Schadenersatz gefordert

11. Oktober 2018 07:11; Akt: 11.10.2018 07:36 Print

Frau verklagt Arzt, weil sie krankes Kind geboren hat

Eine Patientin verklagt ihren Frauenarzt wegen unterlassener Abtreibung. Dieser habe keine pränatalen Tests durchgeführt, die die Erbkrankheit des Kindes hätten feststellen können.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In diesen Tagen steht ein Schweizer Frauenarzt vor Gericht, weil er von einer Patientin laut der «Berner Zeitung» zu einer Schadenersatzzahlung von bis zu einer Million verklagt wurde. Der Grund: Sie hat ein krankes Kind zur Welt gebracht, das Träger ihrer Erbkrankheit ist.

Laut der Frau habe der Gynäkologe auf vorgeburtliche Untersuchungen verzichtet, bei denen die besagte Krankheit hätte festgestellt werden können. Hätte er diese durchgeführt und die Erbkrankheit festgestellt, hätte die Klägerin das Kind eigenen Angaben zufolge abgetrieben.

Der Frauenarzt hingegen gibt an, die Frau habe ihm gegenüber ausdrücklich gesagt, dass sie das Kind so oder so zur Welt bringen wolle – unabhängig davon, ob es gesund oder krank sei. Er habe auf die Tests verzichtet, da eine Patientin in einem solchen Fall das Recht auf Nichtwissen habe, so der Gynäkologe.

Vor Gericht soll nun geklärt werden, ob der Facharzt die werdende Mutter tatsächlich ungenügend über die Gesundheitsrisiken des ungeborenen Kindes aufgeklärt hat.

Außergewöhnlicher Fall

Sollte die Frau den Wunsch geäußert haben, die Schwangerschaft unabhängig von einer potentiellen Krankheit nicht abbrechen zu wollen, hat der Gynäkologe richtig gehandelt, indem er keine pränatalen Tests durchführen ließ, so die «Berner Zeitung». In diesem Fall würde den Arzt keine Schuld treffen – auch wenn die Frau die Geburt bereute, als die Erbkrankheit diagnostiziert wurde. Ein Entscheid des Berner Regionalgerichts steht bis jetzt noch aus.

Laut einer Expertin ist der Fall außergewöhnlich, da sich eine Tendenz in die gegenteilige Richtung zeige. So würden sich Frauen von ihren Ärzten in der Regel eher unter Druck gesetzt fühlen, vorgeburtliche Untersuchungen durchführen zu lassen und dann in kurzer Zeit weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen. «Frauen schlittern häufig in die pränatale Diagnostik hinein, da die Mehrheit der Gynäkologen diese Tests wie selbstverständlich empfehlen.»

Juristische und ethische Beurteilungen des Falls

Während das Gericht die Aufgabe hat, den Fall aus juristischer Sicht zu beurteilen und dabei die Höhe des «Schadens» festlegen muss, den die Geburt des kranken Kindes verursacht, ist die Angelegenheit auch aus ethischer Sicht umstritten. Abtreibungen aufgrund von Krankheiten oder Störungen, die beim ungeborenen Kind festgestellt werden, werden kontrovers diskutiert.

(L'essentiel/jk)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.