250 Kilometer pro Stunde

11. Oktober 2018 07:25; Akt: 11.10.2018 07:35 Print

Erstes Todesopfer wegen «Monster» Michael

Hurrikan Michael hat mit Windgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern die Küste Floridas erreicht und schwere Verwüstungen angerichtet.

Erste Aufnahmen lassen die Zerstörungskraft der Sturms erahnen. (Video: Twitter)

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Meterhohe Flutwellen, mächtige Windböen, strömender Regen: Hurrikan «Michael» hat Florida mit Wucht getroffen und im Nordwesten des US-Bundesstaates für extremes Wetterchaos und Zerstörung gesorgt. Das Nationale Hurrikanzentrum sprach von einem Rekordsturm in der Region, wobei das genaue Ausmaß der Folgen am Donnerstag noch unklar war. Tags zuvor hatte «Michael» mit Windgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern die Küste getroffen.

Mindestens ein Mensch kam laut US-Medienberichten ums Leben. Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf die Polizei, nahe Greensboro sei ein Mann getötet worden, als ein Baum auf ein Haus fiel. In hunderttausenden Haushalten fiel der Strom aus. Floridas Gouverneur Rick Scott ließ Such- und Rettungsmannschaften in die besonders heftig betroffenen Gebiete ausrücken. Der Abgeordnete Neal Dunn aus der Stadt Panama City sagte CNN: «Es sieht so aus, als wäre in jedem einzelnen Block eine Bombe hochgegangen.»

Häuser regelrecht zerfetzt

Als «Michael» am Mittwochnachmittag (Ortszeit) nordwestlich des kleinen Ortes Mexico Beach die Küste traf, fehlten dem Sturm nur zwei Stundenkilometer Windgeschwindigkeit, um in die höchste Kategorie fünf eingestuft zu werden. Aufnahmen aus Mexico Beach zeigten weitreichende Zerstörung, Überflutungen und Trümmer. Auch auf Bildern aus der Stadt Panama City Beach waren zerfetzte Häuserreste, abgedeckte Dächer und umgeknickte Bäume zu sehen.

Der Meteorologe Dennis Feltgen vom Nationalen Hurrikanzentrum erklärte, es handele sich um den stärksten Hurrikan seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, der Floridas Panhandle getroffen habe. Als Panhandle (Landzipfel oder wörtlich Pfannenstiel) wird der nordwestliche Zipfel Floridas bezeichnet.

«Michael» hatte in den vergangenen Tagen rasant an Stärke gewonnen. Die Behörden riefen hunderttausende Menschen eindringlich dazu auf, das betroffene Gebiet zu verlassen. Doch viele kamen dem nicht nach. Floridas Gouverneur Scott sagte, er sei enttäuscht darüber.

Missy Theiss lebt acht Kilometer von der Küste von Panama City Beach entfernt. Die 54-Jährige entschied sich, gemeinsam mit ihrem Mann, ihrer Tochter und zwei Hunden in ihrem Haus zu bleiben. «Ich schaue aus dem Fenster und es wirkt, als lebte ich in einem Kriegsgebiet», schrieb Theiss in einer Textnachricht an die Deutsche Presse-Agentur. «Es war die schlechteste Entscheidung, hier zu bleiben. Wir haben es für unsere Haustiere getan», erklärte sie. Sie habe gedacht, «Michael» würde die Küste als Hurrikan der Stufe zwei erreichen, dann wurde er aber zur Kategorie vier hochgestuft.

«Als wir darüber nachdachten, zu gehen, war es schon zu spät. Wir hatten viel Angst, wir wollten nicht, dass etwas Schlimmes passiert», schilderte Theiss ihre schwierige Lage. Sie habe Schutz im Flur ihres Hauses gefunden, abseits von Fenstern und Türen.

Bei seinem Zug nach Nordosten schwächte sich der Hurrikan zu einem tropischen Wirbelsturm ab, blieb aber dennoch gefährlich. Am späten Mittwochabend (Ortszeit) zog er durch den Süden des Bundesstaates Georgia. Das Hurrikanzentrum warnte vor Überflutungen durch heftigen Regen in Teilen Georgias, im Südosten Virginias sowie in South und North Carolina. In einigen Gebieten dort galten Tornadowarnungen.

Trump hält Wahlkampfrede

US-Präsident Donald Trump begann am Abend seine Rede auf einer Wahlkampfveranstaltung damit, den Menschen in den betroffenen Gebieten sein Mitgefühl auszusprechen. Die «Gedanken und Gebete» der gesamten Nation seien bei ihnen. Trump hatte zuvor erklärt, er habe die Wahlkampfkundgebung nicht absagen wollen, weil er die Menschen nicht enttäuschen wollte, die darauf gewartet hätten.

Der Präsident kündigte an, das Katastrophengebiet voraussichtlich am Sonntag oder Montag zu besuchen. Bei einem früheren Besuch befürchte er, den Helfern in die Quere zu kommen, sagte Trump.

«Michael» ist nicht der erste Hurrikan, der in diesem Jahr Zerstörung an die US-Südostküste gebracht hat. Mitte September hatte «Florence» vor allem in North und South Carolina schwere Überschwemmungen verursacht - dort war das Wasser vor dem nächsten Hurrikan noch immer nicht vollständig abgeflossen. Anders als «Michael» war «Florence» lediglich als Sturm der Kategorie eins an Land getroffen - mit Windgeschwindigkeiten von 150 Kilometern pro Stunde. Dennoch kamen infolge des Sturms Dutzende Menschen ums Leben.

(L'essentiel/dpa)

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