Folge der Marihuana-Legalisierung

23. August 2016 16:22; Akt: 23.08.2016 16:25 Print

Kartelle überschwemmen USA mit Billig-​​Heroin

Harte Drogen überschwemmen die USA. Dafür ist auch das legale Marihuana mitverantwortlich. Denn Mexikos Kartelle verlieren Umsatz und finden ein neues Geschäft.

Am 18. Februar 2016 erlitt Michael Meeney in einem Bus in Pennsylvania eine Heroin-Überdosis. Er konnte mit dem Gegenmittel Narcan gerettet werden. (Quelle: Twitter/Upper Darby Police via Storyful)

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Die USA werden von einer beispiellosen Welle von Heroin und noch härteren Drogen überschwemmt. Auf der Suche nach den Gründen für die Epidemie konzentrierten sich Forscher bisher auf die Nachfrageseite. Wie ein Kenner der mexikanischen Drogenkartelle im Magazin «Esquire» schreibt, gibt es aber eine viel weniger häufig erwähnte Ursache: Die Suche der von Umsatzeinbrüchen betroffenen Drogenbarone nach einem Ersatz-Geschäft für Marihuana.

«Die Legalisierung von Hasch zerstörte die Profite der mexikanischen Kartelle», schreibt Don Winslow in seinem langen Artikel mit dem übersetzten Titel «El Chapo und die geheime Geschichte der Heroinkrise». Laut dem Autor mehrerer Bücher und Romane über Drogen gingen den Kartellen in nur einem Jahr 40 Prozent der Marihuana-Verkäufe verloren. «Mexikanisches Marihuana wurde ein fast wertloses Produkt. Man hat aufgehört, es anzubauen: Einst riesige Felder in Durango liegen heute brach.»

Heimisches Marihuana besser

Hintergrund der Flaute ist die Legalisierung von Marihuana zum Privatgebrauch in Colorado und Washington State. Hinzu kam in den letzten Jahren das grüne Licht für den medizinischen Konsum von Haschisch in Kalifornien und einer wachsenden Reihe weiterer US-Gliedstaaten. Der Legalisierungstrend führte dazu, dass eine heimische Marihuana-Industrie entstand, die bessere Produkte mit weniger Transportrisiken auf den Markt brachte.

Joaquin «El Chapo» Guzmán, der lange Zeit dominierende Chef des Sinaloa-Kartells, und seine Boys seien Geschäftsleute, schreibt Winslow. «Sie nehmen keinen Rückgang von 40 Prozent hin, ohne etwas dagegen zu tun.» Auf der Suche nach Kompensation für verlorene Profite wurde Guzmán bei den weit verbreiteten, oft missbrauchten Schmerzmitteln auf Opioid-Basis fündig. Die Mexikaner entschlossen sich, den Markt dieser Medikamente mit Namen wie OxyContin mit billigem Heroin zu überschwemmen.

Wachsende Mengen, fallende Preise

Laut Winslow nahm die Produktion von mexikanischem Heroin in den letzten Jahren um 70 Prozent zu. Auch dessen Reinheitsgrad sei erhöht worden: Statt des früher exportierten Heroins von 46 Prozent Reinheit handle es sich jetzt um ein zu 90 Prozent reines Drogenkonzentrat. Gleichzeit sank der Preis. Noch vor wenigen Jahren habe ein Kilogramm Heroin in New York City 200.000 Dollar gekostet. Inzwischen sei es für 50.000 Dollar zu haben.

Das traurige Resultat der Schwemme: Todesfälle durch Überdosis nehmen dramatisch zu. Von 2000 bis 2014 verdoppelte sich ihre Zahl auf 47.500 und ist weit größer als die Zahl der Verkehrstoten. Wie Winslow errechnet, sterben in den USA jeden Tag 125 Menschen durch eine Überdosis Drogen, mehr als fünf pro Stunde.

Und jetzt noch Fentanyl

Nach 2014 verschlimmerte sich der Trend mit dem Aufkommen von Fentanyl. Dieses synthetische Opiat, dem nach neusten Erkenntnissen auch der Popstar Prince zum Opfer fiel, wird seit 2014 zunehmend dem Heroin beigemischt. Laut einer Studie der US-Drogenbehörde (Drug Enforcement Agency, DEA) stieg die Menge von beschlagnahmtem Fentanyl sprunghaft in die Höhe:

Stammte Fentanyl ursprünglich vor allem aus China, wird es heute oft von den mexikanischen Drogenhändlern selbst hergestellt. Der in New York für die DEA tätige Special Agent James Hunt sagte dem «Wall Street Journal»: «Die Zunahme ist markant. Vor ein paar Jahren fanden wir noch vereinzelte Fälle von Fentanyl. Heute stellen wir fest, dass mexikanische Schmuggler Fentanyl mit Ladungen von Heroin versenden.»

(L'essentiel/sut)

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