«Wirklich unglaublich»

05. März 2021 13:56; Akt: 05.03.2021 14:16 Print

Erstmals Wirbelsturm im Weltraum entdeckt

Weltraumforscher haben erstmals einen Weltraum-Wirbelsturm beobachtet. Von dessen Existenz hatte niemand etwas geahnt.

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«Wir hatten keine Ahnung!» So fasst Kjellmar Oksavik, Professor am Birkeland Centre for Space Science im norwegischen Bergen die Sensation zusammen. Gemeinsam mit Forschenden aus China, Großbritannien und den USA gelang es ihm, einen Weltraum-Wirbelsturm in der oberen Atmosphäre der Erde zu beobachten.

Das Ganze traf das Team völlig überraschend, wie Oksavik sagt: «Hurrikane sind in der unteren Atmosphäre der Erde wohlbekannt und verursachen Zerstörung und Schaden für Menschen und Infrastruktur.» Dass es «ein ähnliches Phänomen mehrere hundert Kilometer über dem Boden» geben könnte, hätte niemand vorausgesehen, teilt seine Hochschule mit.

Spiralarme und 1000 Kilometer im Durchmesser

Doch genau das gibt es: Das internationale Forscherteam entdeckte den Weltraum-Hurrikan über dem magnetischen Nordpol der Erde im August 2014. Damals zeichneten Satelliten aus dem Defense Meteorological Satellite Program der US-Streitkräfte einen riesigen fließenden Plasmastrudel auf, der sich hoch in die Magnetosphäre erstreckte und stundenlang anhielt, bevor er sich auflöste.

Der Durchmesser des ersten jemals beobachteten Weltraum-Wirbelsturms betrug rund 1000 Kilometer. Während den acht Stunden seines Bestehens erreichte er eine Höhe von 110 bis 860 Kilometern und bestand aus Plasma mit mehreren Spiralarmen, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2100 Metern pro Sekunde gegen den Uhrzeigersinn wirbelten. Das Zentrum war jedoch fast ruhig, wie bei Hurrikans in niedrigeren Höhen, heißt es im Fachjournal «Nature Communications».

Krawall im All

Die Entstehung des All-Hurrikans war den Forschern ein Rätsel. Anders als bei der Bildung von Polarlichtern, bei der der Sonnenwind geladene Teilchen in die Ionosphäre trägt, war es während des Weltraum-Wirbelsturms relativ ruhig.

Doch was hatte dann den «Krawall im All», wie die Wissenschaftsplattform ScienceAlert.com das erstmals beobachtete Phänomen nennt, verursacht? Das zeigt die Modellierung des Teams. Demnach entstand der Wirbel nicht in der Luft, sondern im Plasma der Ionosphäre (siehe Box) und besteht aus ionisiertem Gas, wie es überall im Sonnensystem vorkommt.

Die Tatsache, dass Plasma- und Magnetfelder in der Atmosphäre von Planeten häufig vorkommen, legt laut Mike Lockwood, Weltraumwissenschaftler an der University of Reading und Co-Autor der Studie nahe, «dass Weltraum-Hurrikans ein weit verbreitetes Phänomen sind.» Die Entdeckung der bisher unbekannten All-Wirbelstürme ist laut Oksavik «ein wichtiges neues Teil der Puzzles», in dem es um die große Frage geht, «wie die Erde mit dem Weltraum gekoppelt ist.» Man sei «auf eine neue Art der Kopplung von Sonnenwind, Magnetosphäre und Ionosphäre gestoßen, die niemandem bekannt war.» Das sei wirklich «unglaublich».

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freda die berghutze am 05.03.2021 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiß nicht was daran so unglaublich ist Das Magnetfeld der Erde ist schon seid Jahrzehnten bekannt

Die neusten Leser-Kommentare

  • Freda die berghutze am 05.03.2021 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiß nicht was daran so unglaublich ist Das Magnetfeld der Erde ist schon seid Jahrzehnten bekannt