Oldschool-Methode

08. April 2020 14:42; Akt: 08.04.2020 14:49 Print

Ermittler identifiziert Opfer 50 Jahre nach Mord

Fünfzig Jahre nach der Tat konnte ein Ermittler in den USA den Fingerabdruck eines Mordopfers rekonstruieren. Dank einer Oldschool-Methode.

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Am Montag gab die Generalstaatsanwaltschaft des US-Bundesstaats New Hampshire bekannt, dass die sterblichen Überreste eines im August 1969 getöteten Mannes identifiziert werden konnten. Wie die New York Times berichtet, ist der Erfolg einem Ermittler der New Hampshire State Police zu verdanken, der kurz vor seiner Pensionierung steht.

Nach Jahren der Misserfolge griff der 62-jährige Kriminalist Timothy Jackson zu einer fast in Vergessenheit geratenen Methode der Fingerabdruckanalyse. Die Identifikation sei nicht durch DNA- oder andere moderne Analysetechniken zustande gekommen, sondern durch das schlichte Abzeichnen eines Fingerabdrucks. Der getötete Mann konnte dadurch als Winston Richard Morris aus dem benachbarten Bundesstaat Vermont bestimmt werden.

Das Opfer war am 7. August 1969 in Salem an der Autobahn in einer mit Wasser gefüllten Grube gefunden worden. Es wurde vermutet, dass der leblose Körper bereits eine Woche in dem mit Wasser gefüllten Graben gelegen hatte. Das Opfer war durch mehrere Schüsse in Körper und Kopf getötet worden. Es wurde von einem Mord ausgegangen. Das Delikt konnte nie aufgeklärt werden, weshalb der Leichnam beerdigt wurde.

2012 exhumiert

Auf Antrag der New Hampshire Cold Case Unit wurden die Überreste von Morris aber 2012 exhumiert. Im Folgenden wurde im Labor der forensischen Abteilung der New Hampshire State Police versucht, einen Finger so wiederherzustellen, dass ein Fingerabdruck genommen werden kann.

Dieses Unterfangen war zunächst erfolgreich. Aber es lieferte keine Treffer in den Datenbanken. 2019 wurden erneut die Datenbanken durchsucht in der Hoffnung, die weiterentwickelten Such-Algorithmen brächten einen Treffer. Wieder nichts.

Oberste Hautschicht fehlte

Da fiel dem Ermittler Jackson auf, dass dem Finger die Epidermis, also die oberste Hautschicht, fehlte. «Die Rillen sehen auf der zweiten Schicht, der Dermis, leicht anders aus», sagt Jackson. Die Lösung des Problems: Zwei Rillen würden in der Epidermis zu einer einzigen.

Also zeichnete Jackson die sich dadurch ergebenden individuellen Details der Rillen in der obersten Hautschicht einfach von Hand. «Ich machte das also oldschool. Das war einfach für mich, denn ich bin ja selbst oldschool», sagt der 62-Jährige.

Übereinstimmung in FBI-Datenbank

Er habe aber nichts Besonderes gemacht. «Meine Kollegen wären bestimmt auf die gleiche Idee gekommen», so Jackson. Die FBI-Datenbank ergab zu den eingegebenen daktyloskopischen Details eine Übereinstimmung: Es war der linke Mittelfinger von Winston Morris.

Jetzt, da das Opfer identifiziert ist, könnten sich die Behörden der Suche nach dem Mörder zuwenden, wie sie mitteilen. Die Generalstaatsanwaltschaft gab überdies nur wenige Details über Morris preis. Drei Monate bevor seine Leiche gefunden wurde, sei er aus dem Gefängnis entlassen worden.

(L'essentiel/obr)

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