Klinik schwieg

24. Juni 2019 08:21; Akt: 24.06.2019 21:20 Print

Arzt soll Kinder missbraucht haben

SAARLAND – Die Universitätsklinik hat Eltern jahrelang nicht über den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch von Kindern durch einen Arzt informiert.

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Die Klinik hat die Eltern nicht über die Missbrauchsfälle informiert. (Bild: DPA/Monika Skolimowska)

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Ein inzwischen gestorbener Assistenzarzt hat am Universitätsklinikum in Homburg bis 2014 womöglich mehrere Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht. Es bestehe der Verdacht, dass er medizinisch nicht notwendige Untersuchungen am Intimbereich der Kinder vorgenommen habe, die als Routinemaßnahmen dargestellt wurden, teilte die Einrichtung am Montag mit. Die möglichen Opfer seien im Schnitt zwischen fünf und acht Jahre alt gewesen sein, hieß es. Es habe sich überwiegend um Jungen gehandelt. Der Arzt sei auch Judotrainer eines örtlichen Vereins gewesen. Dieser sei damals über die Ermittlungen informiert worden und habe ihn daraufhin als Trainer entlassen.

Der Mediziner wurde 2014 vom Universitätsklinikum entlassen. Ermittlungen gegen ihn wurden nach seinem Tod 2016 eingestellt. Wie der leitende Oberstaatsanwalt Michael Görlinger am Montag bei einer Pressekonferenz im Homburg sagte, starb der Mann im Alter von 36 Jahren eines natürlichen Todes. Konkret befassten sich die Ermittlungen mit der Behandlung von 34 Patienten, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit.

Weitere Fälle nicht auszuschließen

Die Öffentlichkeit wurde am Montag in Homburg von der Klinikleitung, der Rechtsaufsicht und den Behörden informiert. Demnach werden mehr als 300 Patientenakten noch einmal überprüft. Sie seien bereits einmal nach möglichen Missbrauchsopfern durchsucht worden, dabei hätten sich aber zunächst keine Anhaltspunkte ergeben, teilte die Klinikleitung mit. Es sei nicht auszuschließen, dass sich weitere Verdachtsfälle ergeben – daher die erneute Prüfung.

Demnach ging es in den damaligen Ermittlungen um «möglicherweise nicht medizinisch indizierte Untersuchungen insbesondere des Genital- und Analbereiches von kindlichen Patienten», die in der sogenannten Ausscheidungsambulanz des Klinikums vorgenommen wurden. Diese Spezialambulanz kümmert sich um Patienten, die einnässen oder einkoten. Das Verfahren war ins Rollen gekommen, nachdem die Klinik 2014 Strafanzeige gegen den Mediziner gestellt hatte. Nach Angaben der Uni-Klinik war der Arzt von 2010 bis 2014 an der Kinder- und Jugendpsychiatrie beschäftigt. Allerdings habe man erst in den vergangenen Monaten damit begonnen, die möglichen Opfer und deren Eltern zu informieren und Hilfe anzubieten, hieß es von Seiten der Klinik.

Befragungen hätten «mehr geschadet als genutzt»

Allerdings habe man bisher nur einen Teil der Betroffenen erreicht. Als Grund für die späte Aufklärung der betroffenen Kinder beziehungsweise ihrer Eltern, gab der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Wolfgang Reith an, damals habe die Erwägung im Vordergrund gestanden, den Kindern durch die nötigen Befragungen am Ende womöglich «mehr geschadet als genutzt» zu haben, sagte er. Man sei davon damals ausgegangen, dass die Kinder in der Regel nicht bemerkt hätten, dass der Assistenzarzt sie sexuell missbraucht habe. Man habe die jungen Patienten schützen und nicht traumatisieren wollen. Weshalb man aber auch die Eltern nicht informiert hatte, konnte am Montag nicht schlüssig von der Klinikleitung beantwortet werden.

Die gesetzlichen Vertreter der in der Klinik behandelten Kinder wurden auch nicht von der Staatsanwaltschaft informiert. Dafür habe es keine rechtliche Grundlage gegeben. Nach den für die Staatsanwaltschaft maßgeblichen Vorschriften wäre dafür Voraussetzung gewesen, dass die Kinder den Status «Verletzte» gehabt hätten. «Das war nicht der Fall», sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Allerdings war auch die saarländische Rechtsaufsicht erst im April über die Fälle war informiert worden.

Wie die zuständige Abteilungsleiterin Annette Groh am Montag sagte, hat man einen Sachverständigen im Bereich des Kinder- und Opferschutzes zu Rate gezogen. Er habe empfohlen, größtmögliche Transparenz walten zu lassen und die Umstände aufzuklären. Dem Rat sei man nun gefolgt. In diesem Zusammenhang werde disziplinarrechtlich gegen einen Beamten ermittelt, der am Uni-Klinikum arbeitet.

Während der Ermittlungen 2015 stellte die Staatsanwaltschaft bei dem Beschuldigten elektronische Datenträger mit Bilddateien sicher, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten. Die Aufnahmen seien außerhalb der Klinik ohne Bezug zu Untersuchungshandlungen entstanden, sagte der Sprecher. Hier seien drei Geschädigte ermittelt worden, zu denen weitere Verfahren eingeleitet wurden. Bei diesen drei Kindern seien die Eltern informiert worden. Wie Oberstaatsanwalt Görlinger sagte, gebe es aber keinen Hinweis darauf, dass der alleinstehende Arzt in einem Netzwerk von Pädophilen aktiv war.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lord Bolton! am 24.06.2019 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch wie immer. Jetzt bekommt er eine kleine Geldstrafe und ist wieder auf freiem Fuß. Dem Drecksack müsste man die Eierabschneiden und ihm sie ins Maul stopfen!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lord Bolton! am 24.06.2019 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch wie immer. Jetzt bekommt er eine kleine Geldstrafe und ist wieder auf freiem Fuß. Dem Drecksack müsste man die Eierabschneiden und ihm sie ins Maul stopfen!!!

    • wer lesen kann ist klar im Vorteil am 24.06.2019 10:19 Report Diesen Beitrag melden

      "Der Assistenzarzt ist 2016 verstorben."

    • Benz Karl-Heiz am 24.06.2019 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Einen bereits (2016) Verstorbenen mit einer Geldstrafe zu belegen, das wäre genauso unterbelichtet wie Ihr Kommentar.

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