Alle lieben Jenny

05. Mai 2020 07:12; Akt: 05.05.2020 08:43 Print

Ein Pferd spaziert durch Frankfurt und spendet Trost

Täglich trottet ein weißes Pferd allein durch Frankfurt. Coronavirus hin oder her – ihre Gewohnheiten gibt die weiße Araberstute deshalb nicht auf.

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Jeden Morgen lässt Werner Weischedel Pferd Jenny aus ihrem Stall im Frankfurter Stadtteil Fechenheim. Nachdem die weiße Araberstute ihren Besitzer begrüsst hat, trottet sie hufklappernd an ihm vorbei und macht sich auf den Weg in Richtung ihrer Lieblingswiese am Mainufer. Den Spaziergang macht sie nunmehr seit mehr als zehn Jahren täglich. Bis vor wenigen Tagen wurde Jenny von ihrer besten Freundin Evita begleitet. Doch die weiße Schäferhündin musste kürzlich eingeschläfert werden.

Jenny ist in Frankfurt bekannt wie ein bunter Hund. «Den Leuten fällt sie aber derzeit noch mehr auf, weil sie jetzt mehr Zeit haben», sagt Anna Weischedel, «und vielleicht auch, weil ihnen der menschliche Kontakt fehlt.» Wie auf der ganzen Welt wurden auch in Deutschland Schulen und Geschäfte geschlossen und die Menschen zu Social Distancing aufgefordert. Aber nichts hindert die Leute daran, mit der freundlichen Stute zu kuscheln. Sie spendet Trost – gerade in Zeiten von Corona.

Besorgte Anrufe bei der Polizei

Wer die 23-jährige Araberstute auf ihrem Spaziergang sieht, muss lächeln. Wie sie neugierig an allem, was ihr gefällt, schnuppert. An Sträuchern, Parkbänken, Blumen, aber auch an Fahrräder. Sie lässt sich geduldig von Kinderhänden streicheln und von den Müttern an der weichen Schnauze berühren. «Wenn man schon seine besten Freunde nicht umarmen kann, ist es umso schöner, wenn man Jenny ein wenig tätscheln kann», sagen Passanten, die dem Vierbeiner begegnen.

Regelmäßig rufen aber besorgte Passanten bei der Polizei an, um das vermeintlich herrenlose Tier in Frankfurts Straßen zu melden. Dies, obwohl Jenny ein rotes Täfelchen um den Hals hat. «Bitte nicht füttern, Kolikgefahr für Jenny», steht darauf geschrieben, und auf der anderen Seite: «Ich heiße Jenny, bin nicht weggelaufen, gehe nur spazieren. Danke.»

Kritik von den Tierschützern blieb nicht aus

Jenny genießt die Ruhe dank Corona in der Stadt. Noch hat sie nicht gemerkt, dass Evita nicht mehr da ist. Nach acht Stunden endet jeweils ihr Ausflug. Dann macht sich Werner Weischedel mit seiner E-Vespa auf, um Jenny zu suchen und ihr klarzumachen, dass es Zeit für das Abendessen und die Heimkehr sei. «Wir lieben Tiere. Jedes einzelne», sagt Weischedel. Vor Corona habe er keine Angst. Er selbst habe den 2. Weltkrieg überlebt, so der 80-Jährige. Vier Tage sei er damals in der Innenstadt verschüttet gewesen. Da werde man auch Corona überstehen.

Videos über das spazierende Pferd wurden im Internet schon hunderttausendfach angeklickt. Die Kommentare im Netz sind allerdings nicht nur positiv. Tierschützer kritisieren, dass Jenny für sich und andere eine Gefahr darstellen könnte. Doch Jenny scheint das alles nicht zu kümmern. Sie lässt sich ihre Ausflüge nicht nehmen. Außerdem hat die Stute die freie Wahl. Weischedels öffnen morgens nur die Stalltür, und Jenny kann selber entscheiden, wie sie ihren Tag gestaltet.

(L'essentiel/Eva Tedesco)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Guy Michels am 05.05.2020 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    und wo ist die Maske ?

  • Marc am 05.05.2020 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Herrlich, das Pferd lässt bei mir die Geschichten um Pipi´s kleinem Onkel wieder auferstehen. Danke :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc am 05.05.2020 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Herrlich, das Pferd lässt bei mir die Geschichten um Pipi´s kleinem Onkel wieder auferstehen. Danke :)

    • Tom Meier am 05.05.2020 18:23 Report Diesen Beitrag melden

      :-) :-) !!!!!!!!

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  • Guy Michels am 05.05.2020 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    und wo ist die Maske ?