Picher, Oklahoma

24. Mai 2020 13:46; Akt: 24.05.2020 13:46 Print

Die giftigste Stadt der USA

Gefährlich war das Leben in Picher im US-Bundesstaat Oklahoma schon immer. Doch erst 116 Jahre nach seiner Gründung wurde das Städtchen endgültig aufgegeben.

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Zwei Weltkriege machten Picher im Ottawa County im US-Bundesstaat Oklahoma zu einer boomenden Bergbaustadt mit rund 16.000 Einwohnern. Schließlich konnten dort die für die Produktion der Kriegsmaschinerie so dringend benötigen Materialien Zink und Blei im großen Stil abgebaut werden.

Von der Gründung im Jahr 1891 bis zum Ende des dortigen Bergbaus im Jahr 1970 sollen in den Minen der Region rund 1,7 Millionen Tonnen Blei und 8,8 Millionen Tonnen Zink gefördert worden sein.

«Kaum jemand hat mehr Blei in den Knochen»

Was einst für Freude und Reichtum sorgte, machte die dort lebenden Menschen im Nachhinein sehr krank. «Kaum jemand in den USA hat mehr Blei in den Knochen als die Kinder von Picher», schrieb Spiegel.de anlässlich der Aufgabe Pichers im Jahr 2008.

Laut NBC.com waren bei den Einwohnern des einstigen Bergbaustädtchens die Raten für Lungenkrebs, Bluthochdruck, Atemwegserkrankungen und Kindersterblichkeit stets höher. Wired.com weiß zudem von mehreren Fällen, in denen Kinder nach dem Baden in Flüssen und Seen in der Region chemische Verbrennungen davongetragen haben.

«Ausgewiesenes ökologisches Notstandsgebiet»

Heute gilt Picher als die am stärksten toxisch verseuchte Stadt der USA. Die Geisterstadt liegt im Zentrum der rund 100 Quadratmeter großen Tar Creek Superfund Site, die von den US-Behördenheute als «ausgewiesenes ökologisches Notstandsgebiet» geführt wird.

Die extrem hohe Belastung mit Schwermetallen wie Kadmium, Blei, Arsen, Eisen und Mangan geht auf die auf die Verarbeitung des Roh-Erzes zurück, die für die Gewinnung der gewünschten Materialien nötig war. Sagenhafte 181 Millionen Tonnen Roh-Erz sollen es gewesen sein.

140 Millionen Dollar für Erdreichsanierung

Die Probleme waren hausgemacht: Die Abbauprodukte, die man nicht brauchte, waren in den rund 80 Jahren, in denen die Minen in Betrieb waren, einfach auf riesigen Halden aufgetürmt worden. Der Schwermetallstaub verteilte sich über die Luft. Nach der Schließung des Bergwerks wurden zudem die Wasserpumpen abgestellt und die unterirdischen Kammern füllten sich mit Grundwasser, wodurch Giftstoffe hinausgespült wurden und das Trinkwasser verunreinigten.

Nach langem Streit erklärte sich die Mitte der 90er-Jahre die amerikanische Environmental Protection Agency (EPA) bereit, die Sanierung des Erdreichs auf 2000 Grundstücken in Picher mit 140 Millionen Dollar zu unterstützen. Gerettet hat das die Stadt jedoch nicht.

Tornado versetzt Picher den Todesstoß

Denn im Jahr 2006 wurde noch eine weitere Gefahr bekannt: Die Stollen unter Picher waren nach dem Ende des Bergbaus nie aufgefüllt worden. Und so standen neun von zehn Häusern statt auf festem Grund auf massiven Hohlräumen. Mit anderen Worten: Weite Teile der Siedlung waren einsturzgefährdet. Es wurde beschlossen, die Stadt aufzugeben.

Trotz des offiziellen Beschlusses blieben die meisten der verbliebenen 800 Einwohner – weil sie ihr Zuhause nicht aufgeben wollten oder weil sie auf höhere Abfindungen für ihre Häuser hofften. Die bekamen sie jedoch nicht.

Stattdessen verloren sie am 10. Mai 2008 innerhalb weniger Minuten alles, als ein Tornado mit Windgeschwindigkeiten von 200 Kilometern pro Stunde über das fegte, was von der einstigen Bergbaustadt übrig geblieben war. Mindestens neun verloren sogar ihr Leben.

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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  • Danny am 24.05.2020 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Trump jetzt noch einen Atombombentest macht, fliegt alles in die Luft.

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  • Danny am 24.05.2020 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Trump jetzt noch einen Atombombentest macht, fliegt alles in die Luft.