Zweifel werden laut

22. März 2019 07:28; Akt: 22.03.2019 07:35 Print

Ist Jack the Ripper wirklich identifiziert?

Britische Forscher wollen nach mehr als 100 Jahren geklärt haben, wer Jack the Ripper war. Doch es werden immer mehr Zweifel laut.

So wurde 2014 über die Ergebnisse berichtet. (Video: Reuters)

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Jack the Ripper (siehe Box) war ein polnischer, psychisch kranker Frisör und hieß mit richtigem Namen Aaron Kosminski. Diese Meldung sorgte im Jahr 2014 weltweit für Aufsehen.

Aufgestellt hatten die Theorie der Autor und Detektiv Russel Edwards und der Molekularbiologe Jari Louhelainen von der Liverpool John Moores University. Sie hatten den Schal von einem der Opfer – Catherine Eddowes – analysiert.

Die Ergebnisse veröffentlichten sie damals nicht, wie Forscher es normalerweise tun, in einem Fachjournal, sondern in einem Buch und der Daily Mail.

Studie bestätigt Erkenntnis von damals

Heute, fünf Jahre später, hat es die Theorie doch noch in ein Fachmagazin geschafft. Ins Journal of Forensic Sciences gebracht wurde sie von Louhelainen gemeinsam mit seinem Kollegen David Miller von der University of Leeds.

Darin bestätigen sie das damalige Ergebnis, wonach die DNA-Spuren auf besagtem Schal tatsächlich mit den DNA-Abschnitten einer Nachfahrin Kosminskis übereinstimmen. Wirklich aufgeklärt ist der Fall damit jedoch noch nicht, wie die Reaktionen einiger Forscher zeigen.

Nonsens und ein Beispiel für schlechte Wissenschaft

So meldete sich etwa der britische Genetiker Adam Rutherford ausführlich auf Twitter zu Wort (den ganzen Thread finden Sie hier). Damals wie heute habe er Zweifel an der Darstellung seiner Kollegen, deren Studie er nicht nur als Nonsens, sondern auch als Beispiel für schlechte Wissenschaft bezeichnet.

Doch Rutherford urteilt nicht nur, er führt auch Gründe auf: Einerseits sei gar nicht klar, ob Eddowes den Schal zum Zeitpunkt des Mordes überhaupt getragen habe. Andererseits gebe es Bilder, die zeigten, wie Leute mit dem Halstuch posierten – auch Angehörige des Opfers.

Zudem habe Russel Edwards ihm gegenüber schon damals zugegeben, dass die Beweise vor Gericht nicht standhalten würden.

«Studie hat mehr Lücken als Schweizer Käse»

Noch härter geht die Genetikerin Turi King von der University of Leicester mit der Jack-the-Ripper-Studie ins Gericht. Ihr zufolge hätte diese nicht veröffentlicht werden dürfen, unter anderem weil sie mehr Lücken aufweise als Schweizer Käse.

Auch Walther Parson, Molekularbiologe und Gerichtsmediziner von der Universität Innsbruck, äußert sich gegenüber Science Magazine kritisch. Er moniert, dass die DNA-Sequenzen im Fachartikel nicht detailliert aufgeführt würden, wodurch es unmöglich werde, die Resultate nachzuvollziehen und zu überprüfen.

(L'essentiel/fee)

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