Sturm

29. Oktober 2017 16:39; Akt: 29.10.2017 16:39 Print

Herwart bringt Tod und Zerstörung nach Europa

In Norddeutschland hat Sturm Herwart den Bahnverkehr teils zum Erliegen gebracht. Auch in anderen Teilen Europas sorgen starke Windböen für Chaos.

In Berlin riss Herwart Bäume und Baugerüste um. (Video: Tamedia/Reuters)

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Tote, Verletzte und erhebliche Schäden hat das Sturmtief «Herwart» am Wochenende in Europa hinterlassen. Als der Sturm am Sonntag abflaute, begann vielerorts das große Aufräumen.

In Polen und Tschechien waren mindestens drei Todesopfer zu beklagen. In Deutschland wurden zunächst ein Toter und sechs Verletzte bekannt. In allen drei Ländern warf der Wind viele Bäume um, die Straßen blockierten und den Verkehr behinderten. Infolgedessen starb ein Mann in der polnischen Woiwodschaft Westpommern bei einem Autounfall, wie örtliche Behörden angaben.

In Tschechien wurde eine Frau bei einem Waldspaziergang bei Trebic (Trebitsch) von einem Baum erschlagen. Ein Mann starb, als er in der böhmischen Kleinstadt Jicin (Jitschin) von einem Baum getroffen wurde, wie die Agentur CTK berichtete.

Luxemburg hat Glück

Davon war im Großherzogtum nichts zu spüren. Etwas Regen, etwas Wind. Das war es schon. Andere Länder hatten dagegen unter dem Sturm zu leiden.

Hunderttausende Haushalte ohne Strom

Hunderttausende Haushalte waren in ganz Tschechien ohne Strom, weil Freileitungen beschädigt wurden. In Most (Brüx) warf das Unwetter eine erst vor sieben Jahre eingeweihte orthodoxe Holzkirche um.

In der Slowakei rieten die Behörden vor dem Feiertag Allerheiligen von traditionellen Besuchen an den Gräbern von Angehörigen ab. In Bratislava blieben Friedhöfe aus Sicherheitsgründen geschlossen.

In Deutschland stoppte die Bahn am Sonntag in sieben Bundesländern ihren Fernverkehr. Wegen der schweren Sturmschäden wollte die Deutsche Bahn den Betrieb erst am Montag wieder aufnehmen. Berlin, Hamburg, Hannover, Bremen und Kiel seien zurzeit nicht ans Fernnetz angeschlossen, teilte der Konzern am Sonntag mit. Viele Straßen wurden wegen umgekippter Bäume gesperrt. Meteorologen warnten vor dem Betreten der Wälder. Besonders vom Sturm betroffen waren der Norden und Osten Deutschlands.

Von Sturmflut überrascht

An der Nordsee wurde ein 63-jähriger Camper von der Sturmflut überrascht und ertrank. Der Mann habe auf einem Campingplatz am Jadebusen in Niedersachsen in einem VW-Bus übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuß in Sicherheit bringen wollen, erklärte die Polizei.

In Berlin wurde ein Fußgänger von einem umkippenden Baugerüst schwer verletzt. In Sachsen-Anhalt und Bayern verletzten sich Autofahrerinnen, die mit ihren Wagen gegen umgestürzte Bäume prallten. In Nordfriesland überschlug sich ein Autofahrer beim Ausweichen vor Ästen und verletzte sich.

Auf einer Autobahn in Mecklenburg-Vorpommern rutschten Autos auf einer fünf Zentimeter dicken Hageldecke aus. Dabei verletzten sich zwei Menschen. Der Wind erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 176 Kilometern pro Stunde am Fichtelberg in Sachsen.

Ausnahmezustand bei Feuerwehr

Die Hamburger Feuerwehr rückte bis zum Sonntagmorgen 550 Mal aus – meist wegen Bäumen und Ästen auf Straßen, aber auch auf Autos und Häusern. Die Berliner Feuerwehr wurde zwischen 4 Uhr und 10 Uhr zu 300 Einsätzen gerufen und rief deswegen den Ausnahmezustand aus. Der Sturm deckte dort ein komplettes Hausdach ab. Zwei S-Bahnen rammten umgestürzte Bäume.

Wegen «Herwart» standen die Züge in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen still. Züge aus anderen Regionen in diese Gebiete endeten vorzeitig. In Hamburg fuhr die S-Bahn noch eingeschränkt. Ersatzverkehr mit Bussen gab es wegen der Sturmgefahr meist nicht.

Airbus musste außerplanmäßig landen

In Dortmund, Bielefeld und Hamm stellte die Bahn nach Angaben eines Sprechers sogenannte Übernachtungszüge zur Verfügung. Fahrgäste, deren Züge nicht mehr nach Norddeutschland weiterführen, könnten sich dort auch tagsüber aufhalten.

Wegen starker Windböen in Frankfurt musste am Sonntag ein Airbus A380 der Lufthansa außerplanmäßig in Stuttgart landen. Nachdem die aus Houston (USA) kommende Maschine wetterbedingt einige Zeit über dem Flughafen Frankfurt gekreist war, entschied sich der Kapitän zur Sicherheitslandung, auch weil der Treibstoff knapp wurde.

(L'essentiel/roy/kaf/sda)

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