Arbeitsbedingungen

25. Juni 2020 09:58; Akt: 25.06.2020 11:21 Print

Ex-​​Mitarbeiter von Tönnies hörte Kollegen weinen

Bei Tönnies, einem der größten Fleischerbetriebe Deutschlands, herrschen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, wie ein ehemaliger Angestellter erzählt.

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Leistungsdruck durch Vorgesetzte, unbezahlte Überstunden, Krankmeldeverbot – die Arbeitsbedingungen in der deutschen Fleischerei Tönnies sind unter aller Würde, wie ein ehemaliger Angestellter des größten deutschen Schweinefleischproduzenten erzählt. «Ich hörte meine Kollegen nachts weinen in der Unterkunft, da sie so schlimme Schmerzen vom Arbeiten hatten. Ihre Hände waren ganz geschwollen.»

Der Rumäne war zwei Jahre lang als Werkarbeiter bei Tönnies angestellt, wo das Coronavirus in extremem Maße ausgebrochen ist. Bislang haben sich über 1500 Angestellte infiziert. Die Arbeitstage bei Tönnies waren oft bis zu zwölf oder dreizehn Stunden lang. «Auf dem Gehaltszettel war aber nichts davon zu sehen», erzählt der Mann gegenüber der Deutschen Welle.

Geschäftsleitung wusste, wann Kontrolleure kommen

In der Fabrik seien die Fließbänder sehr schnell gelaufen. Bei Kontrollen habe man diese aber verlangsamt, da die Geschäftsleitung meist im Voraus gewusst habe, wann es eine Kontrolle gab. «Wieso macht man das nicht unangekündigt? Nur dann könnten Kontrolleure sehen, wie die Lage wirklich ist», fügt er an. Man habe den Angestellten nahegelegt, bei den Kontrollen den Mund zu halten. «Sagt einfach, ihr sprecht kein Deutsch, hat man uns gesagt – auch wenn einige von uns die Sprache beherrscht haben.»

Auch Krankmeldungen wurden nicht toleriert, so habe man kranke Angestellte angebrüllt. «Die Vorarbeiter brüllten uns an, dass wir ihnen bloß nicht mit Krankmeldungen kommen sollten!» Als er selbst einmal stark erkältet war, was aufgrund der feuchten und kalten Bedingungen in der Fleischfabrik schnell passiere, wurde er von seinem Vorgesetzten angeschrien. «Da reichte es mir endgültig, sodass ich aufgehört habe», erzählt der Rumäne.

14 Personen in einer Wohnung

Während seiner Zeit bei Tönnies wohnte er mit anderen Angestellten in einer Unterkunft. Die Miete betrug 200 Euro pro Person. «Einige Unterkünfte, in denen ich gewohnt habe, waren sehr sauber, aber es gab auch Ausnahmen.» Es sei immer sehr eng gewesen, manchmal hätten zehn, zwölf oder zeitweise sogar 14 Leute in einer einzigen Wohnung gewohnt. Die Gebäude, in denen die Angestellten wohnen, gehören Subunternehmen.

«Ein rumänischer Subunternehmer hat zum Beispiel ein ganzes Gebäude mithilfe eines Kredits von der Bank gekauft und dann die Wohnungen an Arbeiter vermietet. Aber es ist einfach nicht fair, so viele Menschen in eine einzige Wohnung zu stecken!»

Subunternehmen unterliegen nicht direkt den deutschen Gesetzen

Diese Subunternehmen stellt er an den Pranger: «Ein Freund von mir ist direkt bei einem deutschen Betrieb angestellt und hat keine Probleme. Er hat keine Angst, wenn er zur Arbeit geht. Keiner brüllt ihn an, keiner beschimpft ihn.» Er hofft, dass in Deutschland der Gesetzesentwurf zum Verbot von Werkverträgen vom Parlament angenommen wird.

Kontakt hat er noch zu zwei Tönnies-Angestellten, welche sich zur Zeit in Quarantäne befinden. «Sie sagen, man habe ihnen genug Essen und Wasser gebracht. Aber sie sind sehr verunsichert, sie wissen nicht, wie alles weitergeht.»

(L'essentiel/Bianca Lüthy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jimbo am 25.06.2020 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soulang dFleesch an den Hondsdousen mei déier ass wei dat, wat een am Supermarché keeft, weess een, dass do ëppes net stëmmt...

  • Celeste am 25.06.2020 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Auch hier sollte gegen Sklavenarbeit demonstriert werden.

  • Daweb am 25.06.2020 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die aarm déieren déi kennen sich net wieren!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Yes am 28.06.2020 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solche Machenschaften sind nur möglich weil der Absatz von Billigfleisch so gut läuft ! Keiner will oder kann ein paar Cent mehr für ein Stück Fleisch was ( artgerecht ) gehalten wird zahlen , somit heimische Bauern unterstützen was auch den Vorteil hätte das diese nicht auf Ausfallzahlungen vom Staat angewiesen wären . Außerdem würden die ganzen sinnlosen Tiertransporte wegfallen . Alles zum Haare raufen !!

  • De Monni Metzler am 25.06.2020 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Das Billig-Fleisch von Discountern stammt mit Sicherheit nicht von Weidetieren mit frischem Futter und Musik... Das müssen wir alle nun selbst verantworten. Die armen Schweine (Tiere und Arbeiter!).

  • Daweb am 25.06.2020 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die aarm déieren déi kennen sich net wieren!

  • Celeste am 25.06.2020 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Auch hier sollte gegen Sklavenarbeit demonstriert werden.

  • jimbo am 25.06.2020 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soulang dFleesch an den Hondsdousen mei déier ass wei dat, wat een am Supermarché keeft, weess een, dass do ëppes net stëmmt...