WWF-Studie

13. August 2019 19:11; Akt: 13.08.2019 19:17 Print

Die Hälfte aller Waldtiere ist bereits ausgestorben

Der WWF fordert, den «planetaren Wald-Notstand» auszurufen. Grund: Der Tierbestand in Wäldern ist weltweit um 50 Prozent zurückgegangen.

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Waldzustand und Klima hängen zusammen, weil Wälder riesige Kohlenstoffspeicher sind. (Bild: DPA/Julian Stratenschulte)

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Der Begriff Waldsterben bekommt fast eine neue Bedeutung: Laut einer WWF-Untersuchung sind die Tierbestände, die auf diesen Lebensraum spezialisiert sind, seit den 1970er-Jahren vielerorts stark zurückgegangen.

Zwischen 1970 und 2014 schrumpften die 455 untersuchten Populationen um durchschnittlich 53 Prozent, wie die Umweltstiftung WWF unter Berufung auf eine eigene Analyse mitteilte. Besonders betroffen seien die Tropen und der Amazonas-Regenwald. Als Hauptgrund für die Entwicklung wird «durch Menschen verursachter Lebensraumverlust» genannt.

Im Bericht Below The Canopy (dt: «Unter dem Blätterdach») ist auch von «leeren Wäldern» in manchen Regionen die Rede: Wälder, die auf den ersten Blick intakt erscheinen, in denen aber kaum noch Tiere lebten.

Planetarer Wald-Notstand

Der WWF forderte die Staatengemeinschaft auf, «den planetaren Wald-Notstand zu erklären». Zudem müssten umfassende Vereinbarungen gegen den Verlust der Biodiversität, für den Kampf gegen die Klimaerwärmung und für nachhaltiges Wirtschaften getroffen werden. «Wenn wir den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt umkehren und die Klimakrise verhindern wollen, müssen wir die Wälder und die dort lebenden Arten schützen», teilte Susanne Winter vom WWF mit. «Denn Wälder sind unser größter natürlicher Verbündeter im Kampf gegen die Erderhitzung.»

Waldzustand und Klima hängen zusammen, weil Wälder riesige Kohlenstoffspeicher sind. Tiere übernehmen dabei wichtige Funktionen. Insbesondere in riesigen Wäldern Südamerikas und Afrikas würde mit einem Verlust großer Vögel und Primaten auch ein Rückgang des dort gebundenen Kohlenstoffs einhergehen, heißt es im Report. Viele für den Klimaschutz wichtige Baumarten seien schließlich darauf angewiesen, dass ihre Samen von Tieren verbreitet werden.

«Wälder sind unser größter natürlicher Verbündeter im Kampf gegen die Erderhitzung.»

In der Analyse werden auch Beispiele genannt, in denen sich Arten bereits wieder erholen konnten. Bei Gorillas in Zentral- und Ostafrika zum Beispiel wird von einem Wiederanstieg der Zahl ausgegangen: auf rund 1000 Exemplare. Dazu hätten Maßnahmen wie eine enge Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung, Patrouillen gegen Wilderer und regulierter Öko-Tourismus beigetragen.

Datenlücken in vielen Regionen

Insgesamt flossen in den Report Daten von 268 Wirbeltierarten ein, die in Wäldern leben oder komplett von ihnen abhängig sind: Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien. Die Autoren weisen allerdings auf Lücken bei der systematischen Erfassung in vielen Regionen hin. An der Arbeit waren das UNO-Weltüberwachungszentrum für Naturschutz und die Zoologische Gesellschaft London beteiligt.

Der Trend in Europa sei im Untersuchungszeitraum ab 1970 eher positiv, ausgehend von einem niedrigen Niveau, erläuterte ein WWF-Sprecher auf Anfrage. Das liege daran, dass die Tiere in unseren Regionen schon zu einem früheren Zeitpunkt stark dezimiert worden seien.

Es sieht nicht gut aus

Frühere, noch umfassendere WWF-Untersuchungen zu Beständen von Wirbeltierarten generell zeigten ebenfalls eine dramatische Entwicklung: Laut dem Living Planet Report von 2018 (hier als Pdf herunterladbar) schrumpften die untersuchten 16.700 Populationen um im Schnitt 60 Prozent zwischen 1970 und 2014. Als Beispiele besonders betroffener Arten wurden der Irawadi-Delfin, die Feldlerche, das Rebhuhn und der Stör genannt.

Vor wenigen Tagen veröffentlichten Forscher eine Studie zur Entwicklung großer Süsswassertiere, die noch massivere Verluste aufzeigte: Bei Arten mit einem Gewicht von mehr als 30 Kilogramm seien die weltweiten Populationen von 1970 bis 2012 um 88 Prozent zurückgegangen, hieß es. Dazu zählten etwa Flussdelfine, Biber, Krokodile, Riesenschildkröten und Störe.

(L'essentiel/fee/sda)

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  • Hänsel am 14.08.2019 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    ...und die Greta protestiert für's Klima. Ok, liebe Greta, nur so: Ohne Natur, kein Klima. Aber, ohne Klima, gibt es sehr wohl Natur(Leben), denke man nur an die neuste Erkenntnis, wie die Tierchen die nach dem Absturz eines Satelliten jetzt auf dem Mond leben...und auf dem Mond gibt es ja kein Klima. Also, ja, die Greta tut was, nur hat sie das falsche Ziel vor den Augen! "Rettet die Natur" wäre ein besserer Slogan... Aber, wie andere sagen:"Die Erde ist überbevölkert", so wie man sich wundert, dass, wenn immer mehr Menschen ein Zimmer betreten, der Sauerstoff knapper wird...

  • Julie am 14.08.2019 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch : ein Irrtum in der Evolution

  • Niemand am 14.08.2019 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Angst, der Herr Schneider hat für alles eine Lösung.

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