Vermisste Achtjährige

12. Oktober 2021 21:17; Akt: 12.10.2021 21:21 Print

Julia war entkräftet und unterkühlt

Glückliches Ende der Suche nach der acht Jahre alten Julia: Ein Förster fand das Mädchen im Wald – geschwächt und unterkühlt.

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Martin Semecký ist immer noch erschüttert, «aber glücklich», wie er selber sagt. Der tschechische Förster hatte am Dienstagnachmittag gegen 13.35 Uhr die vermisste Julia in einem Gebüsch im Böhmerwald zwischen Deutschland und Tschechien entdeckt. «Ich war mit anderen Kollegen, wir fanden sie mitten im Wald», schilderte Semecký mit zitternder Stimme gegenüber dem Nachrichtenportal Idnes. Es sei eine erfreuliche Nachricht, auf die alle seit drei Tagen gewartet hätten, so der Förster.

Als Semecký Julia entdeckte, habe sie nicht einmal genug Kräfte gehabt, um auf sich aufmerksam zu machen. Das Kind war zu diesem Zeitpunkt stark geschwächt und unterkühlt, aber bei Bewusstsein. Sie saß in einem Unterschlupf, in der Nähe eine Bank, einige Hinweisschilder. Das Mädchen wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht.

«Das Kind hat mit Sicherheit posttraumatischen Stress erlitten»

Julia befand sich dreieinhalb Kilometer von dem Ort entfernt, wo ihre Eltern sie zum letzten Mal gesehen hatten. «Die Auffindeörtlichkeit lag in entgegengesetzter Richtung zum Ort ihres Verschwindens», erläuterte ein Polizeisprecher. Die Behörden gehen davon aus, dass die Achtjährige immer wieder in Bewegung war und dabei mehrere Kilometer zu Fuß im Wald zurücklegte.

Die Eltern hatten das Mädchen, den sechsjährigen Bruder und einen neunjährigen Cousin unterhalb des Berges Cerchov aus den Augen verloren und die Rettungskräfte gerufen. Diese fanden zunächst nur den Bruder und den Cousin. Warum die Kinder sich getrennt hatten, dazu wollte die Polizei nichts sagen. Es wird spekuliert, dass die Familie ein Orientierungsspiel gespielt habe. Die Kinder seien kurz danach in Streit geraten.

Wo sich Julia jetzt befindet, wird nicht bekannt gegeben. Es sei wichtig, Medien fernzuhalten, damit sich die Familie erholen könne, schreiben tschechische Medien. «Das Kind hat mit Sicherheit posttraumatischen Stress erlitten. Dieser resultiert aus Gefühlen von Angst, Verlassenheit, Hilflosigkeit und Schock. Jetzt braucht es ein ruhiges Ambiente und ein Gefühl von Geborgenheit», erklärt Kinderpsychologin Martina Rezková.

Die Eltern haben «möglicherweise ein schlechtes Gewissen»

Die Familie brauche die Hilfe eines Psychotherapeuten, der in Krisensituationen arbeitet und ihnen hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Wie lange eine solche Therapie nötig ist, kann Psychologin Rezková nicht sagen. Kinder entwickeln Abwehrmechanismen, und manchmal schützen sie sich, indem sie Erfahrungen verdrängen. Sie wollen überhaupt nicht darüber sprechen. Andere erleben Angstzustände, sind weinerlich. Jedes Kind erlebt es anders», so Rezková.

Für die Kinder-Expertin sei das Beste, «wenn die Erfahrungen herauskommen, wenn das Kind weint. Albträume können kommen, aber all das ist ein Zeichen dafür, dass der Schock verarbeitet wird», erklärte Rezkova. Parallel müssten die Eltern ihre Gefühle verarbeiten. «Sie stehen sicher auch noch unter Schock und haben möglicherweise ein schlechtes Gewissen.»

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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