Todesstau am Mount Everest

26. Mai 2019 14:06; Akt: 26.05.2019 14:11 Print

Ihr Herz hörte beim Abstieg auf zu schlagen

Zehn Menschen kamen in den letzten zwei Wochen beim Mount Everest ums Leben. Der Traum, den sie sich erfüllen wollten, endete tragisch.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der höchste Berg der Welt fordert einmal mehr seinen Tribut. Allein in den vergangenen eineinhalb Wochen kamen zehn Bergsteiger ums Leben. Seit Beginn der laufenden Klettersaison starben jenseits der 8000-Meter-Grenze 20 Menschen, wie Himalayan Times berichtet. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr gab es während der ganzen Saison fünf Todesfälle.

Robin Fisher

Der britische Bergsteiger Robin Fisher schaffte es trotz Stau auf den Gipfel des Mount Everests. Beim Abstieg, nur 150 Meter von der Bergspitze entfernt, brach der Brite allerdings zusammen und verstarb. Dies meldete seine Expeditionsleitung. «Unsere Führer versuchten zu helfen, aber er starb kurz darauf», sagte Murari Sharma von der Everest Parivar Expedition.

Auch die Freundin von Fisher, die während seines Aufstiegs im Basislager lebte, bestätigte den Tod des 44-Jährigen auf Facebook. Sie schreibt: «Er hat sein Ziel erreicht. Mein Herz ist gebrochen.

Es war seine ultimative Herausforderung.»

Kevin Hynes

Auch der Ire Kevin Hynes kam beim Abstieg des höchsten Bergs der Welt ums Leben. Hynes fühlte sich nicht wohl und brach den Aufstieg ab. Trotzdem verstarb der 56-Jährige in seinem Zelt auf 7000 Metern in den frühen Morgenstunden des Freitags.

In einer Erklärung bestätigte sein Kletterunternehmen: «Er war einer der stärksten und erfahrensten Kletterer in unserem Team.» In der Tat – im vergangenen Jahr erreichte Hynes den Gipfel des Mount Everest. Hynes hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

S. Lawless

Ein weiterer Ire gilt seit einer Woche als verschollen. Seamus Lawless (39) stürzte in die Tiefe, nachdem er seinen lebenslangen Traum, den Mount Everest zu besteigen, verwirklicht hatte. Eine Suchaktion wurde gestartet, um Lawless zu finden, aber die Mission musste wegen des schlechten Wetters abgesagt werden.

Lawless sammelte im Januar über eine Crowdfunding-Plattform Geld, um sich seinen Traum zu erfüllen. Er sammelte über 8000 Euro und informierte seine Fans über Twitter. Mittlerweile wurde eine weitere Aktion gestartet, um die Suche nach dem verunglückten Iren zu finanzieren. In sieben Tagen wurden knapp 270.000 Euro gesammelt.

Donald Cash

Auch ein US-Amerikaner kam bei seiner Klettertour ums Leben. Donald Lynn Cash (55) aus dem Bundesstaat Utah tat seine letzten Atemzüge unter dem Hillary Step. Der Hillary Step ist das letzte ernsthafte Hindernis auf dem Anstieg zum Mount Everest über die Standard-Südroute.

Cash wurde von zwei Sherpas zum Gipfel geführt. Wie die Seite Alanarnette.com schreibt, hörte Cash beim Abstieg auf zu atmen. Die Sherpas führten eine Herz-Lungen-Massage durch und konnten ihn wieder reanimieren. Doch wegen eines stundenlangen Staus von Kletterern hörte er erneut auf zu atmen.

Sein Sohn sprach mit dem lokalen TV-Sender KSL TV: «Die letzte Nachricht, die er mir geschickt hat, war: ‹Ich fühle mich so gesegnet, auf dem Berg zu sein, von dem ich die letzten 40 Jahre gelesen habe›.»

Ernst Landgraf

Ernst Landgraf gehörte zu einer Schweizer Reisegruppe. Der Österreicher stürzte wohl beim Abstieg vom Gipfel in einer Höhe von 8600 Metern ab. Der 65-jährige Baumeister aus Graz galt als leidenschaftlicher Bergsteiger. «Er war ein erfahrener Bergsteiger, körperlich fit», sagte der Bürgermeister seiner Heimatgemeinde gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Erst vor eineinhalb Jahren war er auf dem 4892 Meter hohen Mount Vinson in der Antarktis.

Dhurba Bista

Der nepalesische Bergführer Dhurba Bista (33) verlor beim Aufstieg seiner Gruppe das Bewusstsein. Er musste zum Basislager hinunter geflogen werden. Dort konnte man jedoch nur noch seinen Tod feststellen.

Ravi Thakar

Der 28-jährige Inder Ravi Thakar wurde am 17. Mai tot in seinem Zelt aufgefunden. Sein Team habe sich in dem auf 7920 Metern Höhe gelegenen Camp auf dem Abstieg nach einer erfolgreichen Gipfelbesteigung ausgeruht.

Nihal Bagwan

Ebenfalls tot im Zelt aufgefunden wurde Nihal Bagwan (27). Er verlor seine Kräfte kurz nach dem Erreichen des Gipfels. Vier Sherpas brachten ihn in ein tieferes Camp, wo er kurze Zeit später verstarb. Dies bestätigte Expeditionsleiter Babu Sherpa.

Anjali Kulkarni

Ein weiteres indisches Todesopfer ist die Bergsteigerin Anjali Kulkarni (54). Sie musste wegen des Staus sehr lange warten, bis sie den Gipfel besteigen und wieder umkehren konnte. Sie war zusammen mit ihrem Mann unterwegs.

Kalpana Dash

Kalpana Dash (52) arbeitete in Indien als Rechtsanwältin. Es war bereits ihr zweiter Aufstieg des Mount Everest. Zum ersten Mal erreichte sie die Spitze im Jahr 2008. Berichten zufolge hatte Kalpana Schwierigkeiten beim Gehen nach Erreichen des Gipfels und nahm die Hilfe von Sherpas in Anspruch, um den Abstieg zu schaffen, doch ihr Herz hörte auf zu schlagen.

Die Hochsaison bei der Besteigung des Mount Everest dauert von Ende April bis Ende Mai. In dieser Zeit sind die Wetterbedingungen auf dem höchsten Berg der Erde weniger lebensfeindlich.

(L'essentiel/fss)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.