Langes Leben

09. November 2016 14:59; Akt: 09.11.2016 15:23 Print

Von wegen Zoos sind schlecht für die Tiere

Die meisten Säugetiere in Zoos haben eine höhere Lebenserwartung als ihre in Freiheit lebenden Artgenossen. Das zeigt ein Vergleich von 50 Arten.

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Rivalität unter Artgenossen, knappe Nahrung, Fressfeinde und raue Bedingungen: Vor all diesen Widrigkeiten der freien Wildbahn sind Säugetiere in Zoos geschützt. Und tatsächlich leben die meisten der von Forschern der Universitäten Zürich und Lyon untersuchten Säugetierarten in Gefangenschaft länger. Das gilt für so verschiedene Arten wie Rentier, Biber oder Löwe.

«Alle 15 Raubtierarten erreichten laut unseren Datensätzen eine höhere Lebensdauer im Zoo», sagt Marcus Clauss von der Universität Zürich laut einer Mitteilung der Hochschule. Offenbar sei auch als Räuber das Überleben in der Natur nicht unbedingt leicht.

Wiesel, Hirsch und Wildhund

Besonders groß war der Unterschied in der Lebensdauer bei Arten mit kurzer Lebensspanne, hoher Reproduktionsrate und hoher Sterblichkeit in freier Wildbahn. Das betrifft beispielsweise Spitzhörnchen, Wiesel, Weißwedelhirsch und Wildhund. Durch natürliche Feinde und Konkurrenz in der Gruppe sterben Individuen dieser Arten in freier Wildbahn früher als in Zoos.

Dieser «Schutzeffekt» der Zoohaltung mag nicht überraschen, ist allerdings nicht selbstverständlich: Bei Arten, die eine längere Lebensspanne haben und eine geringere Sterblichkeit aufweisen, sei der Unterschied in der Lebensdauer kleiner oder kehre sich in manchen Fällen sogar um, so Clauss. Gewisse Arten leben also in freier Wildbahn länger. Während Zoos genau darüber Buch führen, wie alt ihre Tiere werden, fehlten lange Zeit genaue Daten über die Lebenserwartung in freier Wildbahn. Inzwischen gebe es aber ausreichend Studien darüber, um den Vergleich anstellen zu können, schreibt die Universität Zürich.

Langfristige Effekte

Allerdings widerspiegelt die Studie nicht unbedingt die heutige Lebenserwartung mancher Zootiere: Da man bei noch lebenden Tieren nicht weiß, wie alt sie noch werden, konnten die Forscher nur Daten zu bereits verstorbenen Individuen verwenden. Verbesserungen in der Tierhaltung der letzten Jahre kann die Studie somit insbesondere bei den langlebigen Arten nicht aufzeigen, da die meisten davon betroffenen Individuen noch leben.

Die Lebensdauer sei zudem nur ein Faktor unter vielen, um die Tierhaltung in Zoos ethisch zu beurteilen, betonen die Forscher. «Die vielleicht wichtigste Erkenntnis unserer Studie ist, dass das Leben in freier Wildbahn kein Dasein unter paradiesischen Bedingungen ist», schreibt Clauss in der Mitteilung. Die Studie wurde im Fachjournal «Scientific Reports» veröffentlicht.

(L'essentiel/fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zooinsasse am 09.11.2016 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich findet jetzt nicht irgendein Sicherheitsfanatiker heraus, dass man die durchschnittliche Lebensdauer der Menschen erhöhen kann, wenn man sie einfach einsperrt. Ich denke da an Leute wie Bausch, Hammelmann, Moutsch etc...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zooinsasse am 09.11.2016 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich findet jetzt nicht irgendein Sicherheitsfanatiker heraus, dass man die durchschnittliche Lebensdauer der Menschen erhöhen kann, wenn man sie einfach einsperrt. Ich denke da an Leute wie Bausch, Hammelmann, Moutsch etc...

    • Yumitoo am 10.11.2016 10:42 Report Diesen Beitrag melden

      Hahaha! Ja, weil die Lebensdauer eines Menschen kann auch durch Einsperren erhöht warden. Man vermeidet so z.B. Verkehrsunfälle . Nur soviel: wer möchte schon eingesperrt sein? Die Tiere wären bestimmt auch lieber frei als auf einem sehr begrenzten Raum eingesperrt ....

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