Amoklauf an Schule

05. Dezember 2021 13:35; Akt: 05.12.2021 13:41 Print

Eltern von Täter plädieren auf nicht schuldig

Die Behörden im US-Staat Michigan haben nach den Eltern des Tatverdächtigen im Fall tödlicher Schüsse an einer Highschool gefahndet.

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Wenige Tage nach der Schusswaffenattacke mit vier Toten an einer Schule im US-Bundesstaat Michigan sind die Eltern des 15-jährigen Angreifers ins Visier der Ermittler geraten. James und Jennifer Crumbley wurden wegen fahrlässiger Tötung in vier Fällen angeklagt, wie Staatsanwältin Karen McDonald am Freitag mitteilte. Der Vater hatte die Tatwaffe vier Tage vor der Attacke gemeinsam mit seinem Sohn gekauft. Die Eltern ergriffen zunächst die Flucht – ihre Anwälte erklärten dann jedoch, sie wollten sich den Behörden stellen. US-Marshals hatten auch eine Belohnung auf die Eltern des Schützen ausgesetzt:

Laut «Fox News» wurden sie schließlich in einem Keller in Detroit gefunden und festgenommen. In der Nähe haben Ermittler am Freitag auch ihren Wagen, einen SUV, sichergestellt.

Mit der Anklage gegen James und Jennifer Crumbley sollen nach Angaben der Staatsanwältin «jene zur Verantwortung gezogen werden, die zu dieser Tragödie beigetragen haben, und es soll eine Botschaft an Waffenbesitzer und Waffenbesitzerinnen ausgesandt werden, dass sie eine Verantwortung haben».

James und Jennifer Crumbley weisen jedoch jegliche Schuld von sich. Bei einer Anhörung am Samstag plädierten sie auf unschuldig. Die Richterin setzte für sie eine Kaution von einer Million Dollar fest.

15-Jähriger tötete vier Mitschüler und verletzte sieben

Der 15-jährige Angreifer hatte an seiner Schule in der nördlich von Detroit gelegenen Kleinstadt Oxford am Dienstag das Feuer eröffnet. Er tötete dabei vier Mitschüler im Alter zwischen 14 und 17 Jahren und verletzte sieben weitere Menschen.

Er ließ sich nach der Tat widerstandslos festnehmen und wurde in der Folge unter anderem wegen vierfachen Mordes und Terrorismus angeklagt. Dem Teenager soll nach dem Erwachsenenstrafrecht der Prozess gemacht werden. Ihm droht lebenslange Haft.

Die Mutter des Täters soll die Waffe, eine halbautomatische Pistole, auf Online-Plattformen als «Weihnachtsgeschenk» für ihren Sohn bezeichnet haben, wie Staatsanwältin McDonald weiter sagte.

Schüler kündigte seine Tat an

Nach Angaben der Polizei hatte der 15-Jährige am Abend vor der Tat ein Video auf seinem Handy aufgenommen, in dem er die Attacke für den nächsten Tag ankündigte. Zuvor hatte ein Lehrer den Jungen dabei beobachtet, wie er während des Unterrichts auf seinem Handy nach Munition suchte, und meldete den Vorfall der Schulleitung.

Die Mutter sei von der Schule kontaktiert worden, habe aber nicht auf die Nachrichten reagiert. Nach Angaben von McDonald schrieb sie ihrem Sohn in einer Textnachricht: «Ich bin nicht böse auf dich. Du musst lernen, dich nicht erwischen zu lassen.»

Zeichnungen mit Gewaltfantasien

Am nächsten Morgen wurde der 15-Jährige mit seinen Eltern von der Schulleitung zu einem Gespräch zitiert, weil auf seinem Pult Zeichnungen mit Gewaltfantasien entdeckt worden waren. «Die Gedanken hören nicht auf. Helft mir», war neben einem Bild von einer Pistole zu lesen. Zudem hatte Crumbley eine Patrone und eine Leiche gezeichnet, zusammen mit der Botschaft: «Mein Leben ist nutzlos».

Die Eltern weigerten sich aber, ihren Sohn nach Hause zu bringen. Der Teenager kehrte daraufhin in den Unterricht zurück. Später holte er dann auf der Schultoilette die Pistole heraus, die er in seinem Rucksack versteckt hatte, und eröffnete das Feuer.

«Die Vorstellung, dass Eltern diese Worte lesen und gleichzeitig wissen, dass ihr Sohn Zugang zu einer tödlichen Waffe hatte, die sie ihm gegeben haben, ist unerhört und ich denke, es ist kriminell», sagte Staatsanwältin McDonald. Sie warf den Eltern auch vor, nicht überprüft zu haben, ob der Teenager die Waffe bei sich hatte.

(L'essentiel/afp/dpa/lea)

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