Kapstadt

28. Oktober 2019 15:46; Akt: 28.10.2019 15:53 Print

Selfie zeigt, dass sie das gestohlene Baby ist

Miché Solomon wurde als Baby aus einem Krankenhaus entführt. Als sie davon erfuhr, brach für sie eine Welt zusammen.

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17 Jahre lang glaubte Miché Solomon, dass die Frau, die sie aufzog, ihre leibliche Mutter sei. Doch als eine neue Schülerin an die Zwaanswyk High School in Kapstadt kam, änderte sich alles. Im Januar 2015 machten Michés Mitschüler sie auf ein 14-jähriges Mädchen namens Cassidy Nurse aufmerksam, das fast identisch aussah wie sie.

«Ich dachte mir nicht viel dabei», sagt Miché. Doch als sich die beiden Mädchen erstmals im Flur begegneten, spürte sie eine sofortige Verbindung, so die heute 22-Jährige: «Ich hatte fast das Gefühl, sie zu kennen.» Medienberichten zufolge begannen die beiden jungen Frauen, ohne zu wissen, dass sie Schwestern sind, viel Zeit miteinander zu verbringen.

«Leben außer Kontrolle geraten»

Ein Selfie sollte schließlich zeigen, «dass ich ein gestohlenes Baby bin», sagt die 22-Jährige. Nicht nur die Freunde der beiden jungen Frauen, sondern auch die Eltern von Cassidy, Celeste und Morne Nurse, wurden auf das Foto aufmerksam und begannen zu recherchieren.

Zwei Sozialarbeiter der Schule wandten sich schließlich an die damals 17-Jährige. Sie erzählten ihr die Geschichte von einem drei Tage alten Baby namens Zephany Nurse, das 1997 aus dem Groote Schuur HoKrankenhaus in Kapstadt entführt und nie gefunden worden war. Dabei erzählten sie, es gebe Hinweise, dass sie das gestohlene Baby sein könnte.

Für Miché eine unwirkliche Situation: «Ich hatte so viel Vertrauen in meine Mutter. Sie würde mich doch nie anlügen.» Die damals 17-Jährige war fest davon überzeugt, dass das alles ein Missverständnis sei, und stimmte einem DNA-Test zu.

DNA-Test brachte den Beweis

Doch es kam anders. Das Ergebnis des DNA-Tests lieferte den Beweis, dass sie das Baby war, das damals entführt worden war. Ein Schock für die junge Frau: «Mein Leben war außer Kontrolle geraten.» Während sie versuchte, damit klarzukommen, wurde ihre Mutter verhaftet. «Das hat mich gebrochen», so Miché.

Im Jahr 2016 wurde Lavona Solomon wegen Entführung, Betrug und Verletzung des Children's Act zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Bis heute bestreitet sie, Miché entführt zu haben: «Sie sagt immer noch, dass sie es nicht getan habe. Ich glaube aber, dass sie es getan hat», sagt die heute 22-Jährige.

«Es brach mir das Herz»

Die Polizei fand nie Beweise dafür, dass Lavonas Ehemann Michael von der Entführung etwas wusste. Miché blieb bei Michael wohnen. Für sie die richtige Entscheidung: «Das war mein sicherer Raum, das war mein Zuhause.»

Miché hat Lavona in der Zwischenzeit im Gefängnis besucht: «Ich sah meine Mutter in der Gefängniskleidung. Es brach mir das Herz. Ich weinte und weinte.» Gegen die Frau, die sie entführte, hegt sie aber bis heute keinen Groll.

(L'essentiel/mon)

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