Abgeholzter Regenwald

20. Mai 2020 18:54; Akt: 20.05.2020 19:04 Print

Die Krise hat dramatische Folgen am Amazonas

Die Corona-Epidemie schien eine Verschnaufpause für die Natur zu werden. In Brasilien ist das Gegenteil der Fall, hier nimmt die Zerstörung des Amazonas-Gebietes weiter ihren Lauf.

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Während die Wirtschaft in Brasilien stillsteht, nimmt die Zerstörung im Amazonas-Gebiet im Schatten der Covid-19-Pandemie dramatisch zu. 1200 Quadratkilometer abgeholzten Regenwald hat das Nationale Institut für Weltraumforschung Inpe, das Satellitenbilder auswertet, für das erste Quartal registriert. Das entspricht einem Anstieg von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

«Illegale Holzfäller machen kein Homeoffice», sagte Rômulo Batista, Greenpeace-Sprecher in Brasilien, der deutschen Nachrichtenagentur DPA. «Somit steht fest, dass die Pandemie die ohnehin kritische Situation des Regenwaldes und der darin beheimateten indigenen Völker in der brasilianischen Amazonas-Region lediglich noch intensiviert», heißt es im Länderbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung in Brasilien.

Gezielte Schwächung der Umweltbehörde

Während Holzfäller, Goldsucher und anderen Glücksritter in Amazonien ihren illegalen Tätigkeiten weiter nachgehen, schränkt die Corona-Krise Umweltbeamte in ihrer Arbeit jedoch ein. Allerdings: Die Umweltbehörde Ibama hat der rechte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro bereits seit seinem Amtsantritt im Januar 2019 gezielt geschwächt. Personal und Kontrollen wurden massiv weniger.

Im Dezember brachte Bolsonaro die vorläufige Maßnahme MP-910, auch bekannt als «Landraub»-Gesetz, ein; das Gesetzesprojekt könnte in den kommenden Tagen im Kongress behandelt werden. Es würde die illegale Abholzung und unrechtmäßige Besetzung von öffentlichem Land vor 2018 nachträglich legalisieren– insgesamt 570’000 Quadratkilometer, mehr als die Fläche Spaniens.

«Sie gehen davon aus, ungestraft davonzukommen»

Dabei war die Abholzung bereits 2019 sehr hoch gewesen im Vergleich zu den Vorjahren. Kritiker werfen Präsident Jair Bolsonaro vor, Holzfäller, Goldgräber und Farmer mit seinen Äußerungen zur Abholzung und zur Landnahme zu ermutigen. «Und die Leute dringen in unsere Gebiete ein, weil sie davon ausgehen, ungestraft davonzukommen», klagte etwa Cacique Kawore aus einem geschützten indigenen Gebiet im Pará.

Schon wenige Monate, nachdem Bolsonaro sein Amt angetreten hatte, spürten die Indigenen die ersten Auswirkungen. Obwohl Eindringlinge in ihrem geschützten Gebiet illegal Wald abholzten, verfolgten die staatlichen Behörden keine Anzeigen mehr. «Mai, Juni, Juli, August und September des vergangenen Jahres waren einige der schlimmsten Monate überhaupt», sagt Gabriel Lui, Koordinator der Bereichs Landnutzung und Lebensmittelsysteme am «Instituto Clima e Sociedade» in Rio. In Amazonien waren vielerorts praller, dunkelgrüner Regenwald und dann abgeholzte oder abgebrannte Flächen zu sehen.

Während Indigene das Land als «Mutter Erde» betrachten und zum Leben nutzen, wollen Großgrundbesitzer, Holzfäller, Goldsucher, Kraftwerksbauer und Sojapflanzer an seine Reichtümer heran. Bolsonaro sieht Amazonien ebenfalls als wirtschaftliches Nutzgebiet, das es auszubeuten gilt. Das heißt auch: keine indigenen Gebiete mehr ausweisen, bestehende Gebiete verkleinern und für den Bergbau freigeben.

(L'essentiel/SDA)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Niemand am 20.05.2020 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Grausam, aber zum Mond fliegen, darin sind wir Weltmeister.

  • Pia am 21.05.2020 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    géingen dann och verschiddener um Mound bleiwen dann wier des Aerd endlech geschützt a schéin ..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pia am 21.05.2020 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    géingen dann och verschiddener um Mound bleiwen dann wier des Aerd endlech geschützt a schéin ..

  • Niemand am 20.05.2020 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Grausam, aber zum Mond fliegen, darin sind wir Weltmeister.