Panik in Pakistan

26. Mai 2019 21:55; Akt: 26.05.2019 22:00 Print

Kinderarzt infiziert 537 Kinder mit HIV

In Süd-Pakistan ist eine HIV-Epidemie ausgebrochen. Verantwortlich dafür ist ein Kinderarzt, der offenbar infizierte Spritznadeln mehrfach verwendete.

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Im Süden Pakistans haben sich bereits fast 700 Menschen mutmaßlich durch verschmutzte Spritzen mit dem Aids-Virus infiziert. Bis Samstag seien in der Stadt Rato Dero und Umgebung 681 Menschen HIV-positiv getestet worden, darunter 537 Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren, sagte ein Regierungsvertreter am Sonntag bei einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz.

Ein Kinderarzt soll für die massenhaften Aids-Infektionen verantwortlich sein. Ursache seien vermutlich mehrfach verwendete Spritzen, sagte Regierungsvertreter Zafar Mirza. Er kündigte «drastische Maßnahmen» der Regierung gegen die Weiterverbreitung des Virus an, sollte sich die Vermutung bestätigen.

Kinderarzt ist selber krank

Muzaffar Ghanghro, der Kinderarzt, den die Behörden für den Ausbruch in der Provinz Sindh verantwortlich machen, ist selbst HIV-positiv. Er bestreitet, seine Patienten wissentlich infiziert zu haben. Die Behörden beschuldigen ihnen jedoch, nicht genug Sicherheitsmaßnahmen getroffen zu haben, um die Ansteckung mit dem Virus zu verhindern, wie das Portal Samaa berichtet. Inzwischen sitzt Ghanghro in der Stadt Rato Dero in Untersuchungshaft.

In vielen Familien der armen Region herrscht Panik: Sie wissen nur wenig über das Aids-Virus und mögliche Therapien, zudem fehlt ihnen das Geld für Medikamente. Nisar Ahmed weiß seit drei Tagen, dass seine einjährige Tochter HIV-positiv ist. Jetzt braucht er Medikamente, die das Virus in Schach halten. «Verflucht sei der Arzt, der all diese Kinder infiziert hat», schimpft er.

Auch Imam Zadi steht mit fünf ihrer Kinder in der Schlange vor einer improvisierten Klinik. Sie will sie untersuchen lassen, nachdem sie erfahren hat, dass ihr Enkel infiziert wurde. «Die ganze Familie ist in Aufruhr», sagt sie.

«Wer wird jetzt noch mit ihr spielen?», fragt eine andere Mutter unter Tränen. Gerade hat sie erfahren, dass ihre vierjährige Tochter infiziert ist. «Und wer wird sie später heiraten?»

Seit 2017 breitet sich HIV rasant aus

Lange war HIV kein Problem in Pakistan. Doch inzwischen verbreitet sich das Virus rasend schnell – vor allem unter Drogenabhängigen und Prostituierten. 2017 wurden landesweit 20.000 neue Infektionen registriert. Damit hat Pakistan nach Angaben der UNO die zweitgrößte Zuwachsrate in Asien.

Das schlechte Gesundheitssystem verschärft die Situation. Gerade auf dem Land bleibt den Menschen oft nichts anderes, als sich an unqualifizierte Heiler zu wenden. «Laut Regierungsberichten praktizieren etwa 600.000 Quacksalber im ganzen Land, etwa 270.000 von ihnen in der Provinz Sindh», heißt es in einer Erklärung der UN-Organisation Unaids.

«Um Geld zu sparen, benutzen diese Kurpfuscher dieselbe Spritze bei mehreren Patienten. Das könnte die Hauptursache für die vielen HIV-Fälle sein», sagt Sikandar Memon, der das Anti-Aids-Programm in der Provinz Sindh leitet. «Weit verbreitetes Fehlverhalten von Medizinern, ohne wirksame Kontrollen, haben in Pakistan schon wiederholt zu Ausbrüchen geführt», sagt Bushra Jamil, die Expertin für Infektionskrankheiten an der Aga Khan Universität in Karachi.

Dass der mutmaßlich Verantwortliche hinter Gittern sitzt, hilft den Betroffenen wenig. Sie brauchen dringend Aufklärung und Medikamente. «Wir sind hilflos. Ich habe noch weitere Kinder - und Angst, dass sie sich anstecken», sagt eine Mutter, deren Tochter vor Kurzem positiv getestet wurde. «Bitte, schicken Sie mir Medikamente, damit sie geheilt werden kann. Ansonsten sterben alle unsere Kinder, oder?»

(L'essentiel/kle/afp)

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