Londoner Stadtteil Lambeth

28. Juli 2021 08:29; Akt: 28.07.2021 08:31 Print

Hunderte Heimkinder über Jahre missbraucht

Seit den 1960er Jahren waren in einem Londoner Stadtteil Hunderte Kinder Vergewaltigungen, sexuellem Missbrauch und Rassismus ausgesetzt, wie ein Bericht nun schildert.

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Die Kinder waren in Wohnheimen und bei Pflegeeltern einem Martyrium ausgesetzt: Die Brücke nach Lambeth. (Archivbild) (Bild: AFP/Tolga Akmen)

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Heim- und Pflegekinder in dem Londoner Stadtteil Lambeth sind jahrzehntelang Vergewaltigungen, sexuellem Missbrauch und Rassismus ausgesetzt gewesen. Ein am Dienstag veröffentlichter Untersuchungsbericht schildert das Martyrium von Hunderten Kindern seit den 1960er Jahren. Die in Wohnheimen und bei Pflegeeltern lebenden Minderjährigen wurden demnach von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern vergewaltigt, attackiert und missbraucht, die sich wegen einer «Kultur des Wegschauens» für «unangreifbar» hielten.

Die Unabhängige Untersuchung von sexuellem Missbrauch von Kindern (IICSA) ging Missbrauchsfällen in fünf Wohneinheiten über mehrere Jahrzehnte nach. Es handele sich um den schlimmsten von insgesamt 15 Berichten, die die IICSA in den vergangenen Jahren verfasst habe, sagte der Sekretär des Gremiums, John O’Brien. Frühere Untersuchungen betrafen unter anderem Missbrauch in der katholischen oder anglikanischen Kirche und im britischen Parlament.

Den Behörden in dem südlichen Londoner Stadtteil seien 705 Fälle von ehemaligen Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern bekannt, in denen es um Vergewaltigung und sexuelle Gewalt gehe. Die Dunkelziffer sei vermutlich deutlich höher.

«Kaltblütige Geringschätzung»

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten die Pflegekinder behandelt, «als wären sie wertlos», und ihnen gegenüber eine «kaltblütige Geringschätzung» an den Tag gelegt. Kindern, die von Misshandlungen berichtet hätten, sei nicht geglaubt worden. Nur in einem Fall seien personelle Konsequenzen gezogen worden. Viele Betroffene berichteten zudem, «Gewalt, Einschüchterung und Rassismus seien alltäglich» gewesen.

«Das ist der einzige Bericht, den ich regelmäßig zur Seite legen musste, weil die Beschreibungen einfach unerbittlich sind», sagte O’Brien.

Die Öffentlichkeit sei damals vor allem mit der Bekämpfung der britischen Zentralregierung unter Margaret Thatcher beschäftigt gewesen, statt sich um die sozialen Dienste zu kümmern, kritisiert der Bericht. Er empfiehlt polizeiliche Ermittlungen zu dem Fall eines 1977 gestorbenen Jungen, der sexuelle Gewalt von Seiten eines Betreuers gemeldet hatte.

(L'essentiel/AFP/chk)

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