Urteil gesprochen

12. August 2020 17:09; Akt: 12.08.2020 21:21 Print

Lebenslang für den Killer von Kitzbühel

Nach einem Prozesstag ist der 26-jährige Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte im Oktober 2019 seine Ex-Freundin und vier weitere Menschen erschossen.

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Das Landesgericht Innsbruck hat den 26-jährigen Andreas E. wegen fünffachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der Österreicher im Oktober 2019 seine Ex-Freundin, deren Eltern und Bruder sowie einen 24-Jährigen in einem Einfamilienhaus in Kitzbühel erschossen hat. Das Motiv für die Tat war die aus Sicht des Todesschützen unerträgliche Trennung von seiner Freundin.

Urteil am ersten Prozesstag

Gutachter bescheinigten dem Arbeiter volle Zurechnungsfähigkeit. Der 26-Jährige hatte sich unmittelbar nach der Tat der Polizei gestellt, die Tatwaffe ausgehändigt und ein Geständnis abgelegt. Vor Gericht bedauerte er das Geschehen. «Es tut mir unendlich leid», meinte der 26-Jährige in seinem Schlusswort.

Vor Gericht hatte sich E. geständig gezeigt: Er gab zu, eine wohl unerträgliche Schuld auf sich geladen zu haben. Er würde sich so wünschen, dass ihn jemand aufgehalten hätte in jener Nacht, sagt er am Mittwoch vor dem Landgericht Innsbruck.

Der Fall:

Andreas E. erschoss seine 19-jährige Ex-Freundin, deren Vater, deren Mutter, deren Bruder und einen Freund der 19-Jährigen in einem Einfamilienhaus in Kitzbühel. Beim Motiv scheinen Eifersucht, Enttäuschung, emotionale Überforderung eine Rolle gespielt zu haben. Eifersucht allein sei es nicht gewesen, sagt seine Verteidigerin zum Auftakt. «Es ist viel komplexer.»

Seine Freundin hatte die mehrjährige Beziehung einige Monate vor der Tat beendet. Der Schock saß offenbar tief. Zeitweilig war der Kontakt zur Familie so eng, dass der heute 26-Jährige sogar unter der Adresse seiner späteren Opfer gemeldet war. Nach früheren Aussagen der Mutter des Angeklagten war bis kurz vor der Trennung eigentlich eine Hochzeit geplant.

Zufälliges Treffen in einer Bar

Der Angeklagte, Arbeiter bei einer Baufirma, war bei den Ermittlungen von den Kollegen als «ordentlich, ruhig und zurückhaltend» beschrieben worden. In der Nacht zum 6. Oktober 2019 überstürzten sich die Ereignisse. Die beiden Ex-Partner trafen sich zufällig in einem Lokal in Kitzbühel. Es wurde laut Polizei gestritten, aber der Disput nahm keine dramatischen Formen an.

Umso Schlimmeres folgte: Mehrfach fuhr der 26-Jährige in den frühen Morgenstunden zu dem ihm so vertrauten Anwesen. Nach seiner Aussage wiesen ihn der Vater und der Bruder seiner Ex-Freundin ab. Dann bewaffnete er sich. Aus dem Safe seines im Ausland lebenden Bruders nahm er eine Pistole vom Kaliber neun Millimeter. Er griff sich einen Baseballschläger und ein Messer. Er klopfte erneut und eröffnete das Feuer. Alle Opfer wurden aus kurzer Distanz mit Schüssen in den Kopf getötet. Bei dem 24 Jahre alten Freund der Tochter handelte es sich um den Torwart des Kitzbüheler Eishockey-Teams. Am Vorabend war er noch bei einem Spiel aufgrund seiner hervorragenden Leistung zum «Man of the Match» gewählt worden.

«Ich habe soeben fünf Personen ermordet»

Nach der Tat stellte sich der junge Mann bei der Polizei. «Ich habe soeben fünf Personen ermordet», sagte er zu den Polizisten und legte seine Waffen auf den Tresen der Wache. Die in dem 8000-Einwohner-Ort beispiellose Tat schockierte ganz Österreich. 340 Menschen aus dem Ort suchten nach dem blutigen Geschehen psychologische Hilfe beim Krisen-Interventionsteam.

Sein Tun könne er sich nicht erklären, sagte der 26-Jährige nun im Prozess. «In der Nacht ist einfach alles zusammengekommen. Niemand konnte etwas dafür. Ich hatte einen Tunnelblick», so der aus Kitzbühel stammende junge Mann. Das Geschehen verfolge ihn. «Das erlebe ich jede Nacht beim Schlafen, das ist schlimm genug», begründet er den Umstand, warum er die Tat nicht noch einmal in allen Einzelheiten schildern will. Laut einem psychiatrischen Gutachten war der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat allenfalls alkoholbedingt enthemmt, aber zurechnungsfähig. Er habe zum Tatzeitpunkt zwischen 0,6 und 1,65 Promille gehabt, erklärte die Staatsanwältin. Dem Angeklagten droht eine lebenslange Haft.

(L'essentiel/SDA)

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