Bei Identifikation

03. Dezember 2021 13:10; Akt: 03.12.2021 13:16 Print

FBI bittet Serienkiller Samuel Little um Hilfe

Samuel Little ist mit 93 gestandenen Morden der schlimmste Serienmörder der USA. Seine Opfer waren hauptsächlich Frauen. Am meisten tötete er in Los Angeles.

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Seine Opfer waren meist hilflos. Drogenabhängige, Prostituierte oder Frauen, die nach einer Mitfahrgelegenheit gesucht haben. Samuel Little gestand 93 Morde in 19 Bundesstaaten. Die meisten seiner Opfer erwürgte er, zwei Frauen hat er ertränkt.

Der berüchtigte Serienmörder starb im Dezember 2020 im Alter von 80 Jahren. Bisher konnten die amerikanischen Behörden 62 seiner 93 Opfer identifizieren. Nun veröffentlichte das FBI am 1. Dezember 2021 Porträts von 31 weiteren Frauen, welche Little zum Opfer gefallen sind. Der Serienmörder hat die Porträts selbst gezeichnet, im Auftrag von Texas Ranger James Holland.

Holland, der sich auf die Vernehmung von Serienmördern spezialisiert hat, verbrachte zwei Jahre lang mehr als 700 Stunden damit, Little zu interviewen. In dieser Zeit entlockte er dem Serienmörder 93 Geständnisse. Texas Ranger Holland bekam bei der Aufdeckung der Morde Hilfe von Christie Palazzolo vom FBI und Angela Williamson vom Justizministerium. Sie halfen, die Geständnisse von Little mit ungelösten Fällen im ganzen Land abzugleichen.

«Er war hochbegabt, fast schon ein Genie»

Das erste Geständnis war der Mord an Denise Brothers in Odessa, Texas. Im Videoformat «60 Minutes» von CBS-News sprach Holland über die Zusammenarbeit mit dem Serienmörder. Die Moderatorin des Formats fragt Texas Ranger Holland, warum Samuel Little so lange, er mordete über 50 Jahre, ungeschoren davon kam? «Er war einfach zu gut in dem, was er tat. Er war hochbegabt, fast schon ein Genie. Er hatte ein fotografisches Gedächtnis», so Holland.

Er konnte in den Verhören auch 30 Jahre nach den Morden noch jedes einzelne Detail der Tatorte haargenau beschreiben. «Alles, was er in den Verhören zu den Tatorten oder den Opfern sagte, stellte sich im Nachhinein als korrekt heraus», erklärt James Holland in «60 Minutes».

In einem der unzähligen Verhöre wollte Holland von Little wissen, wie eines seiner Opfer aussah. «Sie hatte Hasenzähne und diese kleine Zahnlücke», erinnert sich der Serienmörder. Der Mord lag zum Zeitpunkt des Verhörs über 35 Jahre zurück. «Ich erinnere mich an ein schwarzes Mädchen. Sie war so nett. Sie hat sogar noch gelächelt, als ich sie ermordete», sagt Little mit ruhiger Stimme. Nach dieser Aussage herrscht beklemmende Stille im Verhörraum.

Die Ermittlerinnen und Ermittler nutzten Littles fotografisches Gedächtnis zu ihren Gunsten

Durch die unzähligen Verhöre, die Texas Ranger James Holland mit Samuel Little führte, erfuhr er, dass Little gerne zeichnete. Und Holland wusste auch, dass der Serienmörder ein fotografisches Gedächtnis hatte. «Ich dachte mir, wir geben ihm Stift und Papier und er soll seine Opfer skizzieren», sagt der Texas Ranger. Herausgekommen sind über 50 detailgetreue Skizzen. Auf unzähligen Bildern der Opfer war noch eine Notiz vermerkt, wo und wie Little sie umgebracht hat.

Doch die Verhöre liefen zu Beginn sehr harzig. Als James Holland das erste Mal von Texas nach Kalifornien reiste, um Little zu verhören, hatte dieser einen Wutanfall. «Ich bezeichnete ihn als Vergewaltiger. Er rastete 30 Minuten lang komplett aus», sagt Holland im Interview mit «60 Minutes». Doch dann habe er ihn damit konfrontiert, dass sie beide wissen, dass er ein Killer sei. «Er hielt abrupt inne. Er schaute mich an und ich sah es in seinen Augen. Das war es, als was er sich selber sah. Einen Killer. Von da an hatte ich ihn», so Holland.

Mit Pizza und Dr. Pepper zum Reden gebracht

Weil Little auch drei Morde in Texas verübte, wollte ihn Holland in seinen Bundesstaat holen, um ihn dort zu verhören. Doch im Cowboy-Bundesstaat gibt es für Mord die Todesstrafe. Weil aber eine große Chance bestand, noch so viele ungeklärte Mordfälle aufzudecken, verschonte die zuständige Behörde Little von der Todesstrafe. Somit konnte Holland Little an 48 aufeinander folgenden Tage verhören. Um die Geständnisse Little zu entlocken, gab es für den Serienmörder Pizza und Dr. Pepper. Warum behandelt man einen Serienmörder so? Viele Leute empfanden dies als zu gute Behandlung. «Ich sagte immer, wir können ein Geständnis haben, oder wir können ihm 93 Geständnisse entlocken», so Holland.

Der Texas Ranger wusste, dass wenn sich Little wohlfühle, er alles ausplaudern würde. «Es war auch in unserem Interesse so viel wie möglich von ihm zu erfahren.» Doch warum vertraute sich der Serienmörder ausgerechnet Holland an? «Ich kann es nicht genau sagen, aber ich merkte, dass er mich mochte», erklärt der Ranger.

Warum aber plauderte Little auf einmal? Warum gestand er 93 Morde? Im Interview mit «60 Minutes» sagte Little: «Es sitzen so viele unschuldige Menschen wegen mir im Gefängnis. Meine Morde wurden denen angehängt. Wenn ich mit meinen Geständnissen Unschuldige aus dem Gefängnis bringe, lächelt Gott vielleicht ein bisschen mehr auf mich.»

(L'essentiel/Florian Osterwalder)

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