Terror in Neuseeland

15. März 2019 20:57; Akt: 17.03.2019 13:15 Print

Bei Anschlag auf Moscheen sterben 50 Menschen

Bei einem Angriff auf zwei Moscheen sterben in der Stadt Christchurch mindestens 50 Menschen. Der mutmaßliche Haupttäter wird festgenommen. Über sein Motiv wird gerätselt.

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Bei einem Angriff auf zwei Moscheen in Neuseeland sind am Freitag mindestens 50 Menschen getötet und Dutzende weitere schwer verletzt worden. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern stufte die Attacken in der Stadt Christchurch als «terroristischen Angriff» ein. Als mutmaßlicher Haupttäter wurde ein 28-jähriger Australier festgenommen, der am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden soll. Zudem gab es zwei weitere Festnahmen. Aus Sorge vor weiteren Angriffen wurden die Sicherheitsvorkehrungen vor anderen Moscheen verschärft. Die Bluttat löste weltweit Entsetzen aus.

Der Angriff hatte gegen 13.45 Uhr (1.45 Uhr MEZ) in der Al-Nur-Moschee begonnen, die in der Innenstadt liegt. Zur Zeit des Freitagsgebets drang ein bewaffneter Mann in die Moschee ein und schoss mit einer Schnellfeuerwaffe um sich. In dem Gebäude hielten sich nach Augenzeugenberichten etwa 300 Menschen auf. Auf seinem Kopf trug der Mann eine Helmkamera, die seine Tat filmt. Die erschütternden Bilder waren dann auch längere Zeit im Internet zu sehen. Die Polizei fand in dem Gotteshaus und davor insgesamt 41 Leichen.

Mutmaßlicher Haupttäter im Auto gestoppt

Einige Zeit später fielen dann auch in einer anderen, etwa sechs Kilometer entfernten Moschee Schüsse, ebenfalls in Christchurch. Dabei gab es nach Angaben der Polizei mindestens sieben Tote. Ein Verletzter starb später im Krankenhaus. Die Polizei wollte sich nicht näher dazu äußern, ob es sich um denselben Attentäter handeln könnte. Der genaue Ablauf der Tat war auch nach Stunden noch nicht geklärt. 48 Menschen wurden mit Schusswunden in Krankenhäuser gebracht.

Der mutmaßliche Haupttäter wurde später von Beamten in seinem Auto gestoppt. Zwei weitere Verdächtige, die ebenfalls im Besitz von Schusswaffen waren, wurden festgenommen. Eine vierte Person kam wieder auf freien Fuß. Nach Polizeiangaben wurden an Autos auch Sprengsätze entdeckt. Zu den Hintergründen der Tat äußerte sich die Polizei bislang nicht.

Muslime sollten zu Hause bleiben

Aus Angst vor weiteren Angriffen blieben Schulen und andere öffentliche Gebäude in der Stadt stundenlang verriegelt. Die Polizei appellierte an die Bevölkerung – insbesondere an Muslime –, zu Hause zu bleiben. Erst am Abend (Ortszeit) entspannte sich die Lage wieder.

Viele Menschen in dem Pazifikstaat reagierten geschockt. Neuseelands Premierministerin Ardern sprach von einem der «dunkelsten Tage» in der Geschichte des Landes. Australiens Premierminister Scott Morrison bestätigte, dass einer der Verdächtigen Australier sei. Er sprach von einem «rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen». Im Internet kursiert auch ein 74-seitiges «Manifest», das von dem mutmaßlichen Täter stammen soll und in dem er die Tat ankündigt. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht dazu, ob sie es für echt hält. Auch zu den Opfern gab es bislang keine genauen Angaben.

Minderheit hat muslimischen Glauben

In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Viele der etwa 50.000 Muslime sind Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Größte Religionsgruppe in Neuseeland ist das Christentum.

Die Stadt Christchurch hat mehr als 350.000 Einwohner und liegt auf der Südinsel des Pazifikstaats. Bürgermeisterin Lianne Dalziel sagte: «Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann.»

Hier können Sie die Ereignisse im Einzelnen nachlesen.

(L'essentiel/dpa)

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