Tragödie in Toulouse

20. November 2019 07:47; Akt: 20.11.2019 07:47 Print

Lkw wog über 50 Tonnen -​​ erlaubt waren 19

Zwei Menschen haben bei einem Brückeneinsturz im Südwesten Frankreichs ihr Leben verloren. Nun laufen die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung.

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Der Brückeneinsturz im Südwesten Frankreichs mit zwei Todesopfern wurde vermutlich durch einen zu schweren Lastwagen ausgelöst. Das am Montag in den Fluss Tarn gestürzte Fahrzeug habe eine «mehr als 50 Tonnen» schwere Baumaschine transportiert. Dies sagte der zuständige Staatsanwalt Dominique Alzeari am Dienstag. Das Fahrzeug war damit mehr als doppelt so schwer als das zulässige Höchstgewicht von 19 Tonnen. Die Behörden leiteten daraufhin Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein.

«Die Tatsache, dass dieses schwere Fahrzeug die Brücke benutzt hat, scheint nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen die unmittelbare und offensichtliche Ursache des Unfalls zu sein», sagte Alzeari. Der Beschilderung der 1931 erbauten Brücke sei ausdrücklich zu entnehmen, «dass sie nur ein Lastwagen gleichzeitig benutzen kann und, dass seine formale Nutzlast auf 19 Tonnen begrenzt ist», fügte er hinzu.

Der Lastwagenfahrer sei nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler auf die Brücke gefahren, «trotz der Lichthupen und Warnhupen» des hinter ihm fahrenden Lastwagens, sagte der Staatsanwalt weiter. Der erste Fahrer habe damit mutmaßlich den «sofortigen und totalen» Zusammenbruch der Brücke ausgelöst. Bei den Untersuchungen seien unter anderem Aufnahmen von Tauchern gesichtet worden.

Durchsuchung von Büros

«Es war ein Laster in Übergröße, die Brücke ist zusammengebrochen», hatte bereits zuvor der Bürgermeister des Ortes Mirepoix-sur-Tarn, Eric Oget, erklärt. Die französische Umwelt-Staatssekretärin Emmanuelle Wargon jedoch sprach zunächst von einer Hypothese und verwies darauf, dass die Brücke noch 2017 überprüft worden sei. Auch eine Kontrolle 2018 habe keine sichtbaren Schwachstellen ergeben.

Der Schwerlaster diente nach Angaben der örtlichen Behörden zum Transport von Baumaschinen. Er gehörte einer Baufirma der Region nördlich der Großstadt Toulouse, deren Büros nach dem Unglück durchsucht worden waren.

Der Fahrer des Lastwagens kam bei dem Unglück ums Leben. Er galt zunächst als vermisst. Seine Leiche wurde aber am Montagabend geborgen. Das zweite Todesopfer ist eine 15-Jährige, die während des Unglücks mit ihrer Mutter im Auto die Brücke überquerte. Die Mutter konnte aus dem Fluss gerettet werden. Nach Angaben des Staatsanwalts war sie «verletzt und traumatisiert».

4000 reparaturbedürftige Brücken

Die Metallbrücke stammte aus dem Jahr 1931 und war 2003 zuletzt renoviert worden. Experten kritisieren, dass die französische Regierung seit Jahren zu wenig Geld in die Infrastruktur investiere. Sie fürchten ein ähnliches Unglück wie im August 2018 in der italienischen Stadt Genua, wo beim Einsturz der Morandi-Brücke 43 Menschen ums Leben kamen.

In einem Expertenbericht im Auftrag der französischen Regierung war im vergangenen Jahr von 4000 reparaturbedürftigen Brücken im Land die Rede. Bei sieben Prozent der Brücken wurden ernste Mängel festgestellt.

(L'essentiel/roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kaa am 20.11.2019 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    a watt wier passéirt wann d’Autoritéiten ageschratt wären? demos, Streiks, gilets jaunes, black blocs? Trotzdem: a Gedanken bei den onschöllegen Affer !

  • Julie am 20.11.2019 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Behördenversagen ! ich find es mehr als fragwürdig eine Brücke mit nur einer Beschilderung 19t "abzusichern", es war nur eine Frage der Zeit, es musste so kommen. Im Interview hat der Bürgermeister selbst zugegeben schon in der Vergangen Laster beobachtet zu haben die wahrscheinlich zu schwer über die Brücke gefahren sind ! und ? warum hat er nichts unternommen ( permanente Kontrolle an beiden Seiten der Brücke oder Brücke schliessen ), die Polizei wusste ebenfalls Bescheid

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Die neusten Leser-Kommentare

  • kaa am 20.11.2019 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    a watt wier passéirt wann d’Autoritéiten ageschratt wären? demos, Streiks, gilets jaunes, black blocs? Trotzdem: a Gedanken bei den onschöllegen Affer !

  • Julie am 20.11.2019 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Behördenversagen ! ich find es mehr als fragwürdig eine Brücke mit nur einer Beschilderung 19t "abzusichern", es war nur eine Frage der Zeit, es musste so kommen. Im Interview hat der Bürgermeister selbst zugegeben schon in der Vergangen Laster beobachtet zu haben die wahrscheinlich zu schwer über die Brücke gefahren sind ! und ? warum hat er nichts unternommen ( permanente Kontrolle an beiden Seiten der Brücke oder Brücke schliessen ), die Polizei wusste ebenfalls Bescheid

    • Henrinico am 20.11.2019 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      Julie, was hätten sie machen sollen Polizei während 24 stunden abstellen um zu kontrolieren?? Ich glaube wenn ein Schild anzeigt 19 T das sagt genug aus und es war gross zu sehen aber jeder umgeht diese Schilder

    • Julie am 20.11.2019 12:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Henrinico auf unseren Strassen sind Schilder mit max. Geschwindigkeit, da hält sich auch keiner dran, also wird kontrolliert, Radarkontrollen fest oder mobil, seit etwa 1998 gibt es Systeme mit Sensoren in der Strasse die das Gewicht messen (also auch während der Fahrt ). 19t ist gar nix, das entspricht einem 2-axigem Bus, unsere rote Brücke wurde mit 12 Panzer = 480 t getestet ! Also ja entweder die 19t Brücke schliessen oder 24/24h kontrollieren, alle haben nur gehofft dass alles irgendwie gut geht

    • Dusninja am 20.11.2019 15:22 Report Diesen Beitrag melden

      Oder wie in Leverkusen eine Waage mit Schranke und Blitzer installieren. Scheint mittlerweile ganz gut zu funktionieren. Man muss sich aber über den Geisteszustand des Fahrers fragen. Leid tut mir nur die 15jährige, die dadurch sterben musste.

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