Höchste Terrorwarnstufe

29. Oktober 2020 09:57; Akt: 01.11.2020 13:49 Print

Macron mobilisiert 4000 Soldaten gegen Inlandsterror

In Nizza ist am Donnerstagmorgen eine 70-Jährige enthauptet worden. Drei Personen sind beim Angriff getötet, sechs Menschen verletzt worden .

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Bei einer Messerattacke am Donnerstagmorgen in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza hat es laut Medienberichten drei Tote gegeben. Eines der Opfer, eine 70-jährige Frau, sei demnach enthauptet worden. Bei der blutigen Messerattacke sind nach einer vorläufigen Bilanz sechs weitere Menschen verletzt worden.

Der mutmaßliche Täter soll laut BFMTV verhaftet worden und verletzt ins Krankenhaus gebracht worden sein.

UN-Chef verurteilt Attacke

UN-Generalsekretär António Guterres hat die tödliche Messerattacke in der südfranzösischen Stadt Nizza scharf verurteilt. Der Angriff sei «abscheulich», sagte Guterres am Donnerstag laut Mitteilung in New York. Er sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus und betonte die Solidarität der Vereinten Nationen mit dem französischen Volk und seiner Regierung.

Über Lampedusa eingereist

Bei dem mutmaßlichen Angreifer von Nizza handelt es sich nach dpa-Informationen um einen Mann, der 1999 in Tunesien geboren ist. Der konservative französische Abgeordnete aus dem Département Alpes-Maritimes, in dem auch Nizza liegt, Éric Ciotti, machte am Donnerstag weitere Angaben: So sei der mutmaßliche Täter über die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa eingereist, schrieb er bei Twitter.

Auch die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Mann auf Lampedusa mit anderen Migranten in die EU eingereist und auf der Insel registriert worden sei. Die Ermittler haben sich bisher noch nicht zum Täter und zum Ablauf der Tat geäußert.

«Islamistischer Terroranschlag»

Die Messerattacke in Nizza mit drei Toten war laut Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ein «islamistischer Terroranschlag». Frankreich sei angegriffen worden, sagte der 42-Jährige am Donnerstag in der südfranzösischen Küstenmetropole.

Er kündigte einen verstärkten Schutz von Kirchen und Schulen an. Der schon länger laufende inländische Anti-Terroreinsatz «Sentinelle» des Militärs solle von bisher 3000 auf nun 7000 Soldaten aufgestockt werden. Macron war nach dem Anschlag in Begleitung von Ministern nach Nizza gereist.

Attacken in Yvelines und Lyon vereitelt?

Ein Mann afghanischer Nationalität, der mit einem 30 Zentimeter langen Messer auf der Strasse Passanten bedrohte, wurde von der Polizei in der Stadt Lyon festgenommen. Laut «Le Parisien» befindet sich der 26-Jährige derzeit in Polizeigewahrsam.

Auch in der Ortschaft Yvelines wurde ein mit einem Messer bewaffneter Mann in Polizeigewahrsam genommen. Er gab an, eine Attacke «wie in Nizza» durchführen zu wollen. Der Mann wurde in der Nähe der Kirche Saint Martin von der Polizei gefasst. Sein Vater hatte die Behörden alarmiert.

Macron ist in Nizza

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist nach der tödlichen Messerattacke in der südfranzösischen Metropole Nizza eingetroffen.

Er werde unter anderem von Innenminister Gérald Darmanin, Justizminister Éric Dupond-Moretti und dem Anti-Terrorstaatsanwalt Jean-François Ricard begleitet, hiess es am Donnerstag aus Élyséekreisen. Macron wollte vor Ort etwa mit Sicherheitskräften und dem Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, sprechen.

Zwei Augenzeugen berichten

Der 44-jährige Franck Hembert beobachtete die Szene aus einer Entfernung von 40 Metern. Gegenüber Nice Matin schildert er: «Ich sah einen Mann, der wie ein Wahnsinniger aus der Kirche rannte. 30 Sekunden später verfolgten ihn zwischen vier und sechs Polizisten. Es ging alles sehr schnell. Der Mann rannte in eine Seitenstraße hinter der Kirche, dort, wo es einen Garten gibt. Dann hörte ich deutlich vier Schüsse. Das war gegen 9.15 Uhr. Plötzlich kamen die Polizisten wieder angerannt und mir wurde, dass etwas Schreckliches passiert war.»

Pierre erzählt Europe 1, er sei in der Nähe der Kirche gewesen, als der Angriff stattfand. «Meine Arbeitskollegen sagten, dass draußen ein Verrückter war. Dann hörten wir mehrere Schüsse. Sechs oder sieben. Wir sahen Polizisten, die in das Gebäude eilten. Zur Sicherheit hielten wir uns von den Fenstern fern.»

Franziskus bekundet Nähe zu Trauernden

Papst Franziskus hat nach dem Messerangriff in einer Kirche in Nizza seine Nähe und sein Mitgefühl mit den Trauernden bekundet. Das teilte der Vatikan am Donnerstag mit.

«Es ist ein Moment des Schmerzes in einer Zeit der Verwirrung. Terrorismus und Gewalt können niemals akzeptiert werden», schrieb Vatikansprecher Matteo Bruni. Das katholische Kirchenoberhaupt sei «informiert und steht der trauernden katholischen Gemeinschaft nahe», hieß es weiter. Franziskus bete für die Opfer und ihre Angehörigen, dass die Gewalt aufhöre.

Höchste Terrorwarnstufe im ganzen Land ausgerufen

Nach der blutigen Messerattacke mit drei Toten in Nizza gilt in Frankreich die höchste Terrorwarnstufe. Es sei die Stufe «Urgence Attentat» des Anti-Terror-Alarmplans «Vigipirate» ausgerufen worden, sagte Premierminister Jean Castex am Donnerstag in der Nationalversammlung in Paris.

Täter heißt Brahim und ist 23 Jahre alt

Laut dem Sender BFMTV handelt es sich beim Täter von Nizza um einen 23 Jahre alten Mann. Er gab an, Brahim zu heißen. Derzeit wird seine Identität geklärt.

Der junge Mann sagte, alleine gehandelt zu haben. Die Behörden überprüfen die Aufnahmen einer Überwachungskamera, auf denen ein zweiter Mann zu sehen ist, der sich auf der Flucht befindet. Für die Ermittler könnte es sich um einen Komplizen handeln.

«Allah Akhbar»

Der Vorfall habe sich um circa 9 Uhr in der Nähe der Kirche Notre-Dame ereignet, berichtete der Nachrichtensender BFMTV am Donnerstag. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, schreibt auf Twitter, er befinde sich vor Ort mit der Polizei. Laut Estrosi handelt es sich um ein terroristisches Tatmotiv. «Der Täter wiederholte immer wieder vor uns ‹Allah Akhbar›, während er medizinisch versorgt wurde», sagte Estrosi gegenüber Le Parisien.

Gefahr von Terrorattacke bestand bereits

«Wir waren vor zwei, drei Tage lang gewarnt worden, dass mit dem Fest der Allerheiligen (am 1. November) die Gefahr einiger weiterer terroristischer Angriffe besteht, da», so Gil Florini, Dekan der Pfarrgemeinde Nizza Centre, gegenüber BFMTV.

«Wir waren zwar auf der Hut, aber wir dachten nicht, dass es auf diese Weise geschehen würde», erklärte Florini.

Frau starb bei Flucht aus Kirche

Zwei Frauen und ein Kirchendiener sind verstorben. Eine Frau wurde in der Kirche geköpft, die andere verstarb französischen Medien zufolge in einer Bar, wo sie Zuflucht gesucht hatte.

Emmanuel Macron reist nach Nizza

Der französische Präsident wird Nizza am späten Vormittag besuchen, teilte der Elysée-Palast am Donnerstag mit. Emmanuel Macron wird den Krisenstab des Innenministeriums besuchen.

Auch der Abgeordnete von der Polizeibehörde Alpes-Maritimes, Eric Ciotti, hatte zuvor angekündigt, dass auch er im Laufe des Tages nach Nizza fahren werde.

Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft wurde nach eigenen Angaben damit beauftragt, die Ermittlungen zu übernehmen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Situation laut Polizei unter Kontrolle

Auf Twitter bittet die französische Polizei, dass die Umgebung rund um die Kirche Notre-Dame gemieden wird. Gegen 9.40 Uhr habe man eine Explosion gehört und wenig später eine Schussabgabe.

Die Polizei gibt aber Entwarnung: Bei der Explosion habe es sich um Detonationen gehandelt, die die Polizei selbst ausgelöst hat. Die Situation sei unter Kontrolle, so die Polizei.

(L'essentiel/sda/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jean am 29.10.2020 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der psyschich hintergebliebene Islamist wurde leider nur verletzt und leider noch medizinisch versorgt...

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  • Mik Dolux am 29.10.2020 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Demnächst fennt dat och hei statt, da kommen se aus de Lächer gekroch....

  • Wuffel am 29.10.2020 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Gerd muss een weinst Zeechenbiller den Leit den Kapp erofschneiden, allez allez. Daat do huet dach näischt mei matt Religioun ze dinn.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Still ist im Walde am 30.10.2020 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Huet bis elo schonns éen en Kommentar heieren vun onsen Greng-Rouden Kuschelbär Fraktiounen dei ons dach soss emmer erklären dat Multikulti eng Bereicherung wier?

  • Menni am 29.10.2020 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Der hing wohl in einer Dauerschleife: Alaakbar-Alaakbar-Alaakbar- ... Ein Reset und schon läuft er wieder ! Kein Grund zur Panik.

  • svendorca am 29.10.2020 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    drei Attacken an einem Tag!..denkt mal nach: Weihnachten steht vor der Tür, und Corana tut sein übriges dazu..@ Mike Dolux: de Sténgeforter, fro déen..

    • et gett esou lous duer am 30.10.2020 08:33 Report Diesen Beitrag melden

      Ech mengen ech ennerschreiwen déem seng Petitioun fir endlech ze goen.

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  • DrGuyLong am 29.10.2020 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre die Wiedereinführung der Todesstrafe für Terroristen eine Lösung?

  • Mik Dolux am 29.10.2020 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Demnächst fennt dat och hei statt, da kommen se aus de Lächer gekroch....