Tote bei Waldbränden in USA

31. Juli 2018 07:28; Akt: 31.07.2018 09:00 Print

«Opa, bitte komm und hol mich»

Sieben Tote haben die heftigen Waldbrände in Kalifornien bereits gefordert. Unter den Opfern ist ein fünfjähriger Junge. Sein Hilferuf erschüttert die USA.

Ed Bledsoe verliert bei den Waldbränden in Kalifornien seine Frau und seine Urenkel. (Video: Tamedia/CBSNews)

Zum Thema

Der verzweifelte Hilferuf eines kleinen Jungen während der Waldbrände in Kalifornien lässt die Menschen in den USA erschüttert zurück. «Opa, bitte komm und hol mich», sagte der fünfjährige James am Telefon zu seinem Urgroßvater Ed Bledsoe, bevor er zusammen mit seiner Schwester und Urgroßmutter ums Leben kam.

Insgesamt sieben Menschen sind bislang durch die Waldbrände in verschiedenen Teilen des US-Westküstenstaates getötet worden. Ed Bledsoe befand sich nach eigener Schilderung am Donnerstag im nordkalifornischen Bezirk Shasta auf dem Weg zum Arzt, als ihn der Hilferuf seiner 70-jährigen Frau Melody erreichte. Sie könne das Feuer von ihrem Haus aus sehen, habe sie gesagt.

Feuer kam durch die Hintertür

Er sei sofort zurückgefahren, habe wegen der Sperrungen und Flammen aber nicht zum Haus gelangen können, berichtete Bledsoe im Fernsehsender CNN. Bei einem weiteren Telefonat habe ihm sein Urenkel James gesagt: «Das Feuer kommt durch die Hintertür. Opa, komm.» Auch die vierjährige Emily und seine Frau seien am Telefon gewesen. «Komm und hol uns» habe ihn sein Urenkel immer wieder angefleht. «Er hat gesprochen bis er starb», erzählte Bledsoe unter Tränen. Und er sagte auch: «Ich wäre gerne dort hineingegangen und mit ihnen zusammen gestorben.»

Shasta County war besonders heftig von den Waldbränden betroffen. Dort wütete das sogenannte Carr-Feuer, der schlimmste der insgesamt 17 großflächigen Brände im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat.

Sieben Menschen vermisst

Neben den drei Angehörigen von Ed Bledsoe kam in der Zone noch ein weiterer Mensch in seinem Haus um Leben. Seine Überreste seien am Sonntag gefunden worden, sagte der Polizeichef des Bezirks, Tom Bosenko. Auch zwei Feuerwehrleute kamen in der Zone ums Leben. Zudem wurden dort laut Bosenko weitere sieben Menschen vermisst.

12 000 Feuerwehrleute im Einsatz

Ein weiterer Feuerwehrmann starb im sogenannten Ferguson-Feuer im Zentrum von Kalifornien, das die Schließung von Teilen des berühmten Yosemite-Nationalparks erzwang. Der Mann wurde von einem Baum erschlagen, wie die Leitung des Sequoia and Kings National Parks mitteilte.

38.000 Menschen mussten Häuser verlassen

Die Waldbrände verwüsteten in Kalifornien bislang 80.000 Hektar Fläche. Rund 12.000 Feuerwehrleute waren nach Angaben der Behörden im Einsatz. Das Carr-Feuer weitete sich am Wochenende deutlich aus. Gouverneur Jerry Brown verhängte für diese Gegend den Notstand. 38.000 Menschen mussten dort nach Behördenangaben ihre Häuser verlassen.

Zehntausende Menschen sind auf der Flucht: In Kalifornien wüten heftige Waldbrände. (Video: Tamedia/AFP)

Um sechs Uhr morgens habe es an der Tür gehämmert, «es war der Sheriff, der uns sagte, wir hätten 15 Minuten», sagte die Rentnerin Alyce Macken aus der Stadt Redding der Nachrichtenagentur AFP. Aus der Ferne habe sie dann ihr Haus in Flammen aufgehen sehen. «Es war fast wie ein Tornado mit Feuer drin, und es kam über den Hügel und fegte unser Haus weg.»

Behörde optimistisch

Seit Beginn der Evakuierungen sei es zu Plünderungen gekommen, sagte der Polizeichef von Redding, Roger Moore. Die Polizei würde daher jeden festnehmen, der keinen berechtigten Grund habe, dort zu sein. Zwei mutmaßliche Plünderer gingen der Polizei ins Netz.

Eine dicke Rauchglocke hing zu Wochenbeginn über großen Teilen Nordkaliforniens. Nur etwa 17 Prozent des Carr-Feuers konnten bis Sonntagabend (Ortszeit) nach Angaben von Cal Fire, der kalifornischen Forst- und Feuerschutzbehörde, eingedämmt werden.

Trotzdem gab sich die Behörde optimistisch: «Wir beginnen etwas an Boden zu gewinnen», sagte der leitende Beamte Bret Gouvea. US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag Bundesmittel für Feuerbekämpfung in Kalifornien freigegeben.

(L'essentiel/scl/afp)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.