Timothy Ray Brown

01. Oktober 2020 07:27; Akt: 01.10.2020 07:30 Print

Erster als geheilt geltender HIV-​​Patient ist tot

Timothy Ray Brown ist im Alter von 54 Jahren an Leukämie gestorben. Als «Berliner Patient» berühmt geworden, galt Brown als erster HIV-infizierter Mensch als geheilt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der als «Berliner Patient» berühmt gewordene Timothy Ray Brown, der als erster HIV-infizierter Mensch als geheilt galt, ist tot. Brown sei im Alter von 54 Jahren an Leukämie gestorben, teilte die Internationale Aids-Gesellschaft (IAS) am Mittwoch (Ortszeit) mit. «Wir schulden Timothy und seinem Arzt Gero Hütter große Dankbarkeit dafür, dass sie die Tür für Wissenschaftler geöffnet haben, das Konzept zu untersuchen, dass eine Heilung für HIV möglich ist», sagte IAS-Präsidentin Adeeba Kamarulzaman.

Brown sei in seinem Haus in Palm Springs im US-Bundesstaat Kalifornien gestorben, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf seinen Partner, Tim Hoeffgen. «Timothy würde gerne als ein Mann in Erinnerung bleiben, der Menschen auf der ganzen Welt Hoffnung gegeben hat, dass HIV geheilt werden kann», wurde Hoeffgen zitiert.

In den USA geboren

Der 1966 in der US-Westküstenmetropole Seattle geborene Brown war von seiner Mutter alleine aufgezogen worden. 1993 zog er nach Berlin, wo er studierte, in einem Café und als Übersetzer arbeitete. 1995 wurde bei ihm HIV diagnostiziert. Als er 2006 auch noch an Leukämie erkrankte, benötigte er eine Stammzell-Transplantation.

Ärzte der Berliner Charité fanden einen Spender, dem der sogenannte CCR5-Rezeptor fehlte – ein Einfallstor, durch das HIV in viele Körperzellen eindringt. Das Datum der als sehr riskant eingestuften, aber erfolgreichen Stammzell-Transplantation, den 6. Februar 2007, bezeichnete Brown später als sein «neues Geburtsdatum». Seit der Transplantation war der Erreger bei Brown nicht mehr nachweisbar gewesen. Die Leukämie war nun allerdings zurückgekommen.

Aktivist im Kampf gegen HIV

Ursprünglich war Brown nur unter seinem Pseudonym «Berliner Patient» bekannt gewesen, doch dann entschied er sich, auch unter seinem richtigen Namen als Aktivist im Kampf gegen HIV öffentlich aufzutreten. «Irgendwann habe ich entschieden, dass ich nicht mehr die einzige Person auf der Welt sein wollte, die von HIV geheilt worden ist», sagte er einmal in einem Interview. «Ich wollte, dass es mehr davon gibt. Und um das zu erreichen, musste ich der Welt zeigen, wer ich bin, und ein HIV-Aktivist sein.»

Im vergangenen Jahr hatten Mediziner des University College in London von einem weiteren HIV-Patienten berichtet, der möglicherweise nach einer speziellen Stammzelltransplantation geheilt sei. Bei dem sogenannten «Londoner Patient» handelt es sich um den in Venezuela geborenen 40-jährigen Adam Castillejo. «Auch wenn die Fälle von Timothy und Adam keine im großen Stil realisierbaren Strategie aufzeigen, stellen sie doch entscheidende Momente bei der Suche nach einem Heilmittel für HIV dar», sagte Sharon Lewin, Chefin des Doherty-Instituts im australischen Melbourne laut IAS. Eine vergleichbare Therapie kommt nur für eine sehr kleine Zahl von HIV-Infizierte in Frage.

Seine Geschichte sei von Bedeutung, weil sie zeige, dass es ein Heilmittel für HIV gebe, sagte Brown einmal. «Und wenn etwas im medizinischen Sinn schon einmal passiert ist, kann es nochmal passieren.»

(L'essentiel/SDA)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.