Windpocken

16. Mai 2019 13:08; Akt: 16.05.2019 13:15 Print

Mann klagt gegen Impfung – und steckt sich an

Ein 18-Jähriger verklagte seine Schule, weil sie ihn zur Windpocken-Impfung zwingen wollte. Er verlor und erkrankte – an Windpocken.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sich impfen lassen oder 21 Tage dem Unterricht und allen anderen schulischen Aktivitäten fernbleiben: Vor diese Wahl stellte eine Schule im US-Bundesstaat Kentucky im März alle Schüler, die noch nicht immun waren gegen Windpocken, auch Wilde Blattern genannt.

Dies war nötig geworden, weil sich mindestens 32 von ihnen mit der hoch ansteckenden Krankheit (siehe Box 1) infiziert hatten. Eine weitere Ausbreitung sollte so verhindert werden.

«Unmoralisch, illegal und sündig»

Der 18-jährige Jerome, ein streng religiöser Schüler, wollte sich jedoch nicht entscheiden. Weil er weder auf Schule und Sport verzichten noch sich impfen lassen wollte, zog er gegen die Schule vor Gericht. Er sah seine Rechte verletzt.

Sein Argument laut BBC: Impfstoffe seien «unmoralisch, illegal und sündig». Schließlich würden sie aus abgetriebenen Föten entwickelt (siehe Box 2). Das würde seinen religiösen Überzeugungen widersprechen.

Gegenüber der Washington Post legte Jeromes Vater nach: «Das ist Tyrannei gegen unsere Religion, unseren Glauben, unser Land.» Sein Sohn werde bestraft, weil er ein gesundes Kind sei. «Er wird vielleicht nie Windpocken bekommen.»

Bewusst infiziert

Doch exakt das ist geschehen, wie unter anderem CNN berichtet. Genauso wie andere Mitglieder von Jeromes Glaubensgemeinschaft erkrankte auch er selbst an den Windpocken. Das gab sein Anwalt Christopher Wiest gegenüber dem «Cincinnati Enquirer» bekannt.

Er selber habe dafür gesorgt, so Wiest weiter. «Ich habe den Müttern und Vätern gesagt, der schnellste Weg, das Problem mit den Windpocken aus der Welt zu schaffen, sei, sich absichtlich mit Windpocken zu infizieren.»

«Herzlose Missachtung der Gesundheit und Sicherheit anderer»

Die Verantwortlichen vom Northern Kentucky Health Department betrachten die Empfehlung Wiests äußerst kritisch. Laut ihnen sei eine Impfung viel sicherer: Eine Infektion im Erwachsenenalter könne lebensgefährlich sein. Dass das im Jahr 2019 bestritten werde, bezeichnen sie laut Sciencealert.com als «alarmierend und enttäuschend».

Auf die Wirkung einer sogenannten Windpockenparty zu setzen, sei ein veralteter Gedanke, heißt es in einem offiziellen Statement der Gesundheitsbehörde. Zwar würde die während einer solchen Party infizierte Person tatsächlich immun gegen das Virus, allerdings könnten diese «das Virus leicht auf andere, ahnungslose Menschen übertragen, einschließlich solchen, die besonders anfällig für diese potenziell lebensbedrohliche Infektion sind».

Die Gesundheitsexperten werden noch deutlicher: «Die Förderung der Ausbreitung einer akuten Infektionskrankheit in einer Gemeinschaft zeigt eine herzlose Missachtung der Gesundheit und Sicherheit von Freunden, Familienangehörigen, Nachbarn und ahnungslosen Mitgliedern der Öffentlichkeit.»

Die Klage Jeromes, der seine freiwillige Infektion gut überstanden hat, ist vom Gericht abgelehnt worden.

(L'essentiel/fee)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julie am 16.05.2019 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    ..."allerdings könnten diese «das Virus leicht auf andere, ahnungslose Menschen übertragen" ... verstehe ich nicht, die "andere" das sind doch dann die geimpften, denen kann das also egal sein ?!

  • Paul T. am 17.05.2019 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Dass es noch immer 18-jährige streng religiöse gibt, gibt mir wirklich zu denken. Aber leider gibt es gegen Dummheit noch keine Impfung.

  • Name/Vorname am 16.05.2019 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist denn bitte dir "Box 2" - also diejenige welche die Impfstoffherstellung aus abgetriebenen Föten beschreibt?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul T. am 17.05.2019 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Dass es noch immer 18-jährige streng religiöse gibt, gibt mir wirklich zu denken. Aber leider gibt es gegen Dummheit noch keine Impfung.

  • Julie am 16.05.2019 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    ..."allerdings könnten diese «das Virus leicht auf andere, ahnungslose Menschen übertragen" ... verstehe ich nicht, die "andere" das sind doch dann die geimpften, denen kann das also egal sein ?!

  • Name/Vorname am 16.05.2019 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist denn bitte dir "Box 2" - also diejenige welche die Impfstoffherstellung aus abgetriebenen Föten beschreibt?