Anschlag in Strassburg

12. Dezember 2018 10:57; Akt: 12.12.2018 15:07 Print

Einige «Gilets jaunes» glauben an Komplott

Nach dem Attentat auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg werden in den Foren der Gelbwesten-Bewegung absurde Theorien gesponnen.

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Nach dem Attentat mit zwei Toten und vierzehn Verletzten am Rand des Weihnachtsmarkts in Straßburg blühen im Internet die Verschwörungstheorien. «Das kann kein Zufall sein», so der Tenor unter bestimmten Nutzern der sozialen Netzwerke. Schon bevor es offizielle Angaben zu dem Anschlag gab, wurden die wildesten Spekulationen verbreitet – auch von Vertretern der sogenannten «Gilets jaunes». Einige gehen sogar so weit, zu behaupten, dass der Élysée-Palast seine Finger im Spiel hatte – dies, um die Proteste der Gelbwesten aus den Schlagzeilen zu verdrängen und weitere geplante Großdemonstrationen zu unterbinden.

«Ziemlich perfektes Timing», «Seltsam, dieses Attentat», «Die Regierung hat das so organisiert», «Sie wollen den Ausnahmezustand verhängen», «Sie sind bereit zu töten» – angesichts einer Vielzahl solch abstruser Kommentare wurde es selbst den Moderatoren der Facebook-Foren der «Gilets jaunes» zu viel. In einigen Gruppen wurde deshalb die Kommentierfunktion deaktiviert.

Die Basis der «Gilets jaunes» eint ein tiefes Misstrauen gegenüber Präsident Emmanuel Macron und der französischen Polit-Elite. Den Medien unterstellen Mitglieder der Protestbewegung das Verbreiten von «Fake News» – während manche der Gelbwesten es selbst mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

Ein Beispiel in Zusammenhang mit Straßburg: Die Präfektur Bas-Rhin veröffentlichte am Dienstagabend einen Tweet über die Vorfälle im Zentrum der elsässischen Hauptstadt. Der Tweet war – angeblich – um 11:47 Uhr abgeschickt worden, also neun Stunden vor dem Attentat. Verschwörungstheoretiker sahen dies als Beweis für ein vorbereitetes Komplott. Allerdings basierte die Zeitangabe im Tweet auf der Pacific Time Zone an der Westküste der USA, die dort sich aufhaltenden Twitter-Nutzern automatisch angezeigt wird. Tatsächlich wurde die Nachricht um 20:47 Uhr französischer Ortszeit verschickt.

Der Staatssekretär des Innenministeriums, Laurent Nuñez, trat diesen Behauptungen nun entschieden entgegen. Laut Medienberichten hatte er im Interview mit dem Radiosender France Inter gesagt: «Ich bin wirklich empört darüber. (...) Das sind eindeutig Verschwörungstheorien.»

(L'essentiel)