Missbrauch und Prostitution

05. Juli 2020 14:02; Akt: 05.07.2020 14:09 Print

Epstein-​​Vertraute ist «bereit, Namen zu nennen»

Die Ex-Partnerin von Jeffrey Epstein sitzt in U-Haft und soll angeblich den US-Behörden die Namen wichtiger Männer geben zu wollen, die bei Epsteins Sex-Partys anwesend waren.

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Die 58-jährige Ghislaine Maxwell sitzt seit Donnerstag in Untersuchungshaft in einem Gefängnis in Boscowen im nordöstlichen US-Bundesstaat New Hampshire. Der Britin wird vorgeworfen, dem inzwischen verstorbenen US-Financier Jeffrey Epstein beim Missbrauch teils minderjähriger Mädchen geholfen und manchmal sogar selbst daran teilgenommen zu haben.

Seit Epsteins Verhaftung im vergangenen Sommer war seine Ex-Partnerin unauffindbar gewesen. Über ihren Aufenthaltsort hatte es in den letzten Monaten viele Spekulationen gegeben, nun wurde sie in einem Luxusanwesen in New Hampshire gefunden. Die wichtigsten Fragen zum Fall:

Welche Rolle spielt Ghislaine Maxwell im Fall Epstein?

Die 58-Jährige gehörte laut Staatsanwältin Audrey Strauß zu Epsteins «engsten Verbündeten» und spielte eine «entscheidende Rolle» bei seinen Machenschaften. Auch viele von Epsteins Opfern halten Maxwell für eine Mittäterin.

In der Anklageschrift heißt es, Maxwell habe versucht, sich mit jungen Mädchen und Frauen anzufreunden, und sie dann zu sexuellen Aktivitäten mit Epstein zu drängen. Bei einigen Missbrauchshandlungen sei sie selbst dabei gewesen und habe aktiv teilgenommen. «Die Anwesenheit von Maxwell als erwachsene Frau hat dazu beigetragen, die Frauen zu beruhigen», sagte Staatsanwältin Strauß. «Sie hat vorgegeben, eine Frau zu sein, der sie vertrauen können, während sie sie gleichzeitig dazu gebracht hat, von Epstein und manchmal auch von ihr selbst sexuell missbraucht zu werden.»

Die Anklagepunkte gegen Maxwell beziehen sich auf die Jahre 1994 bis 1997, sagte Strauß. Der Missbrauch von Frauen und Mädchen, von denen einige nur 14 Jahre alt gewesen sein sollen, habe nicht nur in Epsteins Anwesen in New York, Palm Beach und Santa Fe stattgefunden, sondern auch in Maxwells Wohnsitz in London.

Wie wird sich Maxwell jetzt verhalten?

Steven Hoffenberg (75), der ehemalige Boss von Jeffrey Epstein bei Towers Financial, sagte im Interview mit der britischen Zeitung «The Sun», Maxwell zeige sich «äußerst kooperativ» mit dem FBI. Sie sei «bereit, Namen zu nennen». Laut Hoffenberg müssten sich einige sehr wichtige Männer nun «große Sorgen» machen. Denn: «Ghislaine weiß alles.»

Für Hoffenberg handelte Prinz Andrew den Fall «sehr, sehr schlecht». Er hätte über seine Anwälte mit den US-Behörden sprechen sollen. «Er hätte ihnen etwas geben müssen», meint Hoffenberg. Mit Maxwells Verhaftung steht der britische Prinz nun mit dem Rücken zur Wand. Der Royal behauptete stets, von Epsteins Machenschaften nichts mitbekommen zu haben.

Wie lebte Maxwell auf der Flucht?

Ghislaine Maxwell verschwand im Juni 2019, als ihr Ex-Partner festgenommen wurde. Wie der «Guardian» schreibt, habe sie im Dezember ein 630'000 Quadratmeter großes Anwesen in Bradford, New Hampshire, erworben. Auf dem Grundstück steht ein 405 Quadratmeter großes Landhaus mit 4 Schlafzimmern. Sie soll 1'070'750 Dollar in bar dafür bezahlt haben. Der Kauf wurde über ein Unternehmen mit beschränkter Haftung getätigt, um ihre Anonymität zu sichern.

Ein britischer Mittelmann soll Kontakt zur Immobilienmaklerin gehabt haben. Wie die Frau der «Daily Mail» erzählt, habe der Mann das Haus besichtigt. Der Maklerin sagte der Käufer, dass keine Namen im Kaufvertrag erscheinen dürften. Sie sei damals davon ausgegangen, dass ein Promi dort einziehen wolle.

Das Grundstück trägt den Namen «Tucked Away» – was übersetzt etwa «versteckt» bedeutet.

Welche Strafe droht Ghislaine Maxwell im Fall einer Verurteilung?

Die 58-Jährige erschien am Donnerstagabend – wegen der Coronavirus-Pandemie per Videokonferenz – vor Richterin Andrea Johnstone in New Hampshire. Johnstone legte fest, dass Maxwell nach New York gebracht und dort angeklagt werde. Sie dürfte britischen Medien zufolge am Montag vor Gericht erscheinen. Im Fall einer Verurteilung drohen Ghislaine Maxwell bis zu 35 Jahre Haft.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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