Koffein als Wunderwaffe

11. Juni 2019 21:08; Akt: 11.06.2019 21:12 Print

Eltern lindern durch Zufall rare Krankheit von Sohn

Als unglaublich glücklichen Zufall beschreiben Ärzte das, was einem schwer kranken Jungen widerfahren ist. Seine Eltern entdeckten, dass Kaffee seine Beschwerden lindert.

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Bei einem ungewollten Versuch hat ein Elfjähriger in Frankreich erfahren, wie wirksam Kaffee die Symptome seiner seltenen Erbkrankheit lindert.

Der Junge leidet an einer sogenannten Dyskinesie, die unheilbar ist und zu schweren Muskelkrämpfen führen kann. Mit zwei Tassen Espresso pro Tag können die schmerzhaften Zuckungen aber verhindert werden, wie aus einem am Dienstag im Fachjournal Annals of Internal Medicine veröffentlichten Artikel hervorgeht.

Doktor Zufall half mit

Aufgrund seiner Erkrankung kann der Junge weder Fahrrad fahren noch allein von der Schule nach Hause gehen. Dass er mit elf Jahren Kaffee trinkt, ist der madagassischen Herkunft der Eltern geschuldet. Dort wird das Getränk laut Forschern zur Bekämpfung bestimmter Krankheiten verwendet.

Eines Tages kauften die Eltern aber versehentlich Kapseln mit entkoffeiniertem Espresso. Der Elfjährige litt daraufhin vier Tage lang unter Muskelkrämpfen, bevor die Eltern ihren Irrtum bemerkten. Als der Junge wieder Espresso mit Koffein trank, verschwanden die Symptome.

Der Autor des Fachartikels, Emmanuel Flamand-Roze vom Pariser Krankenhaus Pitié-Salpêtrière, sprach von «einem dieser unglaublichen glücklichen Zufälle, die es in der Medizingeschichte immer wieder gibt». Die Eltern des Jungen hätten ohne es zu wissen einen Doppelblindversuch vorgenommen. Das bedeutet, dass weder Versuchsteilnehmer noch Versuchsleiter wissen, ob bei einem Experiment ein Medikament oder ein Placebo verabreicht wird.

Ethisches Problem umgangen

Der Irrtum der Eltern beim Kauf der Kaffeekapseln zeigte die Wirksamkeit von Koffein bei einer Dyskinesie im Zusammenhang mit einem Defekt des Gens ADCY5. Das Gen ist normalerweise an der Produktion eines Enzyms beteiligt, das bei der Kontrolle von Muskelkontraktionen hilft. Die Genmutation verhindert das, dafür kann Koffein die Rolle übernehmen.

Weil die Krankheit höchst selten ist, sind Experimente mit ausreichend Versuchsteilnehmern sehr schwierig. Zudem gibt es ethische Probleme. Denn die Patienten, denen ein Placebo verabreicht wird, würden unweigerlich schwer leiden.

(L'essentiel/fee/afp)

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