Nigeria

17. September 2020 21:36; Akt: 17.09.2020 21:35 Print

Junge muss ins Gefängnis, weil er Allah beleidigte

In Nigeria ist ein 13-Jähriger zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, weil er im Streit mit einem Freund Allah beleidigt haben soll. UNICEF kritisiert das Urteil.

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Ein Streit mit einem Freund wurde Omar Farouq zum Verhängnis: In der Hitze des Gefechts soll der 13-jährige Nigerianer Allah beleidigt haben. Dafür wurde er nun von einem Scharia-Gericht in Nigeria wegen Blasphemie zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Vorfall ereignete sich im Bundesstaat Kano, der mehrheitlich muslimisch geprägt ist. In Kano gilt nebst dem säkularen nigerianischen Gesetz auch die islamische Rechtsprechung der Scharia.

«Verstoß gegen Verfassung»

Das gleiche Scharia-Gericht hatte kürzlich eine Frau, ebenfalls wegen Blasphemie, zu Tode verurteilt. Farouq bekam die gleiche Strafe, die auch ein Erwachsener erhalten hätte. Denn nach Ansicht des Gerichts habe er mit der Pubertät die volle Verantwortung für sein Handeln erreicht. So sehe das Islamische Recht, die Scharia, dies vor.

Anders sieht das Farouqs Anwalt. Seine Verurteilung verstoße gegen die Afrikanische Charta der Menschenrechte, zu der sich ausnahmslos alle afrikanischen Staaten seit 1986 verpflichten. Darüber hinaus sei das Urteil noch nicht einmal mit der nigerianischen Verfassung in Einklang. «Blasphemie ist nicht Bestandteil des nigerianischen Rechts und ist mit Nigerias Verfassung nicht vereinbar», so der Anwalt gegenüber CNN.

Von Mob verfolgt

Der Anwalt hat Berufung eingelegt. Weder er noch andere Rechtsgelehrte hätten bisher mit Farouq sprechen können, sagt der Anwalt zu CNN. Nach seinen ist Farouqs Mutter in eine benachbarte Stadt geflohen, nachdem sie von einem wütenden Mob verfolgt worden war.

Das Kinderhilfswerk der UNO, das UNICEF, hat die Verurteilung kritisiert. «Das Urteil ist falsch. Es unterläuft alle Prinzipien von Kinderrechten und Kinderschutz, zu der sich Nigeria verpflichtet», sagt Peter Hawkins, UNICEF-Delegierter in Nigeria. Das Hilfswerk hat die nigerianische Regierung aufgefordert, den Fall neu zu prüfen und das Urteil zu kippen.

(L'essentiel/Reto Heimann)

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