extrem-Winter hält im Osten der USA und Kanadas weiter an. 22 Menschen sind durch die arktische Kälte ums Leben gekommen.

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In den USA sind an diesem Wochenende rund 100 Millionen Menschen von der massiven Kältewelle betroffen, die derzeit die Ostküste heimsucht. Auf dem Mount Washington im US-Staat New Hampshire wurden am Samstag Temperaturen von bis zu minus 37 Grad gemessen. In der Metropole New York zitterten die Menschen bei minus 13 Grad.

Im US-Staat Rhode Island behandelten Krankenhäuser Dutzende Patienten mit wetterbedingten Verletzungen. Mindestens 22 Menschen seien seit Beginn der Kältewelle ums Leben gekommen, meldete am Sonntag der Sender CNN.

Chaos im Flugverkehr

In Boston gefror sogar das Löschwasser der Feuerwehr: Ein Haus brannte zuerst, und am Tag darauf war es völlig vereist, wie eindrückliche Bilder zeigen. 25 Bewohner mussten evakuiert werden.

Tags zuvor hatten die extreme Kälte und die Auswirkungen eines schweren Wintersturms im Osten der USA und Kanadas zu Chaos im Flugverkehr geführt. Besonders betroffen war der Flughafen JFK in New York. Mehr als 3420 US-Flüge waren verspätet, mehrere Maschinen auf Transatlantikstrecken kehrten auf halbem Weg wieder um. Laut Wetterdienst soll die arktische Kälte bis in die kommende Woche anhalten.

Umbuchungen und Schäden

Die für die New Yorker Flughäfen zuständige Behörde Port Authority erklärte das Chaos vom Samstag mit Umbuchungen nach dem Wintersturm vom Donnerstag sowie durch den Sturm entstandenen Schäden an der Ausrüstung an den Flughäfen. Dies habe zu erheblichen Verspätungen geführt.

Die Internetseite Flightradar24 meldete, mindestens zwölf internationale Flüge hätten am JFK rund zwei Stunden auf ein Gate warten müssen. Viele Passagiere klagten über stundenlange Wartezeiten auf den Rollfeldern und anschließende Verzögerungen bei der Gepäckausgabe, was sich insbesondere für kleine Kinder und ältere Menschen als große Herausforderung dargestellt habe.

«Bin seit mehr als drei Stunden auf dem Rollfeld von JFK gestrandet», schrieb der Passagier einer Alitalia-Maschine, Chris Mendez, im Kurzbotschaftendienst Twitter. «Mehrere Passagiere benötigen medizinische Hilfe, die Crew kommuniziert nicht, Babys schreien vor Hunger, und die Leute rufen vom Flugzeug aus die Polizei an», schrieb er.

Hungrige Kinder schreien

«Verliere die Geduld», twitterte der Passagier eines Virgin-Atlantic-Flugs am Flughafen JFK, James Allen. Er habe drei Stunden auf dem Rollfeld und anschließend zwei Stunden am Gepäckband verbracht. «Zwei kleine Kinder, hungrig, durstig und müde, keine Toiletten und keine Hilfe bei der Gepäckausgabe, sehr unschön», schrieb er.

Mehrere Maschinen auf Transatlantik-Strecken gaben bereits vor der Landung auf und machten kehrt. Dazu zählten laut Flightradar24 eine Lufthansa-Maschine aus Frankfurt und eine Maschine aus Wien, die wegen der «Auslastungsgrenze am JFK» über Irland und Großbritannien umdrehten. Eine Aeroflot-Maschine aus Moskau kehrte über Island um.

Andere Flüge wurden umgeleitet, darunter eine Norwegian-Air-Maschine aus London, die 112 Kilometer nördlich von New York am Flughafen Stewart International landete. Ein Flugzeug der Japan Airlines aus Tokio wurde der Flug-Website zufolge nach Boston umgeleitet.

Zwei Maschinen kollidieren

Zusätzlich zu dem Chaos waren am späten Freitagabend zwei Maschinen am JFK an den Tragflächen kollidiert. Es entstand Sachschaden an beiden Flugzeugen, verletzt wurde aber niemand, wie die Behörden erklärten.

Die Internetseite Flight Aware hatte früher am Samstag gemeldet, dass an den New Yorker Flughäfen JFK und La Guardia 20 beziehungsweise 30 Prozent der Flüge gestrichen worden seien. Am Bostoner Logan-Flughafen waren es demnach ebenfalls 30 Prozent. Am Freitag waren etwa 4300 Flüge ausgefallen, rund 3500 weitere hatten zum Teil erhebliche Verspätungen. Flugausfälle und -verspätungen gab es am Samstag auch am Flughafen von Toronto.

In Teilen der US-Bundesstaaten Connnecticut, Maine, Massachusetts, New Hampshire, New Jersey, New York, North Carolina, Rhode Island, Vermont und Virginia lag der Schnee mehr als 30 Zentimeter hoch, wie der US-Wetterdienst NWS mitteilte. Tausende Schneepflüge waren zur Räumung der Straßen im Einsatz.

Hudson River teilweise zugefroren

In New York meldete der Wetterdienst am Samstag die niedrigsten jemals registrierten Tageshöchsttemperaturen. Der Hudson River war teilweise zugefroren. Die Behörden warnte vor Frostbeulen an nicht geschützter Haut binnen zehn Minuten. Am Mount Washington im Bundesstaat New Hampshire wurde am Samstag mit minus 37,8 Grad Celsius die zweitniedrigste Temperatur auf der Welt gemessen. In Kanada wurden für das nördliche Ontario und Québec minus 50 Grad Celsius vorhergesagt.

Den Behörden zufolge soll die arktische Kälte bis in die kommende Woche andauern. Für die Region von Kansas bis Tennessee wurde Eisregen vorhergesagt und vor glatten Straßen gewarnt. Durch die Kältewelle sollen bereits mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben gekommen sein.

(L'essentiel/nxp/ap/afp)

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