Outing

24. Oktober 2019 09:29; Akt: 24.10.2019 09:39 Print

«Mein Vater wollte mich töten, weil ich schwul bin»

Als der Vater von Seran M.* merkt, dass sein Sohn homosexuell ist, dreht er durch. Er geht mit dem Messer auf den 17-Jährigen los. Er überlebt – mit Glück.

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Seran M.* erwachte mit einem Messer am Hals. Sein Vater hielt die Klinge in der Hand, während er mit großen Augen seinen 17-jährigen Sohn anstarrte. «Er schrie ‹Du bist schwul?, du bist schwul?› und zog die Klinge über meinen Hals», erzählt M. L'essentiel.

M. überlebt den Angriff seines Vaters nur mit Glück. Der zierliche junge Mann wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Attacke, ihm gelingt die Flucht über den Balkon, Nachbarn alarmieren schließlich Ambulanz und Polizei. Mit schweren Schnittverletzungen am Hals und am Oberkörper wird der Berner in eine Krankenhaus geflogen. «Die Halsschlagader hatte er zum Glück knapp verfehlt, die Luftröhre wurde jedoch arg verletzt. Ich musste ins künstliche Koma verlegt werden.»

Zweites Leben nach künstlichem Koma

Seither sind über sechs Monate vergangen und M. führt nun ein neues, zweites Leben. Der 17-Jährige wohnt jetzt alleine, in einem anderen Ort im Kanton Bern. Doch an den Vorfall wird er täglich durch die Narben an Hals, Brust, Rücken und Armen erinnert. «Ich sehe sie im Spiegel oder wenn ich Selfies und Snaps mache. Sie werden mich für den Rest meines Lebens begleiten», so M.

Seran M. wuchs in einem ländlichen Teil der Schweiz auf und ist, wie der Rest seiner Familie, irakischstämmig. «Ich habe meine Homosexualität immer vor meiner Familie versteckt.» Warum sein Vater, ein gläubiger Moslem, ausgerechnet an jenem Morgen auf ihn losging, weiß M. nicht.

Trotz den Narben gehe es ihm heute gut: «Ich bin jetzt ein freierer Mensch als vor dem Zwischenfall.» Außerdem nehme er seit kurzem auch professionelle Hilfe in Anspruch – damit auch die seelischen Narben verheilen.

M.s Narben sind über den ganzen Körper verteilt:

(Video: 20m)

Kämpfen für die Zukunft

Dennoch wird M.s Leben nie mehr dasselbe sein. Der Vater wurde von den Behörden in Gewahrsam genommen, die Polizei bestätigt dies. Das Verhältnis zur Familie ist seither schwierig. «Meine Mutter schämt sich dafür, was geschehen ist.» M. hat jedoch genug davon, sich zu schämen: «Ich habe mich lange genug versteckt, damit ist jetzt Schluss.» Aus diesem Grund veröffentlicht er seine Geschichte und seine Fotos auf Instagram.

Er habe nicht nur positive Reaktionen erfahren: «Manche sagten, ich sei krank, weil ich homo sei, oder ‹Du bist schwul, du hast das verdient›». M. findet, es brauche dringend eine Umdenken in der Gesellschaft. «Wir haben 2019 und mein Vater wollte mich töten, weil ich auf Männer stehe. Ich kann das einfach nicht akzeptieren.» Außerdem wolle er auch andere Homosexuelle, die einen muslimischen oder islamischen Hintergrund hätten, ermutigen: «Holt euch Hilfe, wenn ihr euch outen wollt.» Das Wichtigste sei aber, sich nicht von der Familie unterdrücken zu lassen.

*Name geändert

Hast du Du Dich sexuell geoutet? Wie lief das damals ab? Erzähl es uns.

(L'essentiel/cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trauregsoueppes am 24.10.2019 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    ist schon krass, wenn der Vater seinen eignen Sohn töten will nur um seine 'Ehre' zu retten!Ich wäre stolz auf meinen Sohn und würde ihn sogar für seinen Mut loben und was die anderen denken wäre mir völlig egal! Seran ich wünsche dir alle Gute in Zukunft!

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  • Léon am 24.10.2019 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    J’espère que tu vas bien te remettre et avoir une vie comme tu l’as souhaité

  • Whitney am 24.10.2019 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Armer junger Mann. Ich kann ihn am Besten verstehen. Es trennen uns ueber 40 Jahre. Ich bin eine Frau. Damals war es viel viel schwieriger wie Heute. Mein Vater hat nie etwas erfahren. Er ist vorher verschieden. Meine Mutter hat es zur Kenntnis genommen aber nie akzeptiert. Ich habe keinen Kontakt mehr mit dem Rest der Familie. Meine Eltern sind tot. Heute bin ich nicht mehr bei guter Gesundheit und habe keine Lebensgefährtin mehr. Die Gesellschaft tut auf Akzeptanz doch viele sind im Geheimen nicht mit uns einverstanden. Viel Mut und Kraft wuensche ich dem jungen Mann in seinem 2. Leben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul H. am 25.10.2019 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Solch einen Vater sollte niemand haben. Der ist gut für die Tonne. Ich hoffe, der Sohn macht sein Leben und verzichtet in Zukunft auf Kontakt zu seinem Erzeuger.

  • Whitney am 24.10.2019 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Armer junger Mann. Ich kann ihn am Besten verstehen. Es trennen uns ueber 40 Jahre. Ich bin eine Frau. Damals war es viel viel schwieriger wie Heute. Mein Vater hat nie etwas erfahren. Er ist vorher verschieden. Meine Mutter hat es zur Kenntnis genommen aber nie akzeptiert. Ich habe keinen Kontakt mehr mit dem Rest der Familie. Meine Eltern sind tot. Heute bin ich nicht mehr bei guter Gesundheit und habe keine Lebensgefährtin mehr. Die Gesellschaft tut auf Akzeptanz doch viele sind im Geheimen nicht mit uns einverstanden. Viel Mut und Kraft wuensche ich dem jungen Mann in seinem 2. Leben.

  • Elbowkick am 24.10.2019 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dann denk mal nach.was hat diese Tat mit Multikulti zu tun? Gar nix.Daselbe hätte er auch im Irak gemacht.

  • Trauregsoueppes am 24.10.2019 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    ist schon krass, wenn der Vater seinen eignen Sohn töten will nur um seine 'Ehre' zu retten!Ich wäre stolz auf meinen Sohn und würde ihn sogar für seinen Mut loben und was die anderen denken wäre mir völlig egal! Seran ich wünsche dir alle Gute in Zukunft!

    • Whitney am 24.10.2019 19:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Trauregesoueppes: Genau leiwer en homesexuellen Jong de fein an leif as, den schafft, wei en hétéro den Drogen hoelt an neicht schafft. Das e bessen krass ausgedreckt, sorry!

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  • zum Nachdenken am 24.10.2019 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nun zeigen sich die Auswüchse des soo hochgepriesenen Multikulti. Und wenn die Liebgrünrotradikale es immer noch nicht hören wollen gibt es leider immer noch intolerante Andersdenkende aufgrund ihrer Religion.

    • @zum Nachdenken am 24.10.2019 12:59 Report Diesen Beitrag melden

      es gibt auch Christen, die solche Verbrechen begehen, hat nichts mit dem Islam zu tun und er wird ja auch, Gott sei Dank, für sein Verbrechen verurteilt!!!

    • klar... am 24.10.2019 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      anhand eines Vorfalls gleichmal alle in einem Topf werfen, sehr intelligent, rechts halt.

    • Pit am 25.10.2019 02:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @klar mierkste nach eppes? Du schwätz vun alleguer an een deppen geheien an behaaps gleichzeiteg selwer heen wier riets. Bessen paradox nee? Vollidiot

    • der Mann hat leider Recht am 25.10.2019 08:30 Report Diesen Beitrag melden

      leider ist dies nicht der erste Fall (Medien lesen und verstehen) und die 'Kultur' der Ehrenmorde sind NICHT in der christlichen Kultur zu finden.

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