Knuspriger Snack

22. Januar 2020 15:55; Akt: 22.01.2020 15:56 Print

Heuschrecken und Mehlwürmer im Kochstudio

Eklig oder lecker? Insekten sollen als Nahrungsquelle immer wichtiger werden. Wie man die Tierchen am besten zubereitet, lässt sich in speziellen Kochkursen lernen.

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Goldbraun rösten die Pinienkerne in der Pfanne, bevor sie mit pochierten Birnenhälften und cremigem Joghurt angerichtet werden. Garniert mit einem Rosmarinzweig – und karamellisierten Heuschrecken. Et voilà, fertig ist einer von drei Gängen, der beim Kochkurs von Anja Sieghartsleitner gezaubert wird. Die 33-Jährige hat das erste Insekten-Kochstudio in Vorarlberg eröffnet. Anders als beim Dschungelcamp wird bei Luculla culinaria gelehrt, Insekten genussvoll zuzubereiten, zum Beispiel als Häppchen für Firmenfeiern.

«Der Zeitgeist ist da, um Insekten als Lebensmittel populärer zu machen, weil die Leute viel auf Ernährung und Gesundheit achten», sagt Sieghartsleitner. «Insekten schmecken gut, sind sehr gesund, haben viele hochwertige Proteine, Vitamine, Mineralstoffe, ungesättigte Fettsäuren und sind dabei enorm ressourcensparend.» Die Österreicherin hat Food and Drink Innovation in Schottland studiert und dabei ihre Leidenschaft für die Krabbler entdeckt. Seither agiert sie als «Botschafterin für Insekten-Kulinarik», wie sie sich selber bezeichnet. «Meine Familie war anfangs skeptisch, aber jetzt ist sogar meine 90-jährige Oma insektifiziert.»

Gibt es eine Ekelschwelle?

Die Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen hat schon 2013 auf das Potenzial von Insekten als Nahrungsquelle hingewiesen. «Die Haltung und Aufzucht von Insekten kann dazu beitragen, die Insektenpopulationen zu erhalten und gleichzeitig weltweit der Ernährungsunsicherheit entgegenzuwirken und den Lebensstandard zu verbessern», heißt es in einem Bericht der FAO. Insekten hätten zudem ein enormes Potenzial für die globale Tierfutter- und Lebensmittelproduktion. Auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit punkten die Krabbler und sind laut Bundeszentrum für Ernährung im Vergleich zur Nutztierhaltung klimafreundlicher. Die Zucht braucht weniger Platz, Futtermittel, Wasser, Energie und verursacht somit weniger Treibhausgas-Emissionen als die von Rindern, Schweinen oder Hühnern.

Das Start-up liegt im Industriegebiet von Sulz (Österreich). Das Studio ist mit einer offenen Küche eingerichtet. Im Hintergrund läuft Chillout-Musik, Kerzen brennen, auf dem Tisch stehen Wasser-Karaffen und Gebäckstangen mit Buffalowürmern. Zu Sieghartsleitners erstem Kochkurs sind sechs Teilnehmer gekommen. Kaum einer ist zögerlich, die Snacks werden sofort probiert.

Einer von ihnen ist der Sportmediziner Ulrich Schwarz aus dem bayerischen Oberstdorf. Den Kochkurs hat er zu Weihnachten von seiner Frau geschenkt bekommen. «Ich möchte herausfinden, ob es für mich eine Ekelschwelle gibt», sagt der 56-Jährige. In Laos habe er bereits Insekten probiert und sei dort auf den «Geschmack gekommen».

Insekten als süße oder herzhafte Gerichte möglich

Mehr als zwei Milliarden Menschen essen regelmäßig Insekten, vor allem in Teilen von Asien, Afrika und Südamerika. «Insekten gelten in vielen Ländern als Delikatesse und werden wegen des hohen Proteingehalts und guten Geschmacks geschätzt. Nicht, weil die Menschen nichts anderes haben», sagt Sieghartsleitner.

Teilnehmerin Amy King hat jahrelang Crossfit auf Wettkampfniveau ausgeübt. Der hohe Proteinanteil in den Insekten habe sie neugierig gemacht. «Ich kenne Insekten in Form von Proteinpulver in Getränken», erzählt die 27-Jährige. «Ich will wissen, wie man Insekten noch zubereiten kann.» Sieghartsleitner zufolge kann man das auf vielfältige Weise: «Insekten sind vom Geschmack her eher neutral bis nussig. Das ist der Grund, warum sie sowohl in süße als auch herzhafte Gerichte integriert werden können.»

Brutzeln und zubereiten dürfen die Teilnehmer neben den karamellisierten Honig-Heuschrecken unter anderem Ofenkürbis mit Mehlwürmern und Crostini mit Hummus und Buffalowurm. «Schwierig fand ich rein optisch die Heuschrecken, da man sie doch sehr deutlich und groß sieht. Aber geschmacklich sind sie super und knusprig», sagt King. «Am meisten Freude hatte ich mit den kleinen Buffalowürmern. Ich fand die relativ simpel und einfach zum Einarbeiten.»

Mehlwürmer als Kindergericht

Als Zutaten stellt Sieghartsleitner ausschließlich saisonale und regionale Produkte zur Verfügung. Die Heuschrecken kommen aus einer Vorarlberger Zucht, die Würmer aus einer Kärntner Würmerfarm. Zur «Ernte», wie die Schlachtung von Speiseinsekten genannt wird, werden die Insekten zunächst bei etwa minus 15 Grad in Kältestarre versetzt und dann schockgefroren. Bei längerer Lagerung in der Kälte stoppt der Stoffwechsel und die Tiere verenden im «Winterschlaf».

Weltweit gibt es mehr als 2000 Insektensorten, die essbar sind. Mehlwürmer, Heuschrecken, Grillen und Buffalowürmer stehen mittlerweile auch in einigen deutschen und österreichischen Supermarktregalen. Noch recht teuer sind sie allerdings: Für 100 Gramm gemahlene Mehlwürmer verlangen manche Anbieter 14 Euro; für 8 Gramm Wanderheuschrecken 7 Euro. Ulrich Schwarz will dennoch weiter zugreifen. Denn der anfangs befürchtete Ekel blieb aus. «Wir werden das zu Hause sicher nachkochen, für unsere Kinder», sagt er.

(L'essentiel/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julie am 23.01.2020 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    der Mensch entwickelt sich weiter, vom Fleischesser zum Vegetarier zum Veganer zum Insektenfresser zum Menschenfresser.... wo steht ihr in dieser Evolution? ich "leider" noch ganz am Anfang

  • Knadderer am 22.01.2020 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Vir mech kennen se souvill Insekten iessen wei se wellen ech iessen dat op jiddefall net. nee merci Pfui Deibel

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  • jimbo am 23.01.2020 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ech warden nach emmer drop, dass een Insekteburgeren hei am Land ze kafe kritt... An der Schwäiz am Coop goufen et dei virun 2Joer emol... Waren ganz gutt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • jimbo am 23.01.2020 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ech warden nach emmer drop, dass een Insekteburgeren hei am Land ze kafe kritt... An der Schwäiz am Coop goufen et dei virun 2Joer emol... Waren ganz gutt!

  • Julie am 23.01.2020 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    der Mensch entwickelt sich weiter, vom Fleischesser zum Vegetarier zum Veganer zum Insektenfresser zum Menschenfresser.... wo steht ihr in dieser Evolution? ich "leider" noch ganz am Anfang

  • Zukunft am 23.01.2020 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Vor 30 Jahren hat hier auch noch keiner Sushi gegessen und alle sagten nur "Iiiieeh, roher Fisch, wie ekelhaft!". Gebt der Sache noch ein paar Jährchen, dann sind wir soweit. Es ist unausweichlich, vor allem aus ressourcentechnischen Gründen...

  • Knadderer am 22.01.2020 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Vir mech kennen se souvill Insekten iessen wei se wellen ech iessen dat op jiddefall net. nee merci Pfui Deibel

    • Toni am 23.01.2020 08:51 Report Diesen Beitrag melden

      Dat wär eppes fir op den selichen Neijoersreceptiounen ze zerweieren als Häppchen.

    • @Knadderer am 23.01.2020 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      T'éischt schmaachen, dann knadderen. ;-)

    • Linda am 23.01.2020 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      Dann bleiwen ech beim Huesenfudder. Sin weder Fesch nach Insekteniesser. And Fleesch eekelt mech metlerweil och un. Matt deem waat een liest,gesait an richt...... lossen gären denen aneren den Virtret...

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