Nach Gerichtsurteil

17. Oktober 2019 13:08; Akt: 17.10.2019 13:38 Print

Darum tobt in Barcelona die Wut

Seit drei Tagen kommt es in Barcelona zu heftigen Ausschreitungen. Das müssen Sie über die jüngste Krise in Katalonien wissen.

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Das ist geschehen

In Barcelona ist es am Mittwochabend den dritten Abend in Folge zu schweren Ausschreitungen von Anhängern der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung gekommen. Nach einem friedlichen Protestmarsch Tausender Menschen in der Großstadt errichteten Hunderte junge Demonstranten Barrikaden, setzten Abfalleimer und Autos in Brand und schleuderten Flaschen und Steine auf die Polizei. Protestler blockierten Straßen sowie Bahnlinien, berichteten Augenzeugen.

Nach Angaben der Polizei wurden die Beamten dabei erstmals auch mit Molotowcocktails und Behältern mit Säure beworfen. Die Protestierenden schossen zudem Feuerwerkskörper in Richtung eines Polizeihelikopters. Die Polizei feuerte Schaumgeschosse ab. In Tarragona sei ein Demonstrant von einem Polizeiauto angefahren worden und habe ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten.

In Barcelona wurden mindestens 32 Menschen verletzt, wie die Rettungsdienste mitteilten. Auch in anderen katalanischen Städten gab es Ausschreitungen. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben in der gesamten Region rund 20 Menschen fest. Am Dienstag waren mehr als 50 Menschen festgenommen worden.

Das ist der Grund für die Krawalle

Die Ausschreitungen sind die Reaktion auf ein Urteil des Obersten Gerichts in Spanien. Am Montag haben die Richter neun Seperatistenführer verurteilt. Sie erhielten Haftstrafen von bis zu 13 Jahren wegen «Aufruhrs» und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Den Angeklagten wurde vorgeworfen, im Oktober 2017 ein von der spanischen Justiz als illegal eingestuftes Unabhängigkeitsreferendum organisiert zu haben.

Das sagt Kataloniens Regierungschef

Der Chef der Regionalregierung kritisiert die jüngsten Gewaltausbrüche. «Das muss sofort aufhören. Es gibt weder einen Grund oder eine Rechtfertigung dafür, Autos in Brand zu stecken, noch für andere vandalische Aktionen», sagte Regionalpräsident Quim Torra in der Nacht zum Donnerstag in einer vom Fernsehen übertragenen Erklärung. Die Unabhängigkeitsbewegung habe Gewalt stets verurteilt und tue das auch jetzt. «Die Zwischenfälle, die wir auf unseren Straßen erleben, kann man nicht zulassen.»

Quim Torra (Quelle: Keystone)

Das sagt Madrid

Die spanische Regierung hat die gewaltsamen Proteste scharf verurteilt. Eine «Minderheit» setze auf Gewalt in den Straßen der katalanischen Städte, erklärte die Regierung des Sozialisten Pedro Sánchez am Dienstagabend. Inzwischen komme es bei allen Protestaktionen zu Gewalt. Bei den Demonstrationen nach der Verurteilung von Anführern der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung handle es sich nicht um eine «friedliche Bürgerbewegung», erklärte die Regierung. Vielmehr würden Gruppierungen Gewalt einsetzen, um das «Zusammenleben in Katalonien» zu zerstören. Die Regierung werde mit angemessener Härte Sicherheit und Zusammenleben in der Region sicherstellen.

Pedro Sánchez (Quelle: Keystone)

Das löste die Katalonien-Krise aus

Die Krise wurde am 1. Oktober 2017 durch das umstrittene Referendum über die Unabhängigkeit Katalonies ausgelöst. Über 90 Prozent der Stimmbürger sagten Ja – die Wahlbeteiligung lag bei 42 Prozent. Das Verfassungsgericht hatte zuvor die Abstimmung für rechtswidrig erklärt.

Unter Berufung auf einen Verfassungsnotstand hat Madrid die Regionalregierung von Carles Puigdemont abgesetzt. Puigdemont und vier seiner Minister flohen ins Ausland. Andere wurden in Haft genommen.

Carles Puigdemont (Quelle: Keystone)

(L'essentiel/woz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Saupreis am 17.10.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    also ich kann den Missmut der Leute verstehen. Diese Katalanen wollen eine Unabhängigkeit von Spanien, und haben auf demokratischen Weg darüber abgestimmt. Da aber Katalonien reicher ist als andere Gebiete in Spanien, ist es klar, das Spanien nun mit aller Härte die Abspaltung verhindern will. Aber das ist nun mal die europäische Demokratie. Da darf nicht sein, was nicht sein darf

  • der Anton vom Hof am 18.10.2019 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was in Hong Kong als Gut und Richtig ist, soll in Katalonien falsch sein? Komisches Demokratieverständnis

Die neusten Leser-Kommentare

  • der Anton vom Hof am 18.10.2019 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was in Hong Kong als Gut und Richtig ist, soll in Katalonien falsch sein? Komisches Demokratieverständnis

  • Saupreis am 17.10.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    also ich kann den Missmut der Leute verstehen. Diese Katalanen wollen eine Unabhängigkeit von Spanien, und haben auf demokratischen Weg darüber abgestimmt. Da aber Katalonien reicher ist als andere Gebiete in Spanien, ist es klar, das Spanien nun mit aller Härte die Abspaltung verhindern will. Aber das ist nun mal die europäische Demokratie. Da darf nicht sein, was nicht sein darf