Weltpremiere

14. Juni 2019 15:00; Akt: 14.06.2019 19:42 Print

Forscher produzieren Sprit aus Licht und Luft

Forschern in der Schweiz ist Bedeutendes gelungen: Sie haben eine Technologie entwickelt, die aus Sonnenlicht und Luft CO2-neutrale Treibstoffe herstellt.

So funktioniert die solare Mini-Raffinerie. (Video. ETH Zürich)

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Klimaneutrales Benzin, Diesel oder Kerosin aus Luft und Licht – was in Zeiten der Klimadiskussion wie ein Menschheitstraum klingt, ist an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, kurz ETH, Realität.

Am Donnerstag präsentierten die Forscher erstmals weltweit die gesamte thermochemische Prozesskette zur Herstellung der solaren Treibstoffe unter realen Bedingungen.

Einen Deziliter am Tag

Die neue solare Mini-Raffinerie steht auf dem Dach des ETH-Maschinenlaboratoriums im Zentrum von Zürich. Die Anlage stellt aktuell Methan her – einen Deziliter am Tag. Sie könnte aber eine Vielzahl der heute gebräuchlichen fossilen Treibstoffe synthetisch produzieren.

Die hergestellten Treibstoffe sind CO2-neutral: Bei der Verbrennung wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie bei der Herstellung der Umgebungsluft entzogen wurde.

Kernstück und die eigentliche Neuentwicklung sind zwei Solarreaktoren, die mit gebündeltem Sonnenlicht aus einem Parabolspiegel auf 1500 Grad aufgeheizt werden. Sie wandeln CO2 und Wasser zu Syngas um, einer Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid. In einem weiteren Prozess wird Syngas zu verschiedenen Kohlenwasserstoffen verarbeitet, den heute gebräuchlichen Treibstoffen.

Das am Anfang benötigte CO2 und das Wasser werden direkt aus der Umgebungsluft gewonnen. Die Technologie stammt ebenfalls von der ETH. Als Energiequelle für den ersten Reaktionsschritt kann die Abwärme des Solarreaktors genutzt werden.

Realitätsbeweis erbracht

«Mit dieser Anlage beweisen wir, dass die Herstellung von nachhaltigem Treibstoff aus Sonnenlicht und Luft auch unter realen Bedingungen funktioniert», wird Aldo Steinfeld, Professor für Erneuerbare Energieträger an der ETH Zürich, in einer Mitteilung der ETH zitiert.

Steinfeld, der die Technologie mit seiner Forschungsgruppe entwickelt hat, weilte am Donnerstag in Madrid, wo er eine zweite Anlage der Öffentlichkeit vorstellte. Die ETH-Anlage in Spanien stellt zwar nur Syngas her, ist aber ungleich größer als die Mini-Raffinerie in Zürich. Mit einem Solar-Turm und einem am Boden montierten Spiegel-Feld weist sie den Weg in kommerzielle Dimensionen.

Schon 2025 soll es so weit sein, wie Philipp Furler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der ETH, in Zürich erklärte. Als technischer Direktor (CTO) des ETH-Spinoffs Synhelion entwickelt er die Forschungsanlage zu einer industriellen Produktionsanlage weiter.

Es gilt, die Anlagengröße zu vervielfachen, von 200 Kilowatt auf 40 Megawatt. Und das Sonnenlicht muss effizienter genutzt werden, um die Treibstoffe wirtschaftlich produzieren zu können. «Die Spiegel sind der Hauptkostenpunkt», erklärt Furler. Man müsse daher mit weniger auskommen. Der junge Forscher ist zuversichtlich: Der technische Weg zu einem höheren Wirkungsgrad sei bereits klar.

Interessant für die Luftfahrt

Läuft alles so, wie erhofft, will Synhelion in sechs Jahren die erste kommerzielle Anlage realisieren mit einer Produktionskapazität von 10 Millionen Litern Solartreibstoff im Jahr.

Als Abnehmer sieht Furler in erster Linie Airlines. «Die Luftfahrt hat keine Alternativen zu den fossilen Treibstoffen», sagt er. Batterien seien für Flugzeuge zu schwer. Die Kosten von solarem Kerosin sieht Furler langfristig bei ein bis zwei Euro pro Liter.

Eine Solaranlage von einem Quadratkilometer Fläche könnte pro Tag 20.000 Liter Kerosin produzieren. Laut den ETH-Forschenden könnte der Kerosin-Bedarf der gesamten Luftfahrt also mit einer Anlage von der Fläche der Schweiz oder einem Drittel der Mojave-Wüste in Kalifornien gedeckt werden.

Allerdings ist die Schweiz als Standort für eine industrielle Anlage ungeeignet. Notwendig sind große freie Flächen und eine starke und konstante Sonneneinstrahlung. Das müssen nicht zwingend Wüsten sein. Gute Voraussetzungen sind bereits in den südeuropäischen Ländern vorhanden.

(L'essentiel/fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Excellente nouvelle, mais couts à voir am 14.06.2019 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    En fait, ils produisent une forme d'acide formique (mélange d'hydrogène et de CO2), pour lequel il y a des solutions de pile à combustible pour le transformer en énergie. Leur problème est le cout des installations solaires, leur entretien (nettoyage) et tout ce qui va avec en terme d'opérations. Ceci étant, c'est une bonne nouvelle.

  • jimbo am 16.06.2019 01:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wat e Blödsinn...

  • Gilles am 15.06.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    ça s'appelle la photosynthèse.

Die neusten Leser-Kommentare

  • jimbo am 16.06.2019 01:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wat e Blödsinn...

  • Gilles am 15.06.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    ça s'appelle la photosynthèse.

  • Excellente nouvelle, mais couts à voir am 14.06.2019 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    En fait, ils produisent une forme d'acide formique (mélange d'hydrogène et de CO2), pour lequel il y a des solutions de pile à combustible pour le transformer en énergie. Leur problème est le cout des installations solaires, leur entretien (nettoyage) et tout ce qui va avec en terme d'opérations. Ceci étant, c'est une bonne nouvelle.

  • Fred/B am 14.06.2019 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Aber woher kommt der Kohlenstoff aus fossilen Brennstoffen?

    • Einfach am 14.06.2019 18:33 Report Diesen Beitrag melden

      Aritkel lesen: Kohlenstoff (C) kommt aus der CO2

    • Einfacheinfach am 15.06.2019 21:00 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, CO2 entsteht bei der Verbrennung fossiler Stoffe. Also zuerst Benzin und Diesel verbrennen.

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