Schütze von Annapolis

29. Juni 2018 08:13; Akt: 29.06.2018 11:25 Print

Jarrod Ramos «hatte eine alte Rechnung offen»

Er ist 38 Jahre alt, hat einen Abschluss in Computertechnik und klagte gegen die Lokalzeitung. Mussten die fünf Menschen wegen einer Kolumne sterben?

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Bei einem gezielten Angriff auf eine Lokalredaktion im US-Bundesstaat Maryland hat ein Mann mindestens fünf Menschen getötet. Der mutmaßliche Täter drang am Donnerstag in die Redaktion der kleinen Lokalzeitung «Capital Gazette» in der US-Stadt Annapolis ein und erschoss fünf Menschen. Zwei weitere wurden verletzt, vermutlich durch umherfliegende Glassplitter. Der Mann wurde laut Polizei festgenommen.

Nach Berichten mehrerer US-Medien handelt es sich um den 38 Jahre alten Jarrod W. Ramos aus Laurel, Maryland. 2012 arbeitete Ramos noch für das Bundesamt für Erwerbsstatistik. Er soll einen Abschluss in Computertechnik haben. Laut «New York Times» befindet er sich seit mehreren Jahren in einem Rechtsstreit mit der Zeitung «Capital Gazette».

«Los, erhäng dich»

Angefangen hat alles im Jahr 2009, als Ramos eine ehemalige Mitschülerin wieder traf. Er suchte per Mail den Kontakt zu ihr. Kurz darauf verwandelten sich die Annäherungsversuche in hasserfüllte Nachrichten.

Die Frau ging wegen Belästigung vor Gericht. Sie sagte dem Richter: «Er schien zu glauben, wir wären in einer Art Beziehung, die aber nicht existierte.» Sie habe versucht, Abstand von Ramos zu nehmen. «Er wurde wütend und beleidigend, bis ich ihn schließlich stoppen musste.» Sie habe ihm gesagt, er solle sie nicht mehr kontaktieren.

Daraufhin schrieb Ramos ihr ein Mail mit dem Satz: «Los, erhäng dich.» Das war im Jahr 2010, wie die «New York Times» schreibt.

Klage wegen Kolumne in Lokalzeitung

Das Gericht verurteilte Jarrod W. Ramos schließlich zu 90 Tagen Haft auf Bewährung. Zudem durfte er keinen Kontakt mit der Klägerin mehr aufnehmen und musste sich in Therapie begeben.

Kurz darauf publizierte die Lokalzeitung «Capital Gazette» eine Kolumne über den Belästigungsvorwurf, die Ramos gegen das Medium aufbrachte.

2012 reichte Ramos Klage gegen die Besitzer der Zeitung ein. Er beschuldigte sie, ihn verleumdet zu haben, da sie berichteten, Ramos habe sich der Belästigung schuldig bekennt. Im Jahr darauf wies das Gericht die Klage ab: Ramos habe nicht ausreichend darlegen können, inwiefern er durch den Zeitungsartikel verletzt worden sei.

«Das ist einer, der uns erschießen würde»

Der 38-Jährige zog die Klage vors Berufungsgericht, wurde 2015 aber auch dort abgewiesen. Das Gericht sagte, er habe kaum Wissen über das geltende Recht bei Persönlichkeitsverletzungen und schien «seine Lektion nicht gelernt zu haben».

Tom Marquardt, ehemaliger Verleger von «Capital Gazette», sagte nach der Schießerei am Donnerstag zur «New York Times», er habe schon lange befürchtet, dass Ramos gewalttätig gegenüber der Zeitung werden würde. «Ich sagte mal zu meinen Anwälten, dass das einer sei, der kommen und uns erschießen würde», sagt Marquardt. Er sei besorgt gewesen, für sich selbst und für die Redaktion, dass Ramos einmal mehr als die rechtlichen Mittel gebrauchen würde.

Eine gezielte, besonders akribisch geplante Tat

Die Polizei von Annapolis weiß über die vergangenen Ereignisse zwischen Jarrod W. Ramos und der Lokalzeitung bescheid. Polizeisprecher Ryan Frashure sagte am Donnerstag: «Das war ganz offensichtlich jemand, der eine alte Rechnung mit der Zeitung offen hatte.» Es sei eine gezielte, wenngleich nicht besonders akribisch geplante Tat gewesen.

Genaueres muss die Polizei nun ermitteln. Der Tatverdächtige wurde unmittelbar nach dem Geschehen stundenlang verhört. Er sei nur bedingt kooperativ, hieß es von der Polizei. Seine Wohnung sei durchsucht werden. «Die Ermittlungen sind das, was nun am längsten dauern wird», sagte Polizeichef Bill Krampf.

(L'essentiel/sil/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kaa am 29.06.2018 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ Trimi. Genau sou ass et, leider.

  • Sonja am 01.07.2018 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Tragedy Rest in Peace, Rob Hiaasen, Gerald Fischman, John McNamara, Wendi Winters and Rebecca Smith

  • Trimi am 29.06.2018 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Esou lang wei dir iech drunhalt emmer an emmer dei Nim amplatz dei vun den Opfer ze nennen get et och net besser.Reischt wann een keng medial Opmirksamkeet mei huet wärt esou een kretineierten Blödsinn net mei virkommen

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  • Sonja am 01.07.2018 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Tragedy Rest in Peace, Rob Hiaasen, Gerald Fischman, John McNamara, Wendi Winters and Rebecca Smith

  • kaa am 29.06.2018 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @ Trimi. Genau sou ass et, leider.

  • Trimi am 29.06.2018 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Esou lang wei dir iech drunhalt emmer an emmer dei Nim amplatz dei vun den Opfer ze nennen get et och net besser.Reischt wann een keng medial Opmirksamkeet mei huet wärt esou een kretineierten Blödsinn net mei virkommen