Vulkanausbruch

30. September 2021 07:14; Akt: 30.09.2021 07:27 Print

Lava bringt das Meer vor La Palma zum Kochen

Schaurig-schöne Bilder gehen um die Welt: Bis zu 1000 Grad heiße Lava stürzt auf der Vulkaninsel La Palma ins Meer. Aus dem brodelnden Wasser steigen giftige Dämpfe auf.

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Am elften Tag des Vulkanausbruchs auf La Palma war es soweit: Der glühend heiße Lavastrom erreichte die Westküste der kleinen Kanareninsel und stürzt seither über eine gut 100 Meter hohe Steilküste in den Atlantik. Behörden warnten vor gefährlichen Dämpfen. «Die Lava hat das Meer erreicht», twitterte das Spanische Institut für Meereskunde am frühen Mittwochmorgen und veröffentlichte beeindruckende, von einem seiner Schiffe aufgenommene Bilder.

Auf ihnen ist zu sehen, wie sich die glühend-orange Masse wasserfallartig über Klippen in den schwarzen Atlantik ergiesst. Im Morgengrauen wurden dann die riesigen Wolken aus verdampfendem Meerwasser sichtbar. Vor der Küste bildete sich eine Pyramide aus Lava. Die Bilder erinnern an Hawaii, wo solche Urgewalten der Natur schon lange zu einer Touristenattraktion geworden sind.

Vielen Menschen auf der Insel war am Mittwoch jedoch nicht nach Vorfreude über zahlungskräftige Besucher zumute. «Wir sind alle sehr nervös, weil wir gar nicht wissen, was kommt. Man kann gar nicht mehr schlafen», sagte Rafael aus dem Ort Tazacorte im Fernsehen. Sorge bereiteten vor allem die aus dem Meer aufsteigenden Dämpfe, die unter anderem stark ätzende Salzsäure enthalten.

Gefährliche Salzsäure

Sie entsteht, wenn die 1000 Grad heiße Lava in das nur 20 Grad warme Meer stürzt, das Chlorid enthält, einen der Bausteine der Salzsäure. Salzsäure kann zu Verätzungen der Haut, starken Atembeschwerden und Reizungen der Augen führen. Zudem können sich winzig kleine Vulkansplitter bilden, die zu Verletzungen in der Lunge führen könnten, warnte die Vulkanologin Claudia Rodríguez.

Die Behörden hatten deshalb schon vorsorglich für vier kleinere Ortsteile mit etwa 300 Bewohnern eine Ausgangssperre verhängt. Die Menschen sollten Türen und Fenster geschlossen halten. Die kanarische Sicherheitsbehörde twitterte: «Wenn Sie draußen sind, suchen Sie sich einen sicheren Ort, um Zuflucht zu suchen.» Im Freien solle man sich mindestens ein nasses Tuch vor Mund und Nase binden. Der kräftige Wind war den Menschen aber bei allem Unglück zunächst wohlgesonnen und blies die Schwaden aufs Meer hinaus.

Der Vulkan speit inzwischen mehr Lava als am Anfang aus, die aus größerer Tiefe aufsteigt und deshalb heißer, dünnflüssiger ist und damit schneller fließt. In den spanischen Medien wird deshalb von einem «Ausbruch wie auf Hawaii» gesprochen.

600 Gebäude verbrannt

Die glühende Masse hat seit dem Beginn des Ausbruchs am 19. September bereits eine Schneise der Verwüstung durch das Tal von Aridane, den besonders fruchtbaren Teil der Insel, geschlagen. Rund 600 Gebäude verbrannten und wurden für immer unter der mehrere Meter dicken Lavaschicht begraben.

Auf Dauer vielleicht ebenso schlimm für die Menschen ist der Verlust von Bananenplantagen. Etwa die Hälfte der Inselbevölkerung lebt direkt oder indirekt vom Bananenanbau, der sich schon vor dem Vulkanausbruch in der Krise befand.

Nun sind Medienberichten zufolge schon etwa 15 Prozent der normalen Ernte in dieser Jahreszeit durch den Vulkanausbruch verloren gegangen. Auf ihrem unaufhaltsamen Weg Richtung Meer hatte die Lava auch Gewächshäuser nahe der Küste zerstört. Deren Plastikplanen und dort gelagerter Kunstdünger fingen Feuer, auch dabei wurden giftige Dämpfe freigesetzt. Auf den unter der Lava begrabenen Feldern wird auf Jahrzehnte keine Landwirtschaft mehr möglich sein.

Die Vulkaninsel war am Dienstag zum Katastrophengebiet erklärt worden. Etwa 5600 Evakuierte mussten weiter bei Angehörigen in anderen Teilen der Insel oder in Notunterkünften ausharren. Die Schäden belaufen sich Schätzungen der Regionalregierung zufolge auf mehrere Hundert Millionen Euro.

Der Vulkan in dem Höhenzug Cumbre Vieja im Süden der Insel vor der Westküste Afrikas war am 19. September erstmals seit 50 Jahren wieder ausgebrochen. Wie lange er aktiv bleiben würde, konnten auch Vulkanologen nicht sagen. Es könne Wochen oder auch Monate dauern.

(L'essentiel/DPA/chk)

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