Alaska

13. Juni 2017 12:31; Akt: 13.06.2017 12:39 Print

Für den Eisbären wird es richtig, richtig eng

Wegen der Erderwärmung bewegt sich das Packeis immer schneller. Das macht den ohnehin bedrohten Eisbären zusätzlich zu schaffen.

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Immer höhere Temperaturen setzen den Eisbären am Nordpol ordentlich zu. Schuld daran ist das sich immer schneller bewegende Packeis. Laut George Durner vom Geologischen Dienst der USA ist die Lage mit einem immer schneller werdenden Laufband vergleichbar.

Die Geschwindigkeit nehme zu, da das Meereis infolge des Klimawandels dünner und brüchiger werde, so der Forscher. In einer Studie beschäftigte sich Durner mit den Folgen für die Eisbären. Das Ergebnis: Die ohnehin gefährdeten Raubtiere zahlen einen hohen Preis.

Gehetzte Eisbären

«Die erhöhte Driftfrequenz des Meereises verschärft vermutlich den physiologischen Stress, unter dem viele Eisbären wegen der erschwerten Nahrungssuche in der wärmer werdenden Arktis leiden», sagt Durner. «Das ist ein weiterer Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.»

Ein Großteil des Packeises vor den Küsten von Alaska drifte das ganze Jahr über. Daher müssen die Eisbären ständig in Bewegung sein, um in ihrem bevorzugten Lebensraum zu bleiben.

Wenn der Mensch nicht reagiert, ist der Eisbär verloren

Die Raubtiere wurden in den USA 2008 zur gefährdeten Art erklärt. Washington reagierte damit auf den dramatischen Rückgang an sommerlichem Meereis in den vergangenen Jahrzehnten und auf Prognosen, wonach dieser Trend weiter anhalten wird. Die US-Regierung betonte aber, man werde nicht mit Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasen reagieren.

In einem im Januar veröffentlichten US-Bericht zur Lage der Tiere hieß es nun, ohne Schritte gegen den Klimawandel als Hauptursache für das Schwinden des Packeises könnten die Eisbären vermutlich nicht gerettet werden. Die Autoren verwiesen auf positive Zeichen wie die Emissionsziele des Pariser Klimaschutzabkommens.

Trump setzt Tieren zusätzlich zu

Doch US-Präsident Donald Trump hat in der vergangenen Woche den Ausstieg aus dem Abkommen verkündet und erklärt, dieses benachteilige die USA «zum exklusiven Vorteil anderer Länder». Amerikanische Unternehmen und Steuerzahler seien die Leidtragenden.

Trump rief auch zu einem Ausbau der Erdölförderung im Lebensraum der Eisbären auf, darunter in Gewässern vor der Küste Alaskas und im nördlichsten Naturschutzgebiet der USA, dem Arctic National Wildlife Refuge.

Margaret Williams vom WWF nennt den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen beängstigend. Zugleich bezeichnet sie aber Bemühungen auf Ebene der US-Staaten und der Kommunen zur Reduzierung des KohlendioxidausStoßes als ermutigende Signale. «Es besteht noch viel Hoffnung», sagt sie.

Größerer Futterbedarf, weniger Futter

Zur Rettung der Eisbären sind solche Maßnahmen dringend notwendig. Durners Studie zeigt, dass die mächtigen Tiere heute mehr Energie aufwenden müssen, um in ihrem Lebensraum zu bleiben. Um die höhere Driftgeschwindigkeit des Packeises auszugleichen, müssten sie laut konservativen Schätzungen pro Jahr ein bis drei Seehunde mehr töten als bisher. Angesichts der ohnehin schrumpfenden Jagdmöglichkeiten ist das keine leichte Aufgabe.

Die Tiere können längere Phasen ohne Fressen überstehen. Einen Großteil ihrer Beute suchen sie sich im Frühjahr und Frühsommer, wenn Ringelrobben ihren Nachwuchs bekommen. Mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn spüren sie die Geburtshöhlen der Robben auf.

Erste Folgen sichtbar

Der Rückgang des Meereises hat den Zugang zur Beute in der südlichen Beaufortsee vor der Nordküste Alaskas aber erschwert. Forscher stellten bei den dort lebenden Eisbären bereits Verschlechterungen beim körperlichen Zustand, bei der Fortpflanzung und den Überlebenschancen fest.

Die Autoren der neuen Studie untersuchten Daten von Eisbärenweibchen in der Beaufort- und der Tschuktschensee während zweier verschiedener Zeiträume: von 1987 bis 1998 und von 1999 bis 2013. In der zweiten Periode veränderten sich infolge längerer Schmelzphasen die Menge, Dicke und Zusammensetzung des Meereises.

Wichtige Forschung

Die Eisbären in der Tschuktschensee vor der Nordwestküste Alaskas müssen noch weiter laufen und mehr Kalorien verbrennen als ihre Artgenossen in der Beaufortsee, erklärt Durner. Dennoch sind sie in einem besseren Allgemeinzustand, da in ihrem Gebiet mehr Nahrung zur Verfügung steht.

Amy Cutting vom Oregon Zoo hält die neue Studie für einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Eisbären: «Diese Art der Forschung ist entscheidend, um die spezifischen Mechanismen zu verstehen, durch die der Klimawandel die Eisbären trifft.»

(L'essentiel)

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