Youtube-Interview

15. Juli 2021 10:42; Akt: 15.07.2021 10:42 Print

Impfgegner Bhakdi äußerte sich antisemitisch

Der bei Corona-Skeptikern beliebte Sucharit Bhakdi hat sich auf Youtube antisemitisch geäußert und Israel als «lebende Hölle» bezeichnet. Jüdische Verbände sind empört.

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Sucharit Bhakdi hat mit antisemitischen Äußerungen auf Youtube für Empörung gesorgt. Der Professor für Mikrobiologie sagte unter anderem, dass das jüdische Volk «das Böse gelernt und umgesetzt» habe. (Bild: Screenshot Youtube/Kai Stuht - Project Fovea)

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Der Corona-Skeptiker Sucharit Bhakdi hat sich in einem Interview antisemitisch geäußert und unter anderem gesagt, dass der jüdische Staat schlimmer als Nazi-Deutschland sei. Das Gespräch, mit dem der Professor für Mikrobiologie führte, war Kai Stuht, ein Fotograf und Anhänger der Querdenker-Bewegung. Er stellte einen Trailer des anderthalbstündigen Interviews auf Youtube, der nicht nur auf Social Media viel Kritik entfachte.

Der bei Impfgegnern beliebte Bhakdi bezog sich bei seinen Aussagen auf die Impfpolitik Israels. «Es gibt kein Volk, das besser lernt als die Juden. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt und umgesetzt», sagte der in Thailand geborene Professor. «Und deswegen ist Israel jetzt living hell, die lebende Hölle.»

« Wir sind extrem betroffen »

Bhakdi veröffentlichte letztes Jahr gemeinsam mit seiner Ehefrau Karina Reiß das Buch «Corona Fehleralarm». Seine Aussagen haben den österreichischen Goldegg-Verlag, der Bhakdis Bücher veröffentlicht hat, unter Druck gesetzt.

Der Verlag löschte diverse Beiträge in sozialen Medien, die für die Bücher warben. «Wir sind extrem betroffen», sagte eine Sprecherin des Verlags gegenüber «T-Online». «Das ist für alle im Verlag nicht nachvollziehbar und überraschend und kann für den Verlag sehr imageschädigend sein.»

Der Verlag habe sich nun «energisch von jeder Form des Antisemitismus» distanziert, schreibt «T-Online». «Bevor wir jetzt mögliche weitere Konsequenzen ziehen, verlangt die Fairness, dass wir dazu mit Herrn Bhakdi sprechen», sagte die Sprecherin weiter. Man habe ihn kontaktiert und wartet nun, bis er sich melde.

Bhakdi macht Opfer zu Täter

Auf Twitter äußerte sich auch das Jüdische Forum. Bhakti stelle die Judenvernichtung im Holocaust als weniger schlimm dar als die Impfpolitik Israels, schreibt der Verein, der sich seit 2012 gegen Antisemitismus und Rassismus einsetzt. So mache er die Holocaust-Überlebenden zu Tätern. Er setze das Judentum mit Israel gleich und mache jüdische Menschen so kollektiv für das Verhalten des Staates verantwortlich. Auch das sei ein Beispiel für Antisemitismus, so das Jüdische Forum.

Bhakdis Aussagen könnten in mehreren Fällen den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen, schreibt das Jüdische Forum weiter. Die jüdische Nichtregierungsorganisation «WerteInitiative», die sich gegen Diskriminierung, Rassismus, Extremismus und Antisemitismus einsetzt, habe deshalb Anzeige erstattet. «Das ist reinster Antisemitismus!», twittert die Organisation. «Ein Cocktail aus israelbezogenem Antisemitismus, Relativierung der Nazizeit und schlichtweg tendenziösen Falschaussagen.»

Unis distanzieren sich von Bhakdi

Bhakdi sorgte bereits 2020 für Wirbel, als er in einem offenen Brief Antworten von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur «Corona-Diktatur» in Deutschland forderte. Er kandidierte zudem für die Partei «Die Basis», die das Coronavirus verharmlost. Die Partei reagierte auf die Kritik an Bhaktis Äußerungen mit Unverständnis: Der Antisemitismus-Vorwurf sei «bösartig» und diene bloß der «Herabwürdigung seiner Person».

Bhakdi war als Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz tätig. Sie distanzierte sich im Oktober 2020 von Bhakdi und bezeichnete seine Positionen als «irreführend bis falsch». Bhakdi war von 2016 bis 2020 zudem an Forschungsprojekten an der Medizinischen Fakultät der Kieler Universität beteiligt. Die Uni löste den Vertrag mit Bhakdi Ende 2020 auf.

(L'essentiel/Marcel Urech)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Komesch a schued am 15.07.2021 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Därf een iwerhapt nach eppes géint dee Staat soen ouni direkt als Antisemit dozestoen? Ech fannen et schlëmm dass nom 2. Weltkrich an die 76 Joer Daueropklärung déi gefolgt sinn iwer eng Staatspolitik déi hier Bevölkerung an 2 gespléckt huet a verfollegt huet, net méi Leit d'Parallele mam heutegen Diskurs vun eise Politiker gesinn. Nie méi Tyrannei, nie méi Dokteren déi Tester machen ouni den Accord vun de Betraffenen oder ee Staat deen sech iwert d'Rechter vun der Bevölkerung setzt. Wann ee kuckt wou mer dru sinn muss ech leider feststellen dass déi Opklärung net vill bruecht huet.

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  • Kopfmalgutdurchlüften am 15.07.2021 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hat der Verschwörungstheoretiker sich jetzt auch noch von einer anderen Ideologie anstecken lassen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Komesch a schued am 15.07.2021 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Därf een iwerhapt nach eppes géint dee Staat soen ouni direkt als Antisemit dozestoen? Ech fannen et schlëmm dass nom 2. Weltkrich an die 76 Joer Daueropklärung déi gefolgt sinn iwer eng Staatspolitik déi hier Bevölkerung an 2 gespléckt huet a verfollegt huet, net méi Leit d'Parallele mam heutegen Diskurs vun eise Politiker gesinn. Nie méi Tyrannei, nie méi Dokteren déi Tester machen ouni den Accord vun de Betraffenen oder ee Staat deen sech iwert d'Rechter vun der Bevölkerung setzt. Wann ee kuckt wou mer dru sinn muss ech leider feststellen dass déi Opklärung net vill bruecht huet.

    • packtiech am 15.07.2021 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      Tjo sie ,mache matt eis waat se wëllen mais brav Schoof si jo nach d'accord domadder!

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  • Kopfmalgutdurchlüften am 15.07.2021 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hat der Verschwörungstheoretiker sich jetzt auch noch von einer anderen Ideologie anstecken lassen?