Retrovirenfrei

14. August 2017 08:31; Akt: 14.08.2017 08:31 Print

Ferkel als Organspender für Menschen?

Forschern ist die Zucht retrovirenfreier Klonferkel gelungen. Organtransplationen von Tieren zu Menschen rücken damit ein gutes Stück näher.

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Könnten künftig als Organspender eingesetzt werden: Ein Schweinerennen in Lausanne. (Symbolbild) (Bild: Jean-Christophe Bott)

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Ein Team von Wissenschaftlern an der Harvard-Universität hat mit Hilfe der Gentechnik Schweine gezüchtet, deren Erbsubstanz keine potenziell gefährlichen endogenen Retroviren mehr aufweist. Laut dem veröffentlichten Bericht in der Fachzeitschrift «Science» sind die Forscher damit dem Ziel, eines Tages Tierorgane in Menschen verpflanzen zu können, einen großen Schritt näher gekommen.

Der Leiter des Transplantationszentrums des UniversitätsKrankenhauss Zürich, Nicola Müller, findet die Resultate «extrem beeindruckend», betont aber, dass die Transplantation von Schweineorganen in Menschen trotzdem noch Zukunftsmusik bleibe. Weitere Hürden seien die Abstoßung von Organen sowie die Vereinbarkeit gewisser Systeme, wie zum Beispiel das Gerinnungssystem. «Es werden also noch einige Jahre vergehen, bis solche Organe routinemäßig eingesetzt werden», sagt Müller zum SRF.

Eine Ausnahme seien sogenannte Inselzellen, die Insulin produzieren, wo es jetzt rascher gehen könnte – was speziell für Menschen mit Diabetes interessant wäre. Menschen können bereits mit biologischen Herzklappen von Schweinen oder Rindern leben.

37 PERV-freie Klonferkel

Normalerweise tragen Schweine in ihrer Erbsubstanz gleichsam als blinde Passagiere sogenannte porcine endogene Retroviren (PERVs), die sich auch in menschlichen Zellen vermehren können. Unklar ist, ob sich das Virus auch bei Transplantationen von Schweineorganen auf den Menschen überträgt und welche Auswirkungen dies haben könnte.

Das Team unter Leitung der beiden Genetiker George Church und Luhan Yang von der Universität von Harvard ist es nach eigenen Angaben nun gelungen, die DNA von Schweinezellen so zu modifizieren, dass sie keine PERVs mehr aufweisen. Damit erzeugten sie Embryonen, die frei von den Viren waren und setzten diese in Mutterschweinen ein. Nach Angaben von Yang erzeugte ihr privates Unternehmen eGenesis auf diese Weise 37 PERV-freie Klonferkel.

«Möglicherweise eine noch größere Herausforderung»

Menschen können bereits mit biologischen Herzklappen von Schweinen oder Rindern leben. Die Transplantation ganzer Tierorgane könnte viele Leben retten Sollten die genveränderten Schweine von eGenesis tatsächlich frei von den endogenen Retroviren sein, wäre dies eine «großartige Leistung», meint auch der Virologe Joachim Denner vom Robert Koch Institut in Berlin. Wie Müller betont auch Denner, dass die Wissenschaft auch nach dem Erfolg noch weit von echten Xenotransplanationen (Transplantationen zwischen Spezies) entfernt sei. Auch er erwähnt die Abstoßungsproblematik: Experten müssten Wege finden, Schweinegene so zu verändern, dass das menschliche Immunsystem bei Organverpflanzungen nicht mehr aktiv wird.

Das räumt auch Studienautor Yang ein: Die Abstoßungsproblematik sei «möglicherweise eine noch größere Herausforderung» als endogene Retroviren zu deaktivieren, so der Forscher.

(L'essentiel/mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schwein & Rindskind am 14.08.2017 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die Transplantation ganzer Tierorgane könnte viele Leben retten ... aber die Tiere müssen doch deswegen sterben! ... Die Frage, ob menschliches Leben lebenswerter ist, als tierisches wird hier einfach nicht gestellt! ... ... ...

  • sputnik am 14.08.2017 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei so manchen würde ne Transplantation bei Organen von Schwein zu Mensch keinen Unterschied hervorrufen. Glaube dass diese Transplantation bei so manchem amerikanischen Politiker schon erfolgreich gewesen sein muss.

  • Menni am 14.08.2017 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht geht es ja umgekehrt leichter, von Mensch zu Schwein. Wäre doch schön für die Schweine ...

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  • sputnik am 14.08.2017 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei so manchen würde ne Transplantation bei Organen von Schwein zu Mensch keinen Unterschied hervorrufen. Glaube dass diese Transplantation bei so manchem amerikanischen Politiker schon erfolgreich gewesen sein muss.

  • Schwein & Rindskind am 14.08.2017 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die Transplantation ganzer Tierorgane könnte viele Leben retten ... aber die Tiere müssen doch deswegen sterben! ... Die Frage, ob menschliches Leben lebenswerter ist, als tierisches wird hier einfach nicht gestellt! ... ... ...

  • Menni am 14.08.2017 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht geht es ja umgekehrt leichter, von Mensch zu Schwein. Wäre doch schön für die Schweine ...