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27. Juli 2018 07:35; Akt: 27.07.2018 09:19 Print

600 Migranten stürmen spanische Exklave

Rund 600 afrikanische Flüchtlinge haben den Grenzzaun in die spanische Exklave Ceuta überwunden. Sie attackierten die Polizei mit Branntkalk und Exkrementen.

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Gewaltsam sind mehr als 600 Menschen am Donnerstagmorgen in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta gelangt. Die afrikanischen Flüchtlinge hätten die gut sechs Meter hohen doppelten Stacheldrahtzäune überwinden können, berichteten spanische Medien übereinstimmend unter Berufung auf die Polizei.

Die Migranten attackierten die Polizei unter anderem mit selbst gebauten Flammenwerfern und mit Branntkalk, der beim Kontakt mit der Haut gefährliche Verätzungen verursacht. Laut «El Mundo» wurden dabei 22 Beamte der Guardia Civil verletzt, das Rote Kreuz vermeldete 132 verletzte Flüchtlinge. Vier Polizisten und elf Flüchtlinge mussten mit Schnittwunden, Verbrennungen in den Augen und Atembeschwerden in ein Krankenhaus in Ceuta gebracht werden.

Der brutalste Angriff seit langem

Es habe sich um den größten Ansturm der vergangenen Jahre auf die Exklave an der Straße von Gibraltar gehandelt. Dabei seien die Flüchtlinge so «brutal wie noch nie zuvor» vorgegangen, wurde ein Polizeisprecher von der Nachrichtenagentur Europa Press zitiert. Die Männer hätten die Polizei zudem mit Drahtscheren und anderen Ätzsubstanzen angegriffen, weiter hätten sie sie mit Urin und Exkrementen beworfen.

Den Angaben zufolge versuchten Hunderte weitere Flüchtlinge, ebenfalls über die Grenzzäune zu klettern. Sie seien aber von spanischen und marokkanischen Beamten daran gehindert worden. Laut der Zeitung «ABC» warten derzeit rund 40.000 Flüchtlinge darauf, den gefährlichen Stacheldrahtzaun zu überwinden und so EU-Boden zu erreichen.

Spanien verfügt in Nordafrika über zwei Exklaven, die beide von Marokko beansprucht werden: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. In der Nähe der beiden Gebiete harren Zehntausende notleidende Migranten vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara auf eine Gelegenheit, in die EU zu gelangen.

(L'essentiel/kle/sda)