Leck an Bord

05. September 2018 19:40; Akt: 05.09.2018 19:41 Print

Ist ein psychisch gestörter Astronaut auf der ISS?

Das Loch in der Internationalen Raumstation ISS ist gestopft. Doch vom Tisch ist der Vorfall damit noch nicht. Ein Ex-Kosmonaut vermutet Sabotage.

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Russland hat damit begonnen, nach den Ursachen für das winzige Sauerstoffleck an einer an der ISS angedockten Sojus-Kapsel zu forschen. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos prüfe eine Beschädigung der Sojus-Kapsel auf der Erde, erklärte ihr Chef Dmitri Rogosin am Dienstag. «Aber es gibt auch eine andere Version, die wir nicht ausschließen: eine absichtliche Störung im Weltall», fügte er hinzu.

Laut Rogosin wurden «mehrere Versuche» festgestellt, ein Loch in die Sojus zu bohren. Diese seien mit «zögerlicher Hand» ausgeführt worden. Nun stelle sich die Frage: «Um was handelt es sich: Um einen Herstellungsfehler oder um einen vorsätzlichen Akt?»

Raumstationskoller?

Ein winziger Riss in der Sojus-Kapsel hatte am Donnerstag ein Sauerstoffleck und einen Druckabfall in der ISS verursacht. Die Besatzung geriet dadurch nicht in Gefahr. Die Astronauten verschlossen den Riss mit Klebeband. Rogosin hatte zunächst erklärt, der Riss sei vermutlich durch einen winzigen Meteoriten verursacht worden. Diese Erklärung werde mittlerweile ausgeschlossen, teilte der Roskosmos-Direktor mit.

Duma-Mitglied und Ex-Kosmonaut maximal Surajew deutete an, dass ein psychisch gestörter Astronaut das Leck gebohrt haben könnte, um einen früheren Rückflug zu erzwingen. «Wir sind alle Menschen und jeder könnte nach Hause wollen», sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Besatzungsmitglied «diese seltsame Nummer abgezogen hat».

Hoffen auf Produktionsfehler

Surajew, Mitglied von Präsident Wladimir Putins regierender Partei Einiges Russland, sagte, er hoffe darauf, dass es sich um einen Produktionsfehler handle, «obwohl das auch sehr traurig ist – so etwas gab es in der Geschichte der Sojus-Raumfähren noch nicht».

Eine Quelle aus der Raumfahrtindustrie sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass, dass die Raumfähre während der Testphase auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan beschädigt worden sein könnte.

RIA Nowosti berichtete unter Berufung auf Kreise in der russischen Raumfahrtbranche, eine russische Kommission solle nun die Verantwortlichen für das Leck identifizieren. Außerdem würden alle russischen Raumfähren vom Typ Sojus und Progress überprüft.

Aktuelle Besatzung äußert sich nicht

Auf der ISS arbeiten Russland und die USA trotz zahlreicher diplomatischer Spannungen zusammen. Die Besatzung besteht derzeit aus sechs Astronauten – drei aus den USA, zwei aus Russland und Alexander Gerst aus Deutschland. Er soll bis im Dezember auf der Station bleiben und im Oktober als erster Deutscher das Kommando auf der ISS übernehmen.

Auf das Leck an Bord der ISS angesprochen, sagte Gerst an Bord der ISS am Dienstag während eines Live-Gesprächs mit Kindern in Berlin, es habe einen Vorfall gegeben. Zu den Gründen sagte er allerdings nichts.

(L'essentiel/fee/afp)

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