Neben Deponie untergebracht

18. April 2019 08:04; Akt: 18.04.2019 08:21 Print

Kinder «werden gemieden, weil sie stinken»

Die Asylunterkunft in der Schweizer Gemeinde Tägerwilen steht direkt neben einer Kompostieranlage. Wegen Geruch und Symbolik wird nun ein neuer Standort gefordert.

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Blick auf Tägerwilen gegen Norden (Bild: Joachim Kohler, CC BY-SA 4.0)

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«Es ist ein unwürdiger Zustand», wettert Schullehrerin Simone Vogel-Kappeler gegenüber dem Nachrichten-Portal Top Online. Sie arbeitet mit Flüchtlingen und hat einen Vorstoß lanciert, in dem ein neuer Standort für die Flüchtlingsunterkunft in der Schweizer Gemeinde Tägerwilen gefordert wird.

Das bisherige Problem: Der Flüchtlingscontainer steht direkt neben einer Kompostieranlage. Nicht nur der Gestank sei der Grund für den Vorstoß, es gehe auch um die Symbolik: «Tägerwilen entsorgt hier seinen organischen Abfall und die Geflüchteten», meint Vogel-Kappeler. Das gebe den Flüchtlingen das Gefühl, dass sie nichts wert seien und deshalb am Rand des Dorfes leben müssen und dort einfach «deponiert» werden.

«Geruchsimmissionen vertretbar»

Die Gemeinde wurde nun im Vorstoß, den laut der Thurgauer Zeitung 217 Leute unterschrieben haben, dazu aufgefordert, diese Situation zu ändern. Der Gemeinderat sieht aber keinen Handlungsbedarf: «Es gibt manchmal Tage, an denen gewisse Geruchsimmissionen vorhanden sind, aber das ist unserer Meinung nach absolut vertretbar», sagt Gemeindepräsident Markus Thalmann zu Top Online.

Vogel-Kappeler räumt ein, dass es nicht immer stinke, aber wenn, dann stinke es bestialisch. «Ich habe gehört, dass die Kinder in manchen Klassen nicht mehr neben die Schulkameraden sitzen möchten, weil deren Kleider so stinken», sagt Vogel-Kappeler. Der Gemeindepräsident widerspricht: Wenn jemand stinke, liege das nicht an der Kompostieranlage, sondern viel mehr daran, dass er zu wenig dusche.

«Flüchtlingen geht es hier ganz gut»

Wie Top Online berichtet, schreibe der Gemeinderat in der Antwort auf den Vorstoß außerdem, dass sich die Flüchtlinge, die schnell ihre Unterkunft baldmöglichst verlassen wollen, sich mehr für ihre Integration einsetzen würden. Das sei doch positiv.

Dieses Argument bezeichnet Vogel-Kappeler als absolut zynisch. Zuletzt sagt Thalmann im Interview mit Top Online, dass es den Flüchtlingen in ihrer momentanen Unterkunft an nichts fehle: «In meinen Augen geht es den Flüchtlingen hier ganz gut.» Neben Einzelzimmern gebe es Fernseher, Internet und Telefone.

(L'essentiel/mwa)

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