Gefährliche Strahlung

07. Februar 2018 21:15; Akt: 07.02.2018 21:16 Print

Der Weltraum-​​Tesla wird nach einem Jahr zerfallen

Der Tesla-Sportwagen, der mit der Falcon-Heavy-Rakete ins All geschossen wurde, könnte Millionen von Jahren unterwegs sein. Nur nicht in einem Stück.

Schwebt durchs All Richtung Mars: Ein Tesla Roadster. (Video: Tamedia/SpaceX)

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Nun ist er also unterwegs, der kirschrote Roadster von Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk. An der Spitze der zurzeit stärksten Rakete der Erde ist er ins All befördert worden. Sein Ziel: eine elliptische Umlaufbahn um die Sonne, die ihn in regelmäßigen Abständen in die Nähe des Mars bringen wird. Auf dieser werde er noch in einer Milliarde Jahre unterwegs sein, sagte Musk dazu im Vorfeld des gestrigen Starts der Falcon-Heavy-Rakete.

Realistischerweise dürfte aber schon viel früher kaum mehr etwas vom Weltraum-Sportwagen übrig sein. Zwar hat er die erste Hürde, den Start, problemlos genommen, doch in den Tiefen des Alls lauern noch weitere Gefahren. Schon kleinste Partikel können verheerende Schäden anrichten, sollten sie das Auto treffen. So erhält ein 30 Gramm schweres Trümmerteil bei einer Geschwindigkeit von 28.000 km/h die Zerstörungskraft eines Geländewagens, der mit 100 km/h unterwegs ist. Und der Tesla wird sogar noch schneller unterwegs sein.

Kein Schutz vor Strahlen

Doch auch wenn der Sportwagen von kleineren oder größeren Einschlägen verschont bleibt, der Strahlung kann er nicht entgehen. Auf der Erde werden wir von einem starken Magnetfeld und der dichten Atmosphäre davor geschützt. Diesen Luxus haben das Cabrio und sein Passagier «Starman» nicht.

William Carroll, ein Kunststoffexperte an der amerikanischen Indiana University, sagte zu Livescience.com: «Alle organischen Verbindungen werden durch die verschiedenen Arten von Strahlung, denen sie dort begegnen, zersetzt.» Als organische Verbindungen werden Verbindungen bezeichnet, die auf Kohlenstoff basieren. Dazu gehören im Falle des Teslas neben den Ledersitzen auch sämtliche Kunststoffteile, inklusive der Karosserie aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff.

Zerfall innerhalb Jahresfrist

Die kosmische Strahlung wird die Verbindungen nach und nach auflösen. Zuerst werden wohl die Ledersitze, die Reifen und die Farbe dran glauben müssen. Unter den gegebenen Bedingungen – schutzlos der Sonnenstrahlung ausgesetzt – dürfte dieser Prozess sehr schnell vor sich gehen. «Diese Verbindungen in dieser Umgebung – ich würde ihnen kein Jahr geben», so Carroll.

Am längsten werden es die kohlenstofffaserverstärkten Teile überleben. Doch auch sie werden irgendwann weg sein. Dann bleiben nur noch die anorganischen Teile übrig: der Aluminiumrahmen, Metallbauteile und alle Teile aus Glas, die nicht schon vorher bei Meteoriteneinschlägen zu Bruch gegangen sind. Und so wird allfälligen Entdeckern in einer fernen Zukunft einiges an Fantasie abverlangt, in dem Trümmerhäufchen noch einen kirschroten Tesla Roadstar aus dem 21. Jahrhundert zu erkennen.

(L'essentiel/jcg)