Zweiter Versuch

31. Mai 2020 14:13; Akt: 31.05.2020 14:23 Print

Geglückter Start: SpaceX ist auf dem Weg zur ISS

Nach langer Pause sind wieder Astronauten von den USA zur ISS gestartet. Weltweit wurde der Start mit Spannung erwartet.

Quelle: Youtube

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Erstmals seit neun Jahren sind wieder Astronauten von den USA aus zur Raumstation ISS gestartet – und erstmals starteten sie mithilfe eines privaten Raumfahrtunternehmens. Die US-Raumfahrer Robert Behnken und Douglas Hurley hoben am Samstag in einer Crew-Dragon-Raumkapsel mit einer Falcon-9-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ab, wie Live-Bilder der US-Raumfahrtbehörde Nasa zeigten. «Wir sind abgehoben», teilte die Nasa per Kurznachrichtendienst Twitter mit. «Geschichte ist geschrieben worden.»

Nasa-Chef Jim Bridenstine sprach von einem «wundervollen Tag». Der deutsche Astronaut Alexander Gerst hieß seine beiden Raumfahrer-Kollegen via Twitter «willkommen zurück im Weltraum» und gratulierte SpaceX für die «solide Leistung».

«Lasst uns diese Kerze anzünden!»

Am Sonntag sollten die Astronauten Behnken und Hurley an der ISS andocken und rund einen Monat bleiben. Ein erster Startversuch war am Mittwoch wegen schlechter Wetterbedingungen etwa eine Viertelstunde vor dem Start abgebrochen worden. Auch vor dem zweiten Versuch hatten die Bedingungen zunächst nur mäßig ausgesehen, dann hatten sich die Wolken aber rechtzeitig verzogen und das Kontrollzentrum gab grünes Licht: «Lasst uns diese Kerze anzünden!» Es sei ihnen eine Ehre, sagte Behnken aus dem Crew Dragon und zeigte gemeinsam mit Hurley die Daumen nach oben. «Wir werden aus dem Weltraum wieder mit euch sprechen.» Weltweit war der «LaunchAmerica» betitelte Test mit Spannung erwartet worden.

Kurz nach dem erfolgreichen Start des Crew Dragon landete die erste Raketenstufe sicher aufrecht auf dem Schiff Of Course I Still Love You (auf Deutsch etwa: Natürlich liebe ich dich noch) im Atlantik vor der US-Küste. Die Landung und Wiederverwendung von Raketenstufen und Raumkapseln ist ein wichtiger Teil der Strategie des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX. Schon mehrfach gelangen Landungen von Raketenstufen auf Schiffen sowie auf Land.

Bei «LaunchAmerica» handelt sich um den letzten Flugtest für den von SpaceX entwickelten Crew Dragon. SpaceX wurde vom Unternehmer Elon Musk gegründet und hatte zuvor nur Fracht zur ISS transportiert. Wegen der Corona-Pandemie war der Zugang zu dem Gelände des Weltraumbahnhofs im US-Bundesstaat Florida, wo normalerweise Besucher bei Starts zuschauen dürfen, stark eingeschränkt. US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence waren aber angereist.

Trump: «Heldenhafte Tat»

Es handle sich um mehr als eine «historische Tat», sagte Trump am Samstag, nachdem er den Start zweier US-Astronauten vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida live verfolgt hatte. «Wir haben eine heldenhafte Tat beobachtet.»

Der Start markiere für die USA die «kühne und triumphale Rückkehr zu den Sternen», sagte Trump weiter. Mit dem Crew Dragon fliegen erstmals seit knapp neun Jahren wieder US-Astronauten – die Raumfahrer Robert Behnken und Douglas Hurley von den USA aus zur ISS. Und erstmals befördert mit SpaceX ein privater Anbieter die Raumfahrer im Auftrag der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Die Astronauten wurden am Sonntag an der ISS erwartet. Der US-Präsident bedankte sich bei ihnen.

Bis 2024 sollen US-Astronauten wieder zum Mond fliegen

Die kommerzielle Raumfahrt sei die Zukunft, sagte Trump. «Ein neues Zeitalter amerikanischen Ehrgeizes hat jetzt begonnen.» Nicht einmal die Schwerkraft könne die USA zurückhalten. «Wir haben etwas kreiert, das den Neid der Welt auf sich zieht, und wir werden bald auf dem Mars landen, und wir werden bald die besten Waffen haben, die man sich in der Geschichte je vorstellen konnte.» Mit dem erfolgreichen Start hätten sich die USA «ihren prestigeträchtigen Platz als Anführer der Welt» zurückerobert. «Wir werden eine anhaltende Dominanz der USA im Weltraum sicherstellen.»

Trump unterstrich erneut die Pläne seiner Regierung, bis 2024 auch wieder Astronauten zum Mond zu bringen. Ob das zeitlich zu schaffen sein wird, bezweifeln jedoch viele Raumfahrtexperten.

«Schwierige Zeiten für die USA»

Zuletzt waren im Sommer 2011 Astronauten mit der Raumfähre «Atlantis» zur ISS geflogen. Danach mottete die US-Raumfahrtbehörde Nasa ihre Space-Shuttle-Flotte aus Kostengründen ein und war für Flüge zur ISS seither auf Russland angewiesen. Das war mit rund 80 Millionen Euro pro Flug in einer russischen Sojus-Kapsel nicht nur teuer, sondern kratzte auch mächtig am Ego.

Eigentlich waren eigene Flüge aus den USA zur ISS von der Nasa schon für 2017 angekündigt gewesen – im Zuge technischer Probleme, Finanzierungsschwierigkeiten und Umstrukturierungen nach der Wahl von US-Präsident Trump wurde das Projekt aber immer weiter aufgeschoben.

Es seien derzeit schwierige Zeiten für die USA, sagte Nasa-Chef Bridenstine. Das Land ist besonders stark von der Coronavirus-Pandemie betroffen, außerdem gibt es derzeit Maßenproteste nach dem Tod eines Afroamerikaners bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis. Er hoffe, sagte Bridenstine, dass der erfolgreiche Start «jedem die Möglichkeit gibt, über Menschlichkeit nachzudenken».

(L'essentiel/sda)

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