Aus Versehen

27. November 2019 21:31; Akt: 27.11.2019 21:37 Print

Frau (26) infiziert sich mit pockenähnlichem Virus

Eine US-Laborantin hätte sich impfen lassen können, lehnte den Piks aber ab – aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Das sollte sie bereuen.

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Die 26-jährige Amerikanerin hatte gerade erst angefangen in einem Hochsicherheitslabor zu arbeiten, als es zu einem folgenschweren Zwischenfall kam: Sie infizierte sich mit einem gentechnisch veränderten Stamm pockenähnlicher Viren.

Dies aus Versehen, wie die US-Seuchenschutzbehörde CDC im «Mobidity and Mortality Weekly Report» schreibt. Eigentlich habe sie die Viren einer Labormaus injizieren wollen.

Erste Symptome nach zehn Tagen

Als Sofortmaßnahme spülte die Laborantin die betroffene Stelle 15 Minuten unter fließendem Wasser aus und informierte ihren Vorgesetzten über den Vorfall. Dieser beurlaubte sie augenblicklich und schickte sie in die Notaufnahme. Dort konnten die Ärzte jedoch nicht viel ausrichten. Auch vor der Gefahr, andere anzustecken, warnten sie ihre Patientin nicht.

Nach zehn Tagen traten dann die ersten Symptome auf. So hatten sich an der Einstichstelle einige für Pocken typische Bläschen gebildet. Nach weiteren zwei Tagen kamen Fieber, geschwollene Lymphknoten in der linken Achselhöhle, Unwohlsein und Schmerzen hinzu. An ihrem Finger hatte sich zudem ein Ödem gebildet (siehe Bildstrecke).

Gewebe stirbt ab

Daraufhin übernahmen Seuchenexperten von der CDC. Diese zeigten sich beunruhigt über die rasch voranschreitenden Probleme der 26-Jährigen, wie es im Fallbericht heißt. So entwickelte sich an ihrem Finger ein Kompartmentsyndrom, bei dem zunehmender Druck im Gewebe zu einer Verminderung der Durchblutung führt. Im Fall der Amerikanerin kam es sogar zum Absterben des Gewebes (Nekrose).

Ein weiteres Problem aus Sicht der Experten: Die Frau hatte sich nicht gemerkt, mit welchem Virenstamm sie zum Zeitpunkt des Unfalls hantiert hatte. Darum konnte niemand den weiteren Verlauf der Infektion vorhersagen.

Wirkstoff erstmals am Menschen getestet

Um Schlimmeres zu vermeiden, spritzten ihr die Mediziner am 12. Tag eine hohe Dosis Vaccinia-Antikörper, die Grundlage aller Pockenimpfstoffe. Zudem verschrieben sie ihr eine zweiwöchige Therapie mit Tecovirimat. Dabei handelt es sich um einen antiviralen Wirkstoff, der jedoch noch nie zuvor zur Behandlung eines Menschen eingesetzt wurde. Dies, weil Pocken seit 1980 als ausgerottet gelten (siehe Box). Entwickelt worden war Tecovirimat, um auf einen eventuellen Einsatz des Pockenerregers als biologischer Kampfstoff vorbereitet zu sein.

Die Premiere glückte: Zwar hatte die Patientin mit leichten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Muskelschmerzen und Juckreiz zu kämpfen, aber innerhalb von 48 Stunden bildeten sich die Symptome zurück. Lediglich die Nekrose dauerte 94 Tage an. Deshalb – und um eine Übertragung des Virus auszuschließen – wurde die Patientin etwa vier Monate von der Arbeit ausgeschlossen.

Fall hat auch Positives

Dass es überhaupt zu einer Infektion gekommen ist, hat sich die 26-Jährige laut den Informationen der CDC selbst zuzuschreiben. So hatte der neue Arbeitgeber ihr noch vor Arbeitsantritt angeboten, sie gegen das Pockenvirus impfen zu lassen. Dies habe die Laborantin jedoch aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen der Immunisierung abgelehnt.

Doch der Fall habe auch etwas Gutes, wie die CDC schreibt. Demnach habe er gezeigt, dass die Kombination aus Tecovirimat und Vaccinia-Antikörper eine Pockeninfektion beim Menschen abklingen lässt. Dennoch sei es sicherer, Personen, die mit pockenähnlichen Erregern zu tun hätten, im Voraus zu impfen.

(L'essentiel/fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pepe am 28.11.2019 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Play stupid games, win stupid prices. Dieser Artikel ist ein Stinkefinger für alle Impfgegner.

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  • User0815 am 28.11.2019 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ich hoffe man verzeiht mir diese Frage. Aber ist der Erregerstamm dann wirklich vollkommen weg oder besteht von dieser Dame jederzeit Gefahr eine neue Pockenwelle auszulösen? Der Erreger könnte sich ja verändern oder eine einfache Grippe das Immunsystem so schwächen das es wieder ausbricht?

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  • Packito am 28.11.2019 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Virwaat gëtt et nach 2 Plaatzen wou et pockenviren gëtt. Dei Viren dei do gehaale gin missten vernischt gin. Pocken gëllen laut der Who als ausgerott. Lo stell mol een sech vir dei Laborantin dei sech infizeiert hat hät nach aner Leit matinfizeiert. Dat wär e Supergau.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pit am 28.11.2019 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also wen do net un "Resident Evil" oder "Umbrella Corp." denkt...

  • Pepe am 28.11.2019 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Play stupid games, win stupid prices. Dieser Artikel ist ein Stinkefinger für alle Impfgegner.

    • BB aus B am 03.12.2019 14:32 Report Diesen Beitrag melden

      YES! If you don't like vaccination, try the disease

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  • Pia am 28.11.2019 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dann weess des gescheite persoun elo och mol wei et ass a wei sech Déiere doduerch fillen an daat jo ongefrot!

  • Knouter am 28.11.2019 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    An sou engem Arbechtsemfeld dierft keen Ongeimpften schaffen - do gesait een wat dann geschitt, an keen wees méi su richtech wéi se sech behuelen sollen an deem Fall... dat hätt kënnen schief ausgoen

  • User0815 am 28.11.2019 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ich hoffe man verzeiht mir diese Frage. Aber ist der Erregerstamm dann wirklich vollkommen weg oder besteht von dieser Dame jederzeit Gefahr eine neue Pockenwelle auszulösen? Der Erreger könnte sich ja verändern oder eine einfache Grippe das Immunsystem so schwächen das es wieder ausbricht?

    • BB aus B am 03.12.2019 14:32 Report Diesen Beitrag melden

      Genau DAS ist meine Befürchtung!!!

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