Mysteriöser Fall

22. Oktober 2021 19:31; Akt: 22.10.2021 21:11 Print

Eigene Eltern fanden Rucksack des toten Laundrie

Die Suche nach Brian Laundrie ist beendet; der 23-Jährige ist tot. Einen Monat zuvor wurde seine Verlobte ermordet aufgefunden. Viele Fragen bleiben offen.

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Die Eltern von Gabby Petito erhielten letzten Monat die Nachricht, dass ihre Tochter (22) getötet wurde. Seit Donnerstag wissen auch die Eltern von Petitos Verlobten, dass ihr Sohn (23) ebenfalls nicht mehr am Leben ist.

Doch den Eltern von Brian Laundrie schlägt landesweit das Gegenteil von Mitgefühl entgegen. Seit einigen Wochen sind sie für viele «das meistgehasst Ehepaar in den USA». Wie kam es dazu?

Eltern ließen Eltern hängen

Brian Laundrie hatte diesen Sommer mit Gabby Petito eine Reise durch die USA gemacht, die sie ausführlich in den sozialen Medien dokumentierten. Anfang September kehrte er zu seinen Eltern nach Florida zurück – ohne seine Verlobte, aber in ihrem Auto. Laundrie äußerste sich nie dazu, was mit Gabby passiert war. Stattdessen ging er mit seinen Eltern campen.

Gabby Petitos Eltern melden ihre Tochter am 11. September als vermisst. Sie hätten bis dahin mehrfach versucht, mit den Laundries Kontakt aufzunehmen, um herauszufinden, was mit ihrer Tochter passiert war. Doch die Laundries hätten weder ihre Telefonanrufe noch SMS oder Emails beantwortet, erklärten die Petitos im Fernsehen. «Das ist doch nicht normal», sagte Petitos Mutter im Fernsehen.

Erst spät als vermisst gemeldet

Mitte September verließ Laundrie sein Elternhaus und kehrte nicht mehr zurück. Im gleichen Zeitraum stufte die Polizei den 23-Jährigen zwar nicht als Verdächtigen, aber als für die Ermittlungen zum Verschwinden seiner Verlobten «relevante Person» ein. Die Eltern meldeten ihren Sohn am 17. September als vermisst. Am 19. September wurde Gabby Petitos Leiche in Wyoming entdeckt. Dort hatte das Paar auf seinem Roadtrip Halt gemacht. Die junge Frau war getötet worden, erwürgt mit baren Händen, so die «New York Times».

Nach dem Fund seiner Verlobten intensivierte sich die Suche nach Laundrie, das halbe Land schien sich daran zu beteiligen. Das offenbar wenig kooperative und abweisende Verhalten von Laundries Eltern gegenüber den Behörden und der Presse weckte den Verdacht, dass sie über den Tod von Gabby Petito mehr wussten.

Vor allem dass die Eltern ihren Sohn erst mehrere Tage nach seinem Verschwinden als vermisst meldeten, weckte den Argwohn vieler. Sie hätten ihm auf der Flucht einen Vorsprung verschaffen wollen, heißt es in den Sozialen Medien.

Zahlreiche Spekulationen

Auch wurde spekuliert, dass die Laundries ihren Sohn möglicherweise versteckten – etwa in einem Bunker im eigenen Garten. Weiter wurde gemutmaßt, dass sie mit ihrem Sohn über codierte Briefe in Kontakt standen, weswegen sie ihre Post immer nur nachts aus dem Briefkasten holten.

Da sich die Laundries in Schweigen hüllten, wurden Bilder der Ermordeten vor dem Haus der Laundries aufgestellt und Antworten eingefordert. Als Vater Chris Laundrie eines davon herunterriss, flammte erneut Empörung auf. Bis heute campieren aufgebrachte Personen vor dem Haus der Familie.

Auffallend schnell fündig geworden

Jetzt, wo Brian Laundries sterbliche Überreste in einem Naturschutzgebiet gefunden wurden – das Gebiet liegt rund fünf Kilometer vom Haus der Laundries entfernt –, haben die Spekulationen und Beschuldigungen weiter Aufwind erhalten.

Dazu trug auch bei, dass sich die Laundries an der Suche nach ihrem Sohn selbst beteiligten – und prompt fündig wurden: Offenbar war es Vater Chris, der ein Notizbuch seines Sohnes entdeckte. «Polizei fand Laundrie 33 Tage nicht – wieso wurden seine Eltern so schnell fündig?», fragt sich nicht nur der britische «Independent». Das alles erscheine «ein bisschen zu einfach».

Das FBI, Polizei und Dutzende Suchteams hätten das Gebiet während eines Monats gründlich abgesucht, ohne fündig zu werden. «Und dann kommen am Mittwoch diese Senioren aus Florida in T-Shirts und Wanderschuhen» und stellten innerhalb weniger Stunden die Suche der Profis in den Schatten?

«Suchhunde hätten dies gerochen»

«Höchst verdächtig» findet das auch ein von der Presse kontaktierter Hundeführer. Brians sterbliche Überreste fanden sich in einem Gebiet, das bis vor kurzem noch unter Wasser gestanden hatte. «Aber auch wenn die Leiche unter Wasser liegt, riechen dies die Suchhunde», sagt Kyle Heyen auf «NewsNation».

Mehrere Medien zitieren zudem aktive oder ehemalige Polizisten, die es «äußerst ungewöhnlich» fanden, dass sich Angehörige überhaupt an der Suche beteiligen konnten. Sie vermuten, dass die Laundries einen Deal mit der Polizei gemacht haben könnten, um sich als mögliche Mitwisser selbst zu entlasten.

Die Laundries kooperierten auf sein Anraten bis heute nur sehr zurückhaltend mit der Polizei, stellte dagegen der Anwalt der Familie klar. Sie hätten den Beamten aber schon länger erklärt, wo sich ihr Sohn ihrer Meinung nach in dem Nationalpark aufhalten könnte. «Sie kannten Brians Lieblingsplätze». Dass sie die Sachen ihres Sohnes selbst gefunden hätten, sei «reiner Zufall» gewesen.

Von offizieller Seite gibt es keinen Verdacht gegen das Ehepaar Laundrie.

Eltern verdächtigen Eltern

Brian Laundries Tod erschwert die Aufklärung der Tötung von Gabby Petito. Er war die einzige Person von Interesse in dem Fall. Einige Fragen werden möglicherweise nie abschließend geklärt werden können – ein immenser Schmerz für die Petito-Familie.

Sie erhofft sich weiterhin Antworten gerade von Brian Laundries Eltern: «Ich glaube, sie wissen, was passiert ist. Wenn nicht alles, so doch das meiste», sagt Gabby Petitos Mutter Nicole. «Ich möchte sie gerne von Angesicht zu Angesicht fragen, warum sie das tun. Sagt mir einfach die Wahrheit.»

Auf die Frage, ob Brian Laundrie den Eltern vor seinem Verschwinden etwas über die Umstände des Todes von Gabby Petito erzählt habe, sagte dieser laut «CNN»: «Nichts, das ich zu diesem Zeitpunkt kommentieren könnte.»

Hoffen auf das Notizbuch

Auch steht nicht fest, wie Brian Laundrie starb. Vielleicht wird die Todesursache auch nie festgelegt werden können. Gefunden worden waren lediglich ein Teil des Schädels und Knochen. Da es in dem Naturschutzpark von Alligatoren und giftigen Schlangen nur so wimmelt, kann selbst ein tödlicher Tierangriff nicht ausgeschlossen werden.

Die Ermittler hoffen nun auf den Inhalt von Brians gefundenem Notizbuch. «Es könnte ein Geständnis enthalten, Schuldzuweisungen oder Rationalisierungen», so ein Kriminologe gegenüber «CNN». Jede kleinste Information darin könnte Aufschluss darüber geben, was zwischen den beiden Verlobten Anfang September vorgefallen war.

(L'essentiel/Ann Guenter)

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