Verletzt in der Wüste

01. Juni 2018 13:56; Akt: 01.06.2018 14:01 Print

Ihr Urin rettet Touristin das Leben

Eine Neuseeländerin wandert durch einen Nationalpark in Südkalifornien. Dann rutscht sie auf einem Felsen aus und verletzt sich schwer. Vier Tage lang muss sie ausharren.

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Als ihre Freunde in Südkalifornien sie fragen, ob sie bei ihnen zu Hause eine Weile auf die Katze aufpassen könnte, sagt Claire Nelson sofort zu. Die Wohnung liegt nahe dem Joshua Tree Park. Die 36-jährige Neuseeländerin war dort schon wandern und liebt die Wüstenlandschaft.

Keine Frage, dass sie eine weitere Tour plant. Früh am Morgen bricht sie auf. Gut ausgerüstet mit mehreren Litern Wasser, einem Wanderstock und Sonnenschutz tritt sie eine sechsstündige Wanderung an. «Ich hatte das Gefühl, genau jetzt hier sein zu wollen», beschrieb sie ihren Glückszustand der BBC.

Der rutschige Felsbrocken

Um 8.30 Uhr erklärt ihr ein Guide im Informationszentrum des Parks die Route – «auf einem schönen Weg». Nach etwas mehr als zwei Kilometern kann sie die nächste Markierung nicht finden und beschließt, eine Pause einzulegen.

Von einem großen Felsbrocken, die im Park zahlreich sind, versucht sie, den Weg zu erspähen. Als sie vom Stein aufsteht, passiert es: «Ich war ziemlich hoch oben und es war so rutschig, dass ich sofort hinuntergefallen bin», so Nelson. Den Fall habe sie wie in Zeitlupe wahrgenommen, habe aber nichts tun können. «Ich dachte die ganze Zeit: Nein, nein, nein.»

Gebrochenes Becken, blanke Angst

Beim Fall streifte sie einen Felsen, spürte ein Knacken, auf das starke Schmerzen folgten. Sie habe sofort gewusst: «Das ist übel.» Beim Aufprall war Nelsons Becken zerschmettert worden. Bewegen konnte sie sich nicht, ihr Telefon empfing kein Signal.

«Ich wandere oft allein und dachte, ich sei ziemlich vernünftig, aber dann dämmerte mir, wie dumm ich gewesen war», so die Neuseeländerin. Sie habe nicht glauben können, sich in einer solchen Situation wiederzufinden: «Allein da draußen, niemand wusste, dass ich dort war, ich hatte mich verletzt und keine Chance, jemanden zu kontaktieren – ein Moment blanker Angst.»

Urin schmeckte wie abgestandenes Bier

Nach der ersten Panik konzentrierte sie sich aufs Praktische. Nelson nahm ein Aspirin, das sie im Rucksack hatte, gegen die Schmerzen. Für mehr Schatten bastelte sie aus Stock und T-Shirt eine Art Sonnensegel – bei Temperaturen von bis zu 40 Grad.

Als ihr das Wasser am Tag darauf ausging, trank sie ihren eigenen Urin, um zu überleben. «Es schmeckte wie abgestandenes Bier – nicht angenehm, aber auch nicht schlimm», sagte sie zu «Stuff».

Videos gedreht und geschrien

Ihr Rufen habe niemand gehört. Während sie in der sengenden Hitze ausharrte, machte sie immer wieder kurze Videos, «für den Fall, dass mich jemand finden würde, um zu erklären, was passiert war».

Den Gedanken daran, dass ihre Lieben sie in der Wüste finden würden, habe sie nicht ertragen können.

Sie habe ihre Zeit aufgeteilt, sagte sie der BBC: Vormittags um Hilfe geschrien, nachmittags möglichst im Schatten einen Sonnenstich zu vermeiden versucht. Glücklicherweise begegneten ihr weder Klapperschlangen noch Kojoten.

Halluzinationen?

Vier Tage und drei Nächte war die 36-Jährige allein in der Wüste. Am vierten Tag hätten sie Hoffnung und Mut beinahe verlassen, sie sei immer wieder weggedöst. Dann hörte sie plötzlich einen Helikopter und dachte erst, sie halluziniere. «Ich hörte sie meinen Namen rufen.» Sie habe zurückgeschrien, mit ihrem Sonnensegel und letzter Energie gewinkt – mit Erfolg.

Nach einer Operation ist Nelson noch auf Schmerzmittel angewiesen, hat aber bereits mit Physiotherapie begonnen und sagt, dass sie wieder laufen lerne und es kaum erwarten könne, wieder unabhängig zu sein.

(L'essentiel/kko)

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